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b) Erſt im nachexiliſchen Judenthum fanden ſich mönchiſche Grundſätze bei den Therapeuten und Eſſenern(Vgl.§. 1, 7). Die frommen Juden in Aegypten und Paläſtina wollten hinter den zeitlebens Eingeſchloſſenen des Serapis und hinter den griechiſchen Asketen der cyniſchen und neupythageräiſchen Schule nicht zurückbleiben, ſondern deren Entſagung wo möglich noch übertreffen. Und ſie erreichten dieſes Ziel einer werkheiligen Frömmigkeit. Sie boten den ſtolzen Römern und Griechen in ihren Einſiedeleien am See Mareotis und in ihren Kolonien am Karmel wie in der jüdiſchen Wüſte einen Anblick dar, welcher deren höchſte Bewunderung erregte. Auch auf die Anſchauungen ſolcher Israliten, welche nicht eigentlich zu ihnen gehörten, wirkten ſie durch das Beiſpiel ihrer Entſagung ein. Anhänger ihrer Grundſätze fanden ſich in den Chriſtengemeinden der apoſtoliſchen Zeit(Vgl.§. 1, 7. 7, 6). Die drei ſpäteren Mönchsgelübde, Keuſchheit, bzw. Familienloſigkeit, Gehorſam und perſönliche Armuth waren bei den Eſſenern der Sache nach vollſtändig vorhanden.
c) Johannes der Täufer, welcher bei ſeinem langen Aufenthalt in der Wüſte ſie wahrſcheinlich gekannt hat, war doch in ſeiner ganzen Stellung und Lebensweiſe von ihnen unabhängig. Nach Gottes Willen lebte er von Kind auf als Naſiräer(Luk 1, 15); als Vorläufer des Herrn im Geiſt und in der Kraft des Elias trug er das härene Kleid mit dem ledernen Gürtel(2 Kön. 1, 8. Mal. 4, 5. Matth. 3, 4. 11, 14); nach dem Wort des Propheten (Jeſ. 40, 3) erfüllte er ſeinen Beruf in der Wüſte. Ganz gegen die Gewohnheiten der Eſſener vermied er das Zuſammenleben mit Andern und widmete ſich nur ſeinem Amte.
d) Auch beim Herrn und Seinen Apoſteln fand, wie ſchon oben gezeigt iſt(Vgl.§. 18, 2), keinerlei werkheilige Entſagung eine Unterſtützung. Nur eine oberflächliche und buchſtäbliche Auslegung konnte ſpäter in einzelnen Ausſprüchen eine Rechtfertigung für das Mönchsleben zu finden glauben. Vor Allem geſchah dies mit dem Wort des Herrn an den reichen Jüngling(Matih. 19, 21): Willſt du vollkommen ſein, ſo gehe hin, verkaufe was du haſt und giebs den Armen, ſo wirſt du einen Schatz im Himmel haben; und komm und folge mir nach. In dieſem Wort haben freilich alle weltflüchtigen Seelen von Anionius von Theben bis auf Franz von Aſſiſi und von dieſem bis zu den neuern Katholiken die Aufforderung zum Mönchsleben erblickt, doch ſehr mit Unrecht. Dem Jüngling fehlte die Erkeuntniß ſeiner Sünde und Schuld. Obwohl ihm der Heiland erſt eben geſagt hatte: Niemand iſt gut als der einige Gott, meinte er dennoch alle Gebote Gottes von Jugend auf gehalten zu haben (Matth. 19, 20). Um ihn von dieſer Selbſtzufriedenheit zu heilen und ihm zu zeigen, daß er in Wirklichkeit und vor Gott noch kein einziges Gebot gehalten habe, indem er nämlich nicht Gott ſeinen Herrn über Alles, auch nicht ſeinen Nächſten wie ſich ſelbſt, ſondern einzig ſeinen Reichthum geliebt habe, ſtellte der Herr die eben genannte Forderung an den Jüngling. Durch dieſes eine Wort ſollte ihm fühlbar gemacht werden, daß er einer voͤlligen Umkehr bedürfe, wenn er vollkommen werden wolle, und daß dieſe Umkehr nur dann eine ächte ſei, wenn er bereit ſei um Chriſti willen auf alle ſeine Güter zu verzichten und ſie zu den Zwecken des Reichs Gottes hinzugeben. Der Heiland drückte hier mit andern Worten ganz daſſelbe aus, was Er ſonſt mit den Forderungen der Buße, der Wiedergeburt, der Selbſtverleugnung, des Aufſichnehmens Seines Kreuzes zu bezeichnen pflegte(Marc. 1, 15. Joh. 3, 3— 8. Matth. 