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2 (1879)
Entstehung
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Ländern am Rhein und in Gallien ſtanden ſich auf dieſe Weiſe im 5. Jahrhundert zwei ganz verſchiedene Bevölkerungen gegenüber, die alte romaniſche, welche unter ihren Biſchoͤfen durch römiſche Bildung und durch den katholiſchen Glauben zuſammengehalten wurde, und die fränkiſch⸗ heidniſche, welche unter ihren Merovingiſchen Volkskönigen von Krieg und Ackerbau lebte, anſpruchsvoll und gewaltthätig auftrat, aber weder unduldſam gegen das Chriſtenthum noch unempfänglich für die höhere Bildung ihrer Umgebung war. Gauz von ſelbſt drängte ſich den fränkiſchen Eroberern bei der ſteten Berührung mit den katholiſchen Chriſten die Frage auf: Welcher Gott mag der richtige ſein? Wodan oder Chriſtus? Die heilige Jungfrau oder Freya? Doch erſt ſehr zögernd und langſam wurden ſie geneigt, an Chriſtum zu glauben, und nur durch die Bekehrung ihres Volkskönigs Chlodwig wurde der Uebertritt des Volkes bewirkt.

a lodwig, ein hochbegabter und thatkräftiger, aber auch grauſamer, treuloſer und abergläubiſcher Für. durch 3) Slod⸗ 85 Biſchöfe mit der katholiſchen Fürſtin Chlotilde von Burgund vermählt, meinte bifero n. Gott der Chriſten ſei ein ohnmächtiger Gott, da er den Chriſten in Gallien gegen die Franken nicht helfen könne. Indeſſen fürchtete er ſich doch ſchon als Heide, den vom Volke verehrten Martin von Tours zu beleidigen(Vgl.§. 20, ¹); und als in der Schlacht bei Zülpich die Anrufung Wodans gegen die Alemannen nicht helfen wollte, gelobte er dem Gott der Chriſten, falls ihm dieſer den Sieg verleihen würde, ſeinen und ſeines Volkes Uebertritt zum Chriſtenthum. Nach ſeinem Sieg ließ er ſich ſchon auf dem Rückwege nach Rheims im katholiſchen Glauben unterrichten, empfing zu Weihnachten 496 durch Biſchof Remigius unter Kerzenglanz und Weihrauchduft die Taufe, bewog die Mehrzahl der Großen zur Nachahmung ſeines Beiſpiels, gründete als Chriſt im ganzen Lande Kirchen und Klöſter, breitete den katholiſchen Glauben bei den Franken nach Kräften aus, ſchonte hier und da wohl auch auf Bitte der Biſchöfe die ſonſt dem Tode geweihten Kriegsgefangenen, bekämpfte auch zur Chre des katholiſchen Glaubens die arianiſchen Burgunder und Gothen im Süden Galliens; im Uebrigen aber blieb er auch als Chriſt ebenſo wortbrüchig, herrſchſüchtig und grauſam wie er als Heide geweſen war, da ihm wie ſeinem ganzen Volke, von vorn herein die ſittliche Bildung fehlte, wodurch er über eine bloß äußerliche, abergläubiſche und cärimonielle Auffaſſung des Chriſtenthnms ſich hätte erheben können.

b) Trotzdem war die durch ihn bewirkte Bekehrung der Franken von unabſehbarer Wichtigkeit für ſein Volk und für die ganze Chriſtenheit. Das fränkiſche Volk empfing vor Allem ſelbſt durch das Chriſtenthum einen göttlichen Lebensinhalt, deſſen Segnungen von Geſchlecht zu Geſchlecht immer mehr hervortraten. Es konnte aber auch von nun an mit ſeinen romaniſchen Unterthanen zu einem einzigen Volke verſchmelzen, was vorher unmöglich war, es erreichte allmälig durch ſeine Macht den Uebertritt der Burgunder(534) und der Weſtgothen(586) zur katholiſchen Kirche; es bot dem Einfluß der römiſchen Päpſte die erſte gewaltige Handhabe in Europa; es wirkte mittelbar und unmittelbar zur Bekehrung der Alemannen unter Fridolin und Columban mit(Vgl.§. 24, 2, b, c); zur Bekehrung der Baiern ſeit 696 durch den fränkiſchen Fürſtenſohn Nupert von Worms und durch den fränkiſchen Einſiedler Corbinian von Chartres; zur Bekehrung der Frieſen durch Willebrord(719 39); zur Bekehrung der Angelſachſen unter der fränkiſchen Princeſſin Bertha, zur Bekehrung der Heſſen und Thüringer unter Bonifatius(Vgl.§. 25, 1), zur Bekehrung der Sachſen unter Karl dem Großen und zur Bekehrung des Nordens unter Anſcharius(Vgl. §. 25, 2). Es ſicherte endlich durch ſeine entſcheidenden Siege über den Islam und über das nordiſche Heidenthum überhaupt den Fortbeſtand der antiken und chriſtlichen Cultur in Europa.

