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Sein großer Gegner Athanaſius, der ſchon 326 Erzbiſchof von Alexandrien wurde, mußte in Folge der verſchiedenen Wendungen des arianiſchen Streites viermal ins Exil gehen, darunter einmal auf Befehl des Kaiſers Julian, weil dieſer über die zahlreichen durch Athanaſius bewirkten Heiden⸗ bekehrungen erbittert war(Vergl.§. 13, 4). Erſt in den letzten Jahren durfte er ruhig in Alexandrien leben und ſtarb dort 373. Der Streit aber dauerte im Orient noch bis zum J. 381. In dieſem Jahr nämlich berief Theodoſius der Große das zweite allgemeine Coneil nach Conſtan⸗ tinopel, welches das Niceniſche Bekenntniß beſtätigte und erweiterte. Den Beſchlüſſen deſſelben traten allmälig theils gezwungen theils freiwillig die ganzen und halben Arianer bei. Im Abend⸗ land wurden ſie noch einige Jahre durch Valentinian II. geſchützt, ſeit 388 aber auch von dieſem unterdrückt.
4) Ein längeres Daſein friſtete der Arianismus unter einigen germaniſchen Völkern. Die Weſtgothen an der unteren Donau, von welchen ein Theil ſchon zu Conſtantins des Gr. Zeit Chriſten waren, wurden 376 auf ihrer Flucht vor den Hunnen vom arianiſchen Kaiſer Valens nur unter der Bedingung des Uebertritts aufgenommen und empfingen ſo den arianiſchen Glauben. Ihr Biſchof Ulfilas, der Ueberſetzer der heiligen Schrift, ſtarb fern von ſeinem Volke 388 in Conſtantinopel. Das tapfere Volk aber hielt den arianiſchen Glauben feſt und verbreitete ihn weiter bei Oſtgothen, Longoborden, Vandalen und Burgunden. Doch gereichte die falſche Lehre allen dieſen Völkorn nicht zum Segen. Denn einerſeits war ſie durch die mit ihr verbundene Herabſetzung des Erlöſers unerbaulich und unkräftig für das höhere Seelenleben, andrerſeits bewirkte ſie eine ſo tiefe Spaltung zwiſchen jenen Völkern und den übrigen Chriſten, daß entweder die beſten Kräfte der arianiſchen Germanen ſich in nutzloſem Kampfe mit den Katholiken verzehrten, oder daß ihnen zuletzt nichts anderes übrig blieb als doch noch den Glauben der allgemeinen Kirche anzunehmen. So thaten die Burgunden in Gallien bereits 536, die Weſtgothen in Spanien unter ihrem König Rekkared 586, die Longobarden unter Grimoald 672; die Vandalen aber, welche Nordafrika erobert hatten, geriethen durch Sittenloſigkeit und durch grauſame Verfolgung der andern Chriſten in eine ſolche Zerrüttung, daß ſie 534 durch Beliſar völlig vernichtet wurden und aus der Geſchichte verſchwanden, ein Schickſal, welches 554 auch den Öſtgothen in Italien bereitet wurde.
5) Die Erkenntniß von der wahrhaftigen Gottheit und Menſchheit Jeſu Chriſti, wie ſie der Kirche auf Grund der heiligen Schrift in den langen Kämpfen des arianiſchen Streits aufging und im Bekenntniß von Nicäa(325) und Konſtantinopel(381)(dem Symbolum Niceno-Kon- stantinopolitanum) bezeugt wurde, bildet ſeitdem für die kirchliche Lehre von Chriſto den Grund und Ausgangspunkt, an welchem auch die evangeliſche Chriſtenheit unverrückt feſthalten muß, wenn ſie in Wahrheit ein Glied der allgemeinen Kirche bleiben will(Vergl.§. 3).
§. 16.
Die tiefere Erkenntniß des Erlöſungswerkes Jeſu Chriſti im pelagianiſchen Streit(409—431).
1) War es vorzugsweiſe die griechiſche und orientaliſche Chriſtenheit, welche im arianiſchen Streit den Lehrinhalt der heiligen Schrift über die ewige Gottheit und über die Weſensgleichheit des Sohnes mit dem Vater erforſchte und zur kirchlichen Feſtſtellung brachte, ſo war es andererſeits der Kirche des Abendlandes vorbehalten, im Streit zwiſchen Pelagius und Auguſtinus die Zeugniſſe der Apoſtel und Evangeliſten über die angeborne Sünde und Untüchtigkeit des Menſchen, über die Unzulänglichkeit alles eignen Wollens und Thuns zur Seligkeit, uͤber die Nothwendigkeit des Erlöſungswerks Jeſu Chriſti und über die alleinige Heilswirkſamkeit der göttlichem Gnade im Bewußtſein der Chriſtenheit aufzufriſchen und feſtzuſtellen. Die großen und tiefen inneren Erlebniſſe, welche in dieſer Beziehung unter der Leitung des Herrn einſt durch den Weltapoſtel gemacht waren (Vergl.§. 6, 1— 5), mußten ſich zu dem Ende wenigſtens theilweiſe in der Seele des Mannes wiederholen, der in dieſer Sache, ähnlich wie Athanaſius im arianiſchen Streit, zum Träger und Vertheidiger der göttlichen Wahrheit gegenüber dem menſchlichen Irrthum von Gott beſtimmt war, nämlich in Aurelius Auguſtinus(354—430).
2) Geboren zu Tagaſte in Numidien den 13. November 354 als älteſter Sohn des heidniſchen Rechtsgelehrten Patricius und der frommen Chriſtin Monica, begabt mit einem ſcharfen Verſtand, einer lebhaften und glühenden Empfindung, einem kräftigen Willen und einer ſchöpferiſchen Phantaſie, wuchs er unter den heißen Gebeten und innigen Liebesbeweiſen der Mutter wie unter der ſtrengen Zucht des Vaters anfänglich glücklich heran. Nachdem jedoch der


