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2 (1879)
Entstehung
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Koran befohlene Kopfſteuer der Rajahs(der ſchutzbefohlenen Chriſten) auf, und durch Verordnungen von 1844 und 1855 ſprach ſie den Grundſatz der Religionsfreiheit und der Rechtsgleichheit für alle ihre Unterthanen aus, wenn ſie freilich auch denſelben gegen den Fanatismus der Beamten und des Volks bis jetzt noch nicht durchzuführen willens oder im Stande war. Noch in neueſter Zeit mußten daber die Chriſten blutig leiden.

2) Der Theil der griechiſchen Kirche, welcher die Bevölkerung des 1833 mit Hülfe Europas gegründeten griechiſchen Königreichs umfaßt, wurde 1833 vom Patriarchen in Konſtantinopel los⸗ geriſſen und unter den aus Biſchoͤfen beſtehenden heiligen Rath zu Athen geſtellt, deſſen Beſchlüſſe zu he Geltung vom Konig genehmigt werden müſſen und an deſſen Spitze der Biſchof von Attika ſteht.

3) Die Verluſte, welche die griechiſche Kirche durch den Islam in Aſien und Afrika erlitt, wurden ihr durch die Bekehrung mehrerer Völkerſchaften in Europa ſeit dem 9. Jahrhundert etwas erträglicher gemacht..

a) Zuerſt bekehrte ſich der den Türken verwandte Stamm der Bulgaren in Möſien von 845865. Eine bulgariſche Fürſtentochter hatte in der Gefangenſchaft zu Konſtantinopel den chriſtlichen Glauben angenommen und ſuchte ihr Volk dafür zu gewinnen. Eine Hungersnoth kam ihr zu Hülfe. Als auf Zureden der Fürſtin und des großen Miſſionars Methodius das Volk den Gott der Chriſten anrief, nahm die Noth ein Ende und die Bulgaren ließen ſich taufen.

b) Ungleich wichtiger für die griechiſche Kirche war der Uebertritt des ruſſiſchen Volkes unter Großfürſt Wladimir im Jahr 988. Schon ſeit dem 9. Jahrhundert hatten die Ruſſen das Chriſtenthum kennen gelernt; ihre Großfürſtin Olga hatte ſich im Jahr 955 in Konſtantinopel taufen laſſen und bis an ihr Ende einen chriſtlichen Prieſter gehabt. Doch erſt ihr Enkel Wladimir(980 1015) nahm den griechiſch-katholiſchen Glauben an. Juden, Muhamedaner, Griechen und Lateiner ſuchten ihn zu bekehren. Von beiden erſtern wollte er nichts wiſſen; es war ihm nur ungewiß, ob er ſich den Lateinern oder den Griechen anſchließen ſollte. Eine Geſandtſchaft, welche zum Zweck der Prüfung nach Rom und Konſtantinopel reiſte, konnte ihm von der Pracht und Feierlichkeit des Gottesdienſtes in der Sophienkirche nicht genug erzählen. So entſchloß er ſich zur Annahme des griechiſchen Glaubens. An dem ſelben Tage, wo er zu Cherſon getauft wurde, heirathete er die griechiſche Prinzeſſin Anna. Nach ſeiner Rückkehr ließ er zum Schrecken und unter den Thränen des Volks die Götzenbilder zerſchlagen und in den Dnepr werfen, das Volk aber ſchaarenweiſe mit Weib und Kind in den Strom treiben und taufen. Erſt durch die chriſtlichen Prieſter wurde Leſen und Schreiben bei den Nuſſen bekannt; chriſtliche, in ihre Sprache überſetzte Schriften, bildeten den Anfang ihrer Literatur In der Hauptſtadt Kiew wurde ein Metropolit eingeſetzt, der unter dem Patriarchen von Konſtantinopel ſtand, und von dem Höhlenkloſter zu Kiew, der heiligſten Stätte des Reichs, gingen ſeit 1050 die Biſchöfe Rußlands faſt alle aus. Im Gottesdienſt wurde die damals lebende altſlawoniſche Sprache gebraucht, in welche die griechiſchen Gebete, Lieder und Schriftabſchnitte überſetzt wurden. Ebenſo wurde das Mönchsweſen, der Heiligen⸗, Bilder⸗ und Reliquien-Dienſt, das Wallfahrten, die Taufe mit Untertauchen, die Spendung des Abendmahls unter beiderlei Geſtalt, auch an eben getaufte Kinder, einfach herübergenomnten und bis dieſen Tag beibehalten. Den Mittelpunkt des Gottesdienſtes bildet ſeitdem die Meſſe; die Predigt kommt nur in größern Städten vor, die Sprache der Gebete und Schriftlectionen iſt noch immer die altſlavoniſche, obgleich ſie ſelbſt von den Prieſtern(Popen, Vätern) nur ſelten verſtanden wird. Die Theilnahme der Gemeinde iſt auf Knieen, Kreuzſchlagen, Küſſen des Bodens und ſtille Anbetung beſchränkt. Die vorkommenden Geſänge werden von einem Chor vorgetragen. Die Verehrung der Bilder iſt faſt noch abergläubiſcher als in der römiſchen Kirche. Mit Zuſtimmung des Patriarchen von Konſtantinopel wurde 1589 ein beſonderes Patriarchat zu Moskau errichtet. Da daſſelbe jedoch eine Macht beſaß, welche Peter dem Großen bei ſeinen Reformen hinderlich wurde, hob dieſer es im Jahr 1702 wieder auf und erſetzte es durch den heiligen Synod in Petersburg, welcher aus Biſchöfen beſteht und die ruſſiſche Kirche unter Oberhoheit des Kaiſers regiert.

Um allen Theilen der griechiſch katholiſchen Chriſtenheit ein Gefühl der Zuſammengehörigkeit zu geben und dieſelben ſowohl gegen Rom als gegen die Lutheraner und Reformirten abzuſchließen, verfaßte Petrus Mogilas, Erzbiſchof von Kiew, 1642 ein rechtgläubiges Bekenntniß des Glaubens der katholiſchen und apoſtoliſchen morgenländiſchen Kirche, welches von ſämmtlichen Patriarchaten beſtätigt wurde. Trotz alledem fehlt es in der ruſſiſchen Kirche nicht an Sekten. Eine Parthei von Altgläubigen nennt ſich ſelbſt Staroverzen; von der Kirche werden ſie Noskolniken, d. h. Abtrünnige genannt; die Duchoborzen wollen eine ſittlich ſtrenge, von Cärimonien befreite Kirche des Geiſtes. Andere ſind auf bedenkliche Abwege, wie Entmannung, Verbrennung oder Ermordung ihrer Mitglieder gerathen. Auch gibt es in Rußland gegenwärtig viele Gottesleugner(Nihiliſten)

Glücklich begonnene Verſuche der evangeliſchen Bibelgeſellſchaften, dem ruſſiſchen Volke das Wort Gottes in ſeiner Sprache zu bringen(1813 26), wurden durch Kaiſer Nikolaus 1826 unterbrochen und konnten bis jetzt nur theilweiſe erneuert werden. Dagegen iſt das Eindringen der griechiſch⸗katholiſchen Kirche in den lutheriſchen Oſtſee⸗Provinzen von der Regierung mit allen Mitteln befördert worden und theilweiſe gelungen.