Druckschrift 
1 (1878)
Entstehung
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Athanaſius, trat er in den Dienſt der Kirche. Hier mag es auch geweſen ſein, daß er zuerſt von dem gott⸗ geweihten Leben der ägyptiſchen Mönche vernahm, welche den Athanaſtus bei ſeiner Verbannung nach Trier begleitet und die erſte Kunde von ihrer Lebenweiſe nach Gallien gebracht hatten. Zunächſt hielt es Martinus jedoch für ſeine Pflicht, die heidniſchen Eltern zu beſuchen und womöglich zu vekehren. Auf der Reiſe nach Mailand fiel er Räubern in die Hände, aber durch die ſelige Ruhe ſeines Glaubens gewann er den Führer derſelben fürs Chriſtenthum. Ebenſo gelang ihm in Mailand die Bekehrung der Mutter, wenn freilich nicht die des Vaters. Dagegen wurde er von den damals herrſchenden Arianern wegen ſeines Niceniſchen Bekenntniſſes(Bgl.§. 15) grauſam gegeiſelt und verjagt. Nunmehr wandte er ſich dem Einſiedler-(Mönchs-) Leben zu, erſt in der Nähe von Mailand, dann auf einer Inſel bei Genua, endlich bei Poitiers, wo er ſeinem väterlichen Freund Hilarius nahe ſein konnte. Sein inniger Glaube, ſein ernſtes, entſagungsvolles Leben, ſein inbrünſtiges Gebet zog hier Troſtbedürftige von allen Seiten herbei Eine große Anzahl Kranker wurden unter ſeiner Fürbitte und Handauflegung geſund. Das Volk wählte ihn darum trotz ſeiner Weigerung zum Biſchof von Tours und führte ihn mit Gewalt in die Stadt, wo er den 4. Juli 371 ſein Amt antrat. Als Biſchof lebte er ſo einfach wie vorher; er trug niemals die glänzenden Gewänder, welche die damaligen Biſchöfe bereits gebrauchten; unter einer Felſenwand an der Loire baute er ſich eine hölzerne Zelle; unter den Hunderten von Einſiedlern aber, welche ſich in dieſer Felſenwand über ſeiner Zelle anſiedelten, übte er eine ſoldatiſche Zucht; ſie hatten nur gemeinſames Cigenthum; ihre Kleider waren aus Kameelshaaren gemacht; reiche Gewänder galten als Frevel; alle Bequemlichkeiten wurden verſchmäht; Martinus ſchlief über einem Aſchenhaufen auf einem Haarteppich; zum Sitz hatte er einen hölzernen Stuhl mit 3 Füßen; Wein wurde niemals auf den Tiſch gebracht; alle befleißigten ſich der Keuſchheit; die Jüngern ſchrieben gute Bücher ab, die Aelteren lebten nur dem Gebet; das ſtrengſte Faſten wurde geübt. Alle ſeine Cinkünfte verwandte Martinus zu Werken der Liebe, beſonders zum Loskaufen von Gefangenen und zur Unterſtützung der Armen. Tauſende fanden Rath und Troſt bei ihm; Keiner ſah ihn je weinen oder lachen oder aufbrauſen im Zorn; eine ſtille Ruhe und Heiterkeit erfüllte ihn; ungebeugt ſtand er den Großen der Erde gegenüber, beſonders dem grauſamen Kaiſer Maximus. Mit aller Kraft ſtemmte er ſich gegen die erſte Hinrichtung von Ketzern, welche im römiſchen Neiche vorkam, nänlich die der Priseillianiſten in Lanien im J. 385. Als er den Frevel nicht hindern konnte, brach er wenigſtens alle Gemeinſchaft mit den Biſchöfen ab, welche dem Kaiſer zur Verfolgung gerathen hatten. Auf das Volk von Gallien übte er einen wunder⸗ baren Einfluß aus, beſonders durch die Heilung der Geiſtes- und Gemüths-Kranken; ſeiner Predigt ergaben ſich die Götzendiener; unter ſeinen Händen fielen die heidniſchen Altäre; Kapellen und Kirchen wurden erbaut, Mönchsgeſell⸗ ſchaften wurden gegründet. Im höchſten Alter ſtarb er auf der Reiſe, nachdem er noch ſtreitige Geiſtliche verſöhnt hatte; auf ſeinem Aſchenhaufen und Haarteppich beſtand er den letzten Kampf und ging ſelig heim den 8. Nov. 400. Am 11. Nov. wurde er zu Tours begraben; 2000 Mönche gaben ihm das Geleit. Der Eindruck ſeines Lebens auf das Volk war ſo groß, daß er im ganzen Mittelalter der populärſte Heilige der Kirche in Mittel- und Nord-Europa blieb und daß auch Luther am 11. Nov. 1483 mit ſeinem Namen getauft wurde.

