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2) Trotzdem war die ſittliche Ueberlegenheit des chriſtlichen Glaubens über das ſinkende Heidenthum auch in dieſer Zeit unverkennbar wahrzunehmen. Selbſt heidniſche Gegner und Beſtreiter des Evangeliums, wie Julian der Abtrünnige oder der berühmte Redner Libanius in Antiochien mußten dieſelbe widerwillig anerkennen. Beſonders war es der Ernſt, die Treue und die Zucht des Familienlebens und in dieſem wieder die Demuth, Selbſtverleugnung und Liebe der Frauen und Mütter, was die Bewunderung der Heiden erregte, ſo daß Libanius in einer ſeiner öffentlichen Reden einſt rühmend ausrief: Was für Weiber haben doch die Chriſten!
Ein ſchönes Beiſpiel ſolchen ächt chriſtlichen Frauenlebens iſt uns durch den Erzbiſchof Gregor von Konſtantinopel, gewöhnlich Gregor von Nazianz genannt, überliefert worden. Es iſt das Leben ſeiner Mutter Nonna, welches er mit der Liebe eines dankbaren Sohnes beſchrieben hat. In dem gebirgigen, damals noch vielfach von Heiden bewohnten Kappadocien, im Städtchen Nazianz, wurde Nonna aus einer alten chriſtlichen Familie geburen und ſorgfältig erzogen. Mit Gregor, einem angeſehenen Bürger der Stadt, welcher an Einen Gott glaubte, aber kein Chriſt war, trat ſie in die Ehe. Den Gatten zum Glauben an den Heiland zu bringen, war ſeitdem ihr ſehnlichſtes Verlaugen und Gebet. Aber mehr durch thätige Frömmigkeit und liebevolle Hingebung als durch Bitten und Mabnungen ſuchte ſie dies zu erreichen. Niemals vergaß ſie über dem Gottesdienſt die pünktlichſte Sorge für ihr Hausweſen; niemals über der Pflege der Ihrigen das Mitleid und die hülfreiche Theilname für die Armen und Kranken. Durch ſteten Gebets⸗ umgang mit dem Herrn hatte ſie es dahin gebracht, daß ſie alles menſchliche Thun und Leiden, welches ihr aufgelegt wurde, dem göttlichen Willen unterzuordnen vermochte Ihr feuriger und lebhafter Geiſt beſaß in dieſer ſteten Beziehung zu Gott ſein inneres Gleichgewicht. Durch Gottes Gnade durfte ſie wirklich die Bekehrung und Taufe ihres Gatten im J. 325 erleben. Nicht lange darauf trat Gregor ſogar in den geiſtlichen Stand und durfte das Amt eines Biſchofs von Nazianz 45 Jahre lang bekleiden. Seitdem verfloß das Familienleben der Gatten in vollſter Uebereinſtimmung. Ihre drei Kinder, Gorgonia, Gregorius und Cäſarius, ſo verſchieden ſie an Charakter waren, erwuchſen alle zu tüchtigen Menſchen und frommen Chriſten. Den Erſtgeborenen, Gregor, hatte Nonna von Geburt an dem Dienſt des Herrn
geweiht, ließ ihn ſchon frühe Gottes Wort leſen und ſich daſſelbe einprägen und erlebte die große Freude, daß er mit innerlichem, ſtillem Sinn ſich zu Gott wandte und in Ihm ſeinen feſten Halt fürs ganze Leben fand. Die Gebete der Mutter geleiteten ihn auf die Katechetenſchule in Alexandrien und ſpäter auch übers Meer, als er in Athen gleichzeitig mit dem ſpäteren Kaiſer Julian dem Studium oblag. Mit dankbarer Freude durfte Nonna den Sohn nach Vollendung ſeiner Ausbildung wieder im Elternhauſe begrüßen und ihn in der Folge als Presbyter in der Gemeinde des Vaters in Segen wirken ſehen. Allerdings erlebte ſie nicht mehr ſeine Erhebung zum Erzbiſchof in Konſtantinopel, aber die innige Frömmigkeit, der feſte Gaube an den Sohn Gottes, die umfaſſende Gelehrſamkeit und der heilige Wandel Gregors waren ihr eine Herzensfreude bis an ihr Ende. Mit Ausnahme Gregors überlebte ſie alle ihre Angehörigen. Zuerſt um 368 ſtarb Cäfarius. Er hatte ſich dem Studium der Naturkunde und Medicin gewidmet, war Leibarzt des Kaiſers geworden, hatte auch ein hohes Staatsamt bekleidet, dann aber wollte er ſich gerade in die Stille der alten Heimath zurückziehen, als ihn der Tod überraſchte. In der Gewißheit, daß Cäſarius im Glauben an den Erlöſer entſchlafen ſei, folgte Nonna dem Trauerzuge im Gewande der chriſtlichen Feſtfreude, im weißen Kleide. Nicht lange darauf ſtand ſie am Sterbebette der glücklich verheiratheten Tochter Gorgonia, welche im Kreiſe der ganzen Familie den letzten Seufzer mit den Worten aushauchte: Ich liege und ſchlafe ganz mit Frieden. Im Frühling 374 ging auch Nonnas Lebensgefährte, der hochbetagte Biſchof Gregor nach laugem Leiden zu ſeiner Ruhe ein. An ſeinem Grabe vernahm ſie aus des Sohnes Munde das ihr aus der. Seele geſprochene Wort: Es giebt nur Ein wahres Leben, nämlich im Glauben auf das göttliche Leben hinzuſchauen; und es giebt nur Einen Tod, nänlich die Sünde. Auch ihr eigenes Leben ſollte aber hienieden nicht mehr lange dauern. Als ſie nach einiger Zeit betend am Altare kniete, fühlte ſie den Tod kommen; mit der einen Hand erfaßte ſie den Altar, die andere erhob ſie flehend zum Himmel und mit den Worten: Sei mir gnädig, mein König Chriſtus! hauchte ſie ihren Geiſt aus. Das Bild der Mutter aber geleitete den Sohn, der ſie überlebte und ihr wie dem Vater und den Geſchwiſtern die Gedächtniß⸗ rede hielt, als eine beglückende Erinnerung bis an ſein eigenes Ende. 4) Die heiligende und beſeligende Kraft des Evangeliums, welche uns im„Leben ſolcher Chriſten entgegentritt, gewan um jene Zeit dem Chriſtenthum auch Eingang bei manchen Völkern außerhalb des römiſchen eichs. Schon zu Conſtantins Zeit bekehrten ſich die Iberier zwiſchen dei ſchwarzen und kaspiſchen Meer, nachdem ihr Fürſtenhaus durch die Gebetskraft einer gefangenen Chriſtin die Macht des Heilandes in Zeiten der Noth empfunden hatte. Ebenſo wurden die Armenier durch Gregor den Erleuchter für die Kirche gewonnen und empfingen durch deſſen Nachkommen, den Patriarchen Mesrob die Bibel in ihrer Landesſprache. Durch zwei fromme Jünglinge, Frumentius und Aedeſius kam das Chriſtenthum nach Abeſſynien. Durch Ulfilas(Vgl.§. 15) wurde es den Weſtgothen bekannt(380), auch die heilige Schrift ihre in Sprache überſetzt.


