Achter Abſchnitt.
Die Ausbreitung der abendländiſchen oder lateiniſchen Kirche unter den Völkern des mittleren und nördlichen Curopas(400— 1400 n. Chr.) und unter den Indianern von Mittel- und Süd⸗Amerika(1500 n. Chr.). §. 23.
Die Bekehrung der Irländer, Schotten, Franken, Alemannen, und Angel⸗ ſachſen(430—690).
1) Während die katholiſche Kirche des Morgenlandes durch den Islam ihre alten, blühenden Gebiete in Aegypten, Paläſtina, Syrien und Kleinaſien faſt ganz verlor(Vgl.§. 22, 2 u. 3), und nur durch die Bekehrung der Bulgaren und Ruſſen einen theilweiſen Erſatz fand(Bal.§. 23, 2, a. b.), verlor dagegen die abendländiſche oder lateiniſch redende Kirche, welche ſich im Laufe der Zeit immer feſter an die römiſchen Biſchöfe oder Päpſte anſchloß, durch den Islam nur Nord⸗ afrika und breitete ſich dagegen um ſo ſiegreicher unter den lebenskräftigen Völkern des mittleren und nördlichen Europas, zuletzt ſogar ſeit 1492 unter den zahlreichen Indianerſtämmen von Mittel⸗ und Süd⸗Amerika aus.
2) Die nächſte und friedlichſte Erweiterung derſelben geſchah durch den Britten Sukath oder Patricius, den Apoſtel der Irländer. Als Knabe von 16 Jahren wurde er durch Seeräuber aus dem Hauſe ſeines Vaters, eines Diakonen bei Glasgow, geſtohlen und nach Irland verkauft. Während eines ſechsjährigen elenden Sclavenlebens bekehrte er ſich dort aufrichtg zum Heiland, erlangte durch Flucht ſeine Freiheit und kehrte in die Heimath zurück, wurde jedoch mit 32 Jahren abermals von Seeräubern ergriffen und nach Frankreich geſchleppt. Nachdem er von Neuem die Freiheit erlangt hatte, begab er ſich zu ſeinem fruͤheren Herrn in Irland zurück und predigte dieſem ſowie ſeinem Volke das Evangelium(430). Nur bei den Druiden fand er Widerſtand; dagegen die Häuptlinge nahmen ihn freundlich auf, und das Volk wurde durch die chriſtlichen Lieder gewonnen, welche er den umherziehenden Sängern verfaßie hatte. Durch Gründung von Kirchen und Klöͤſtern ſicherte er darauf den Beſtand der Kirche in Irland, die dankbare iriſche Kirche aber nannte ihn Kil⸗Padruik, den Kirchen⸗Vater, unter welchem Namen er ſehr bald als Heiliger angerufen und der Schutzpatron Irlands wurde. Durch begeiſterte iriſche und britiſche Möuche wurde ſpäter auch eine große Miſſionsbewegung nach dem Feſtland eröffnet.
a) Columba bekehrte ſeit 565 die Hochſchotten und ſtellte die neue Kirche unter den Presbyter⸗Abt von Hy—
b) Der vornehme Irländer Fridolin gründete von 510— 550 Kirchen am Rhein, im Elſaß, in den Vogeſen und in Graubündten und bewog die Alemannen in der Umgegend des von ihm gegründeten Kloſters Säckingen (Sanctio) zur Annahme des Chriſtenihums.
c) Noch wichtiger für die Alemannen und zugleich für Ober⸗Italien wurde der iriſch brittiſche Mönch Columban(550— 615) und deſſen Schüler Gall. Mit 12 Gefährten gründete Columban im Appennin an der Trebbia das berühmte Kloſter Bobbio und ſein Schüler Gall in der Schweiz die Abtei St. Gallen, zwei Stiftungen, welche auf mehrere Jahrhunderte hinaus die Mittelpunkte chriſtlicher Bildung für die umliegenden Länder wurden.
d) Ebenſo brachte der Irländer Kilian oder Kyllene um 640 die erſte Kunde von Chriſto nach Thüringen, beſonders an die obere Werra und an den Main. Herzog Gozbert und deſſen Sohn Hedan wurden Chriſten; letzterer erbaute 716 die Marienkirche in Würzburg; einzelne chriſtliche Gemeinden wurden auch noch von Bonifatius vorgefunden; Kilian ſelbſt freilich mußte als Märiyrer ſterben, und das Heidenthum hielt ſich als Volksreligion neben dem Chriſtenthum.
3) Ungleich wichtiger für die abendländiſche Kirche und für die Verbreitung chriſtlicher Bildung in Europa war die Bekehrung der Franken unter Chlodwig ſeit 496. Während ihre kriegeriſchen Stammesgenoſſen, die Oſt⸗ und Weſt⸗Gothen, die Longobarden, die Heruler, die Rugier, die Van⸗ dalen und Burgunden Arianer geworden waren und dadurch für die chriſtliche Cultur meiſt ver⸗ loren gingen(Vgl.§. 15, 4), traten dagegen die Franken vom Dienſte Wodans unmittelbar zur katholiſchen Kirche uͤber. Wie die übrigen germaniſchen Völker ſo hatten auch ſie ſich als eine dauernde Einquartierung im römiſchen Reiche niedergelaſſen; einen Theil der Einwohner hatten ſie im Kampfe getödtet, einen andern zu Knechten und Leibeigenen gemacht, den dritten, weitaus zahl⸗ reichſten unter einem friedlichen Rechtsverhältniß weiter beſtehen laſſen. In den altrömiſchen
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