Druckschrift 
2 (1879)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2

3) Ueberraſchend ſchnell breitete ſich überhaupt die nene Weltmacht des Islam aus. Muhamed, geboren zu Mekka aus dem angeſehenen Stamm der Koreiſchiten 569, war als Kaufmann durch ſeine Reiſen mit Chriſten und Juden ſowie mit der heiligen Schrift bekannt geworden Der Glaube an den Einen wahren Gott hatte ihn aus dem Alten Teſtament ergriffen; Abraham und Ismael waren ihm ſchon aus der Tradition ſeines Volkes theuer geweſen; Jeſus erſchien ihm als ein großer Prophet, den man ehren müſſe. Dagegen an der chriſtlichen Lehre von Chriſti Gottheit und von der Dreieinigkeit und noch mehr an der faſt heidniſchen Verehrung der Bilder nahm er Anſtoß. Mächtig erfaßte ihn der Wunſch, eine vollkommnere Neligion als Heiden⸗ Juden⸗ und Chriſtenthum zu ſtiften und, wie es Einen Gott im Himmel gebe, ſo auch Ein Reich auf Erden zu gründen. Beſonders ſeinen arabiſchen Landsleuten glaubte er die Wohlthat des Einen Glaubens ſchuldig zu ſein, da ſie durch mannigfaltigen Götzendienſt und Stammeshaß von einander getrennt waren. Seit 611 verkündigte er in Mekka den Einen Gott und ſich als deſſen Propheten. Er behauptete, vom Engel Gabriel ſeine Lehre empfangen zu haben. Ohne eine Ahnung von der Sünde und Erlöſungsbedürftigkeit des Menſchen lehrte er, man ſolle ſich Gottes Huld durch fünfmaliges tägliches Gebet, durch Mildthätigkeit, durch Nüchternheit, durch Faſten und Wallfahrten und durch den Kampf für den Islam erwerben; der Gläubige dürfe vier Frauen haben, müſſe aber den Wein und Glücksſpiele vermeiden. Wegen ſeines Geſchickes brauche er ſich keine Sorgen zu machen; es ſei alles von Gott vorher⸗ beſtimmt. In der zukünftigen Welt erwarte den Ungläubigen je nach dem Grade ſeiner Gottloſigkeit eine harte Strafe, den Frommen je nach der Größe ſeiner Verdienſte eine ſinnliche Belohnung und Glückſeligkeit; den ſieben Höllen ſtünden ſieben Himmel gegenüber. Wegen dieſer Lehren wurde Mohamed 622(Hegirah, Hedſchra, Flucht) von Mekka ver⸗ trieben, aber in Medinah mit Freuden aufgenommen. Er verſtand es, ſeine Anhänger mit wilder Begeiſterung zu erfüllen; die arabiſchen Stämme fielen ihm durch Gewalt und Güte zu. Schon 630 unterwarf ſich auch Mekka und als Kalif von Arabien ſtarb Muhamed 632. Im Koran wurden ſeine Lehren zuſammengeſtellt; in der Sunna wurden weitere Traditionen hinzugefügt. Die Araber glaubten ſich zur Ausbreitung ihres Glaubens mit Feuer und Schwert berufen; ſie eroberten 632 35 Syrien, 637 Jeruſalem, 648 Antiochien; den Chriſten Paläſtinas wurde durch Vertrag ihre Religionsübung und der Beſitz der Kirchen gegen ein Schutzgeld geſtattet; nur Kreuze und Glocken wurden entfernt; 639 wurde Aegypien erobert, 649 Cypern, 651 Perſien, 654 Rhoodus, 698 Carthago und ganz Nordafrika; faſt überall traten die Einwohner zum Islam über, um den Bedrückungen der neuen Herrſcher zu entgehen. Der orientaliſchen Kirche aber wurden Millionen von Seelen entriſſen und die Patriarchate von Alexandrien und Antiochien verloren ihre ganze Bedeutung. R

4) Da ſich der Widerwille der Muhamedaner bei ihren Kampfen mit Oſtrom vorzugsweiſe gegen die Bilder richtete, welche in der griechiſchen Kirche als wunderthätig verehrt und angebetet wurden ſo konnte es nicht fehlen, daß auch in chriſtlichen Kreiſen die altchriſtliche Erinnerung wach wurde, daß der Bilderdienſt dem Geiſt Chriſti zuwider und ein neues Heidenthum ſei. Allein das Volk, die Mönche und die Geiſtlichen, unterſtutzt durch die Zuſtimmung des römiſchen Stuhls, ließen nicht von ihrem ſchriftwidrigen Abergiauven. Als daher Leo III., der Iſaurier, durch Beamte und Soldaten die Bilder als götzendieneriſch wegnehmen(726) und ſogar(728) zerſtören ließ, klammerte ſich das Volk nur noch feſter an den abgeſchmackten Bilderdienſt. Koanſtantin Kopronymus, der(754) die Bilder durch eine Synode verwerfen ließ, fand hiergegen blutigen Widerſtand, der ſich auch unter ſeinen Nachfolgern fortſetzte. Kaiſerin Irene, eine eifrige Freundin der Bilder, ließ endlich auf der allgemeinen Synode zu Nicäa 786 die Verehrung, nicht Anbetung, der Bilder beſchließen, und Kaiſerin Theodora konnte(842) den völligen Sieg des Aberglaubens als einen Sieg der Rechtgläubigkeit feiern(Bilderſtreit 726 842). Die heidniſche Entartung der griechiſchen Kirche war hiermit als chriſtlich und gottgefällig hingeſtellt, die Möglichkeit einer evangeliſchen Erneuerung derſelben aber für die Zukunft ſehr zweifelhaft gemacht.

§. 22. Die Trennung der morgenländiſchen Kirche vom Abendland.

1) Während die griechiſche Chriſtenheit in ihrem Innern durch die theologiſchen Streitigkeiten, in ihrer äußern Macht und Ausdehnung durch den Islam ſchwer geſchädigt wurde, hatte ſie zugleich ihre kirchliche Selbſtſtändigkeit gegen die wachſenden Anſprüche der roͤmiſchen Biſchöfe zu vertheidigen. Nur mit Widerſtreben hatte ſich der griechiſch gebildete Orient einſt der römiſchen Staatsgewalt unterworfen; um ſo weniger wollte er nun ein entſcheidendes Uebergewicht des römiſchen Stuhles auf kirchlichem Gebiet anerkennen. Schon ſeit dem zweiten Jahrhundert trat dieſe nationale Eiferſucht deutlich hervor(Vgl.§. 9, 3. 17, 48). Man ſtritt über die verſchiedene Feier des Paſſahfeſtes in Kleinaſien und Rom(Vgl.§. 18, 3), indem die Kleinaſiaten es mit den Juden am 14. Niſan hielten(rHονπα σταάνσσν Kreuzigungs⸗Paſſah), die Lateiner am Auferſtehungs⸗ tage, dem Oſtertag(rãονια ⁴αeεαοσιμον, Auferſtehungs⸗Paſſah). Da kein Theil nachgab, blieb eine Verſtimmung zurück. Dazu kam dann die verſchiedene Berechnung und Dauer der Faſtenzeit und das Faſten der Lateiner auf den Sonnabend. Auf dem Concil von Nicäa wurde zwar die