licher ſind die Nachrichten über ſeinen Schüler Pachomius. Als das Einſiedlerleben in der Thebais durch Antonius bereits in voller Blüthe ſtand, etwa im J. 312, floh Pachomius vor dem Kriegsdienſt in die Wüſte, lebte viele Jahre unter Gebet und Bußübungen von der Anfertigung härener Gewänder und gründete endlich auf der Nilinſel Tabennä den erſten Mönchsverein mit einer beſtimmten Negel fürs gemeinſame Leben, doch ohne klöſterliche Einſchließung. Erſt nach dreijähriger ſtrenger Prüfungszeit wurde ein Mitglied aufgenommen; je drei wohnten in einer Hütte; nur im Sitzen durften ſie ſchlafen; über einem leinenen Unterkleid trugen ſie ein Schaf⸗ oder Ziegenfell mit eingenähtem rothen Kreuz, auf dem Kopf eine herunterhängende Kapuze, daß ſie keinem Menſchen ins Geſicht ſehen konnten; zu beſtimmten Zeiten und vor dem Eſſen beteten ſie Pſalmen; ihre Vorſteher, denen ſie unbedingt gehorchen mußten, hießen Aebte(abbates), d. h. Väter, oder Archimandriten(mandra Hütte), Hüttenvorſteher; neben dem Gebet trieben ſie zuweilen Gartenbau, Korbflechten, Krankenpflege und dgl, Alles aber unter ſtrengem Faſten und Nachtwachen. Bei der widernatürlichen Unterdrückung der menſchlichen Bedürfniffe, in der ſie ihren Gottesdienſt ſuchten, war es jedoch nicht zu verwundern, daß ihre unterdrückten Begierden die Phantaſie krankhaft reizten und ihnen ſo bei Tag und Nacht innere Kämpfe erregten, gegen welche keine Kaſteiung half. Irrthümlicherweiſe ſchrieben ſie dann dieſe Verſuchungen dem Teufel zu und glaubten oft mit demſelben ſogar leiblich zu kämpfen. Pachomius ſtarb 348, als ſein Verein bereits eine Menge von Mitgliedern zählte. Später wuchs derſelbe noch bedeutend.
b) Cbenſo zahlreiche, freilich nicht immer ſo gut geordnete Colonien von Einſiedlern entſtanden gleichzeitig bei Nitria in der libyſchen Wüſte; andere in Syrien, Meſopotamien, Kleinaſien und Griechenland, überhaupt im Orient, während das Abendland, ſoweit lateiniſch geſprochen wurde, im Anfang noch davon unberührt blieb. Durch den innig frommen, theologiſch bedeutenden Biſchof Baſilius von Neu⸗Cäſarea in Kappadocien wurde das orientaliſche Mönchthum thet weiſe veredelt und gehoben. Die Zeit der Mönche wurde in Gebet und Arbeit
enau vertheilt; neben dem Ackerbau trieben ſie auch ſtille Handwerke, beſonders Weberei; ſie übten eine ausgedehnte aſtfreundſchaft, gründeten Erziehungs- und Waiſenhäuſer und boten lebensmüden Herzen eine Zuflucht in dem wilden Treiben der Welt, wie ſie ſonſt nirgends zu finden war. Unter den Klöſtern dieſer Richtung ragten ſeit dem 9. Jahrh. die am Berge Athos hervor, aus welchen ſeitdem die Biſchöfe der orientaliſchen Kirche meiſt genommen wurden und welche bis dieſen Tag in Blüthe ſtehen....