4) Der Einfluß des fränkiſchen Chriſtenthums ermöglichte dem Papſt Gregor dem Großen, wie oben erwähnt, die Bekehrung der Angelſachſen in Brittannien ſeit 597. Feindſelig ſtand dieſes tapfere Volk ſeit 449 den chriſt⸗ lichen Britten gegenüber; überall hatte es Kirchen und Klöſter zerſtört und die Verehrung Odins ausgebreitet; nur in den Bergen von Wales und in dem großen Inſel⸗Kloſter Bangor hatten die Britten mit der Freiheit ihren Glauben behauptet. Da erwachte um 590 in dem vornehmen Römer Gregor(Vgl.§. 26, 4), welcher den Glanz der Welt aufgegeben und ſeines Vaters Palaſt in ein Kloſter verwandelt hatte, das brennende Verlangen nach der Bekehrung der Angelſachſen. Auf dem Sklavenmarkt hatte er hochgewachſene, ſchöne Knaben dieſes Volkes geſehen und vernommen, das ſie noch Heiden wären. Sie ſind ſchön wie die Engel, hatte er ausgerufen; ſie müſſen Genoſſen der Engel werden. Er ſelbſt wollte deshalb als Bote Chriſti nach Brittannien gehen, und wurde nur durch das Verbot des Papſtes, der ihn in Rom nicht entbehren mochte, daran gehindert. Sobald er jedoch ſelbſt Papſt geworden war, führte er ſeine Abſicht durch ſeinen Freund Aurelius Auguſtinus aus. Im Einverſtändniß mit der chriſtlichen Königin Bertha, der Gemahlin des heidniſchen Königs Ethelberts von Kent, welche ſich im Ehevertrag die freie Ausübung des chriſtlichen Glaubens geſichert hatte und die alte Martins-Kapelle zu Canterbury(Cantuarium) für ihren Gottesdienſt benutzte, ſandte er ſeinen Freund nebſt 40 Genoſſen über Frankreich nach England. Auf den König und ſeine Großen machte gleich das erſte Auftreten der Miſſionare einen tiefen Eindruck. Die Feierlichkeit und der Ernſt ihrer Erſcheinung, die Macht ihres Geſanges, das Bild des Gekreuzigten und die fliegende Proceſſionsfahne in ihrer Mitte, endlich ihre glaubensſtarke Predigt vom Sohne Gottes gewannen ſein Herz. Zu Pfingſten 697 ließ er ſich bereits mit vielen Großen in Dorovernum(Cantwaraburk, Cantuarium) taufen, und allmählig folgten ſeinem Beiſpiel auch die andern Volkshäupter. Seitdem wurden Kirchen und Klköſter errichtet; in Canterbury und York (Eboracum) wurden Erzbiſchöfe eingeſetzt, welche dem Papſt Gehorſam ſchworen; heidniſche Tempel wurden zu Gottes⸗ häuſern geweiht; die Sonntagsfeier wurde Geſetz; im Gottesdienſt wurden die Gebete lateiniſch, das Evangelium und die Predigt angelſächſiſch geleſen. Das begabte und lebensfriſche Volk der Angelſachſen aber wurde auf dieſe Weiſe für die Lehre Jeſu Chriſti zugänglich gemacht. Beſonders aus den geiſtig höher ſtehenden Familien gingen ſehr bald hochherzige und ſelbſtverleugnende Menſchen hervor, welche dem Herrn in den Formen des katholiſchen Chriſtenthums ihr ganzes Leben weihten und es vor Allem als ihre Aufgabe anſahen, auch die noch heidniſchen Germanen des Feſt⸗ landes, ihr)e Stamm-Genoſſen, in den Gehorſam Chriſti und des römiſchen Stuhles zu führen.