Mit ihm war das Mönchthum in Gallien feſt eingebürgert, aber auch hier, wie im Orient noch ohne klöſterliche Einſchließung(333- 397).

2) Faſt gleichzeitig kam daſſelbe durch den früheren kaiſerlichen Statthalter und ſpäteren Erzbiſchof Ambroſius von Mailand und durch deſſen Schweſter Marcellina nach Italien; auch Ambroſius war von dem verbannten Athanaſius dazu angeregt. Von Mailand aus trug Auguſtinus die Ideale mönchiſcher Weltflucht und Heiligkeit nach Nordafrika und erlebte deren ꝛaſche Verbreitung(Val.§. 16). Nach dem Hinſterben der erſten glaubensſtarken Generationen zeigten ſich jedoch in Folge des Verfalls der früheren Zucht und des Mangels einer feſten und ſtrengen Lebensordnung ſowohl unter den galliſchen als italiſchen Mönchen im 5. Jahrhundert große Gebrechen; viele zogen unter dem Vorwand des Gebets und Bilderhandels als unordentliche Landſtreicher(gyrovagi) umher oder führten auch in ihren Klöſtern ein ſo wüſtes Leben, daß die Mönche überhaupt in ſchlechten Ruf kamen.

3) Der Mann, welcher das Kloſterleben von dieſen Mißbräuchen reinigte und es für viele Jahrhunderte zu einer dem Abendland nützlichen Inſtitution umwandelte, war Benedictus von Nurſia in Umbrien, Abt von Monte Caſſino(480 543). Als zwölfjähriger Knabe ſchon flüchtete er von Rom in die Einſamkeit in Subjaco; dort lernte er durch einen frommen Mönch Gortes Wort genauer kennen und übte ſich in Faſten, Gebet und Peinigungen; unter andern wälzte er ſich öfters auf ſpitzen Dornen, um die Lüſte des Fleiſches zu dämpfen. Wegen ſeiner Frömmig⸗ keit wählten ihn die Mönche eines benachbarten Kloſters zum Abt; da er aber auch von ihnen ein heiliges Leben forderte, bereiteten ſie ihm ſoviel Aerger, daß er wieder wegzog. Statt deſſen gründete er nun neue Klöſter, im Ganzen bis 520 deren zwölf; im J. 528 ließ er ſich in Monte Caſſino bei Neapel nieder, bekehrte die noch heidniſchen Landleute zum Chriſtenthum, erbaute zu Chren Martins von Tours eine Kapelle, wurde vom Gothenkönig Totilas hochgeehrt und ſtarb den 20. März 543. Von ihm wurden die drei Gelübde des Gehorſams, der Armuth und Keuſchheit neu eiugeſchärft und die weſentlichliche Verbeſſerung hinzugefügt, daß die Mönche in einem verſchloſſenen Hauſe(claustrum) zuſammenwohnen mußten, während ſie bis dahin meiſt in Hütten neben einander gelebt hatten Das Umherſchweifen hörte auf; die Zahl der Mönche wurde in der Regel auf 12 in jedem Kloſter beſchränkt; in ſchwarzer Kutte, geſenkten Hauptes verbrachten ſie 7 Stuuden des Tages und der Nacht im Gebet; je nach ihren Kenntniſſen und Fäbhigkeiten trieben ſie auf Anordnung des Abtes Feldarbeit, Garten- und Wein⸗Bau, nützliche Künſte und Handwerke, wie Malerei und Baukunſt, auch gelehrte Studien und Jugend-Unterricht, ſowie das Abſchreiben guter Bücher aus dem klaſſiſchen Alterthum und aus den Werken der chriſtlichen Theologen. Die Benediktiner wurden auf dieſe Weiſe in einer Zeit der Verwilderung und des Umſturzes die Träger der Cultur für das Abendland, indem von ihren Schulen in Italien, Spanien und England, ſpäter auch in Gallien, in Deutſchland und im Norden die Bildung der Geiſtlichen und der vornehmen Laien ausging. Die Grundlage dieſer Schulen war das Studium der 7 freien Künſte(artes liberales) unter Gebet und ſtrenger Zucht.