c) Indeſſen nahmen keineswegs alle orientaliſchen Mönche die Regel des Baſilius an; viele Tauſende in Aegypten, Meſopotamien und Syrien folgten nur dem eignen Trieb der Weltflucht und Selbſtpeinigung, unterließen die Arbeit faſt ganz, überboten ſich in Verachtung der Wiſſenſchaft und des Anſtandes, gingen in ſchamloſer Nacktheit einher, quälten ſich mit 3—10tägigem Faſten, ſchleppten ſchwere eiſerne Ketten, ließen ſich in den Sümpfen am Nil geduldig von Stechfliegen peinigen, geiſelten ſich blutig und krank, gaben ſich aber auch einem fanatiſchen geiſtlichen Hochmuth hin und wurden in der Hand herrſchſüchtiger und gewiſſenloſer Partheiführer gefährlich für das Gedeihen des Staats und der Kirche. Bei den ſogenannten Weidemenſchen(560„¹) in Syrien ging die Verirrung ſoweit, daß ſie wie die Thiere auf Händen und Füßen gingen und nur vom Gras auf den Bergen lebten. Andere bauten ſich ſteinerne Säulen, auf welchen ſie ihr Leben lang blieben(arνo²zr, Säulenheilige); ihre wenige Nahrung wurde ihnen gereicht. Der berühmteſte unter ihnen war Symeon Stylites, der ſeit 422 bei Antiochien auf einer 40 Fuß hohen Säule unter freiem Himmel ſein Leben zubrachte, von Chriſten und Heiden wegen ſeines Glauben und wegen ſeiner Gebets⸗ kraft geſucht wurde, bei Statthaltern und Kaiſern mehr als einmal Gehorſam gegen ſeine Forderungen erreichte und durch ſein Beiſpiel bis ins 12. Jahrhundert Nachahmer erweckte. Die Befangenheit ſeiner mönchiſchen Anſchauung zeigte ſich beſonders darin, daß er es für Sünde hielt, ſeine hochbetagte Mutter anzuſchauen und zu begrüßen, als dieſelbe vor ihrem Sterben den heiligen und berühmten Sohn noch gern einmal ſehen wollte und deßhalb zu ſeiner Säule kam. Sie mußte unverrichteter Sache wieder fortgehen.— Bei nicht wenigen Mönchen führte auch die Selbſt⸗ quälerei zuletzt in Wahnſinn oder Selbſtmord, indem ſie in dem Verlangen nach eigner Abtödtung keinerlei Schranken der Vernunft und des göttlichen Willens mehr innehielten. Durch die fanatiſche Beförderung des Bilderdienſtes, deren ſich die Mönche im griechiſchen Reiche ſchuldig machten, wurde übrigens der ganzen orientaliſchen Kirche der große Schaden zugefügt, daß ſie unter chriſtlichen Formen immer tiefer in heidniſches und abergläubiſches Weſeu verſtrickt
wurde, aus welchem ſie bis dieſen Tag nicht herausgekommen iſt. §. 20. Die Ausbreitung des Mönchthums im Abendland.
1) Im Abendland verbreitete ſich das Mönchthum zuerſt in Gallien und zwar durch einen der beſten und frömmſten Menſchen, welche die Geſchichte der Kirche kennt, nämlich den h. Martin von Tours.
Geboren im J. 319 zu Sabaria in Pannonien wurde er von ſeinem heidniſchen Vater, einem römiſchen Haupt⸗ mann, mit 7 Jahren in eine Kriegsſchule bei Mailand gebracht, um Officier zu werden. Aber in dem Knaben erwachte, man weiß nicht, durch wen, eine ſo innige Liebe zum Heiland, daß er mit 10 Jahren ſeinen heidniſchen Umgebungen entlief und in Mailand unter die Katechumenen ging. Schon als Knabe diente er hier der Kirche, bis ihn im fünfzehnten Lebensjahr der Vater mit Liſt und Gewalt in die Kriegsſchule zurückführte und ihn zur Officiers⸗ laufbahn nöthigte. Auch als junger Officier lebte aber Martinus nach dem Willen Chriſti, mäßig, züchtig, demüthig, ein Helfer der Armen und Bedrängten. Einſt, da er gerade wieder ſeinen Sold verſchenkt hatte, kam er im kalten Winter durch das Thor von Amiens; ein halbnackter Bettler flehte ihn um eine Gabe an; Martinus nahm ſeinen Soldatenmantel von der Schulter, zertheilte ihn mit dem Schwert und bedeckte mit der Hälfte den Armen. Von ſeinen Kameraden deßhalb verſpottet, wurde er durch einen Traum getröſtet, in welchem er den Herrn mit dem Mantel des Bettlers erblickte und das Wort vernahm:„Martinus, der Katechumen, hat mich bekleidet“. Mit 22 Jahren ließ er ſich taufen und im J. 355 erhielt er vom Oberfeldherrn, dem ſpätern Kaiſer Julian, auf ſein Nachſuchen einen ehrenvollen Abſchied. Beim Biſchof Hilarius von Poitiers, einem Freund und Geſinnungsgenoſſen des großen


