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1 (1878)
Entstehung
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ebenſowohl die Alleinwirkſamkeit der Gnade wie die Selbſtthätigkeit des Menſchen feſthält, und

zum Andern, daß das Verhältniß beider zu einander zu jenen letzten und höchſten Fragen der Religion.

und Philoſophie gehört, welche für unſer Denken einen Widerſpruch enthalten, der auf der gegen⸗ wärtigen Stufe unſeres Daſeins nicht gelöſt werden kann, ſondern auf eine Ausgleichung im künftigen Leben hinweiſt.

9) Bei dem Zuge zu kirchlicher und leiblich⸗asketiſcher Werkheiligkeit, der zu Auguſtins Zeiten bereits die ganze Chriſtenheit ergriffen hatte, wurde übrigens die Lehre Auguſtins von der Sünde und von der Gnade weder im Morgenland noch im Abendland in ihrer vollen Reinheit feſtgehalten. Der Zug der Zeit ging dahin, ein eignes Verdienſt des Menſchen, zum wenigſten eine Mitwirkung deſſelben zu ſeiner Seligkeit aufzurichten. Wenn daher auch ſpäter immer behauptet wurde, daß man ſich an Auguſtinus halte, ſo ging man doch in Wirklichkeit weit von ihm ab und folgte einer vermittelnden Nichtung, dem ſog. Semipelagianismus. Erſt die Reformation knüpfte durch Luther und Calvin wieder entſchieden und bewußt an Auguſtinus an, that aber den großen Schritt weiter, daß ſie auch die Erfahrung St. Pauli von der Rechtfertigung aus dem Glauben, welche von Auguſtin noch nicht gemacht war, in tiefen innern Kämpfen ſich aneignete und zu kirchlicher Geltung brachte.

Sechſter Abſchnitt.

Die Ausbildung des Katholicismus durch unevangeliſche Rückwirkungen des Judenthums und Heidenthums auf das kirchliche Leben bis Ende des fünften Jahrhunderts.

§. 17.

Die Umbildung der chriſtlichen Geiſtlichkeit in die prieſterliche Hierarchie des Kattblicismus nach den Vorbildern des Alten Teſtaments. 9

1) Als die Kirche am Pfingſtfeſt durch den Herrn gegründet wurde, kannte ſie kein mittleriſches Prieſterthum im altteſtamentlichen Sinne. Er kam nicht mehr darauf an, den heiligen Gott mit der ſündigen Welt zu verſöhnen. Das war durch den Hohenprieſter des Neuen Bundes, den Herrn Jeſum Selbſt geſchehen(Joh. 19, 30. 2 Kor. 5, 18 21). Eine ewige Erlöſung war durch Ihn errungen(Hebr. 5, 9. 7, 23 27. 9, 11 12. 10, 10 12). Es bedurfte keines weitern Opfers, keiner prieſterlichen Vermittelung mehr zum Heil der Menſchheit. Vielmehr handelte es ſich jetzt unter dem Neuen Bunde nur darum, die Früchte des vom Herrn vollbrachten Erlöſungswerks den Meuſchen zuzueignen. Und zu dieſem Zweck hatte der Herr Jeſus ein Einziges Amt in Seiner Kirche geſtiftet, das Amt des Neuen Teſtamentes, das Amt, das die Verſöhnung predigt(2 Kor. 5, 18 21. 3, 6 9). Im Weſentlichen ſollte dies Amt ausgerichtet werden durch Taufe, Predigt, Abendmahl und Zucht und war der ganzen Kirche als der Inhaberin des neuteſta⸗ mentlichen geiſtlichen Prieſterthums vom Herrn übertragen(Vergl.§. 3, 14. 1. Ptr. 2, 9. Matth. 18, 1518)...

2) Weil jedoch die Gemeinde zu ihrer erſten Ausbreitung und Leitung erfahrene und im Glauben gegründete Männer nöthig hatte, welche von Jeſu Chriſto und Seinem Werk mündliches und ſchriftliches Zeugniß ablegen konnten(Joh. 15, 26 27. A. G. 1, 8. 10, 39 42), ſo hatte Sich der Herr ſchon vorher die zwölf Apoſtel erwählt, welchen durch ihre Stellung an der Spitze der Kirche nach dem Befehl des Herrn auch die Aufgabe zufiel, das der ganzen Gemeinde übertragene Amt des Neuen Teſtamentes ſowohl gegenüber den Chriſten als gegenüber den Unbekehrten

zu führen. Ihnen kam es daher zu, unter Leitung des heiligen Geiſtes die ganze Lehre Chriſti

als ſeine Stellvertreter an die Menſchheit zu überliefern(Matth. 28, 18 20. Mrc. 16, 15 16. Luk. 10, 16. Joh. 16, 19 20). Und die Apoſtel entledigten ſich dieſer Aufgabe zuerſt durch mündliche Predigt, dann aber, ſobald und ſo oft das Bedürfniß eintrat, durch Abfaſſung der Evangelien und Briefe des Neuen Teſtaments. Ihrer großen Verantwortlichkeit eingedenk unter⸗

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