10, 37— 39). Dagegen würde der Herr Sich ſelbſt und dem ganzen Wort Gottes widerſprochen haben, wenn Er mit jener Forderung, wie die Vertheidiger des Mönchthums meinen, hätte anerkennen wollen, der Jüngling habe wirklich bereits Gottes Gebote gehalten und ſei im Stande, ſogar noch eine vollkommenere Tugend zu erweiſen, als welche im Geſetz geboten ſei. Nach dem Zeugniß des Herrn Jeſu Selbſt und aller Propheten und Apoſtel kann der Menſch das Geſetz Gottes(5 Moſ. 6, 5) überhaupt nicht völlig halten(1 Moſ. 8, 21. Matth. 19, 17. Joh. 15, 4— 5. Röm. 3, 20. 23. 7, 18), wird nur aus Gnaden durch Chriſti Verdienſt ſelig(Joh. 13, 8. 1 Joh. 1, 7. Röm. 3. 23— 24), kann niemals mehr leiſten als er zu thun ſchuldig iſt(Luk. 17, 10), ja nicht einmal dies(Gal. 2, 16), und ſoll ſich vor ſelbſterwählter Geiſtlichkeit des Wandels durchaus hüten(Kol. 2, 18— 23. 1 Tim. 4, 1— 5). Ebenſo iſt es der Abſicht des Herrn zuwider, wenn die Freunde des Mönchthums und der Selbſtpeinigungen ſich auf die Stellen berufen, wo die Abtödtung des alten Menſchen, die Kreuzigung des Fleiſches und die Betäubung des Leibes verlangt wird(Gal. 5, 24. 2, 19. Röm. 6, 6. 1 Kor. 9, 27). Hiermit ſind nicht die Kaſteiungen des Leibes durch Hunger, Durſt, Froſt, Hitze, Geiſelhiebe, Nachtwachen, ſpitze Nägel, Dornen, rauhe Gewänder und dgl. gemeint, ſondern der ſittliche Kampf des gläubigen Herzens gegen die eignen Lüſte unter Gebet, Mäßigkeit, Nüchternheit und Wachſamkeit (Matth. 26, 41. Röm. 6, 11— 13. 8, 12— 13). Im ganzen Neuen Teſtament haben darum die mönchiſchen Gedanken keinen Grund.
2) Trotz alledem war das Beiſpiel der Therapeuten und Eſſener, der eingemauerten Serapismoͤnche, der weltflüchtigen griechiſchen Weiſen und der eſſeniſch denkenden Chriſten von Anfang an in der Kirche wirkſam. Man wollte ſo gut etwas Beſonderes leiſten als jene es leiſteten. Gerade edle Naturen fühlten ſich getrieben, dem Bilde philoſophiſchen Lebens, das an jenen bewundert wurde, zur Ehre Chriſti ein noch entſagungsvolleres gegenüber zu ſtellen. Man meinte um ſo mehr durch Kaſteiung des Leibes ein gottgefälliges Werk zu thun als man von dem platoniſchen, aber unbibliſchen Vorurtheil ausging, der Leib ſei nur ein Gefängniß, ein Strafort für die Seele, ja es ſei der unſterblichen Seele unwürdig, daß wir überhaupt eſſen und trinken müßten. Für Viele wurde auch zugleich die Laſt der Steuern und des langen Kriegsdienſtes eine Veranlaſſung, daß ſie das weltflüchtige Leben, welches ihnen jedenfalls als das leichtere erſchien, zugleich als das edlere und gottſeligere anſahen. Ja unedle und faule Naturen wählten es häufig, um nur dem erwünſchten Müßiggang unter dem Scheine der Frömmigkeit und Gottesliebe zu fröhnen.
a) In Aegypten, wo das chriſtliche MNönchthum zuerſt ſich ausbildete, war es beſonders der Einſiedler Antonius von Theben, der es durch das Beiſpiel ſeiner frommen Entſagung begründen half(250— 356). Indeſſen iſt ſein Leben durch eine großartige Dichtung ſo ſehr ausgeſchmückt, daß wir nicht viel Sicheres über daſſelbe wiſſen. Geſchicht⸗


