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2) Um den gefährlichen Jüngling zu beſeitigen, ſchickte ihn Kaiſer Conſtantius an den Rhein, wo ſich die Kraft des Reiches im Kampf mit den Germanen verblutete. Aber Julians großartige Natur kam hier gerade an den rechten Platz. Binnen Kurzem disciplinirte und begeiſterte er das römiſche Heer und riß es zum Siege fort. Ein ehrenvoller und dauerhafter Friede war die Frucht ſeiner Thaten. Dagegen Conſtantius erſchrack und trachtete ihn um ſo mehr zu verderben. Er gab den Befehl, daß der Kern der Galliſchen Truppen gegen die Perſer ziehen ſollte, damit Julian nur von ihnen getrennt würde. Aber die Legionen empörten ſich und zwangen Julian unter Todesdrohungen, die Kaiſerwürde anzunehmen. Auf dem Zuge gegen ihn ſtarb Conſtantins und Julian wurde noch als Jüngling unbeſtritten Herr des ganzen Reiches.
3) Als philoſophiſcher Kaiſer wollte er regieren. Alsbald entließ er den koſtſpieligen und überflüſſigen Troß der Hofdiener, ſchaffte die geheime Polizei ab, vor der das Volk gezittert hatte, und widmete bei einfachſter Lebensweiſe, gleichſam ein heidniſcher Mönch, unter Verachtung alles Glanzes ſeine ganze Kraft der Regierung und den Studien.
r drannte vor Verlangen, das unterdrückte Heidenthum in der verklärten Geſtalt, in welcher es ſeine
neuplatoniſche Anſchauung erblickte, in welcher es aber niemals wirklich exiſtirt hatte, wieder ins Leben zu rufen und es mit den a erniden des Chriſtenthums auszuſtatten. Er entließ deßhalb alle chriſtlichen Beamten, zwang die Chriſten zum Aufbau der zerſtörten Heidentempel, erbaute Kanzeln in denſelben und befahl den heidniſchen Prieſtern dem Volke ſittliche Grundſätze zu predigen; zugleich erlaubte er allen Secteu der Chriſtenheit freie Religions⸗ übung, um die Einheit der Kirche zu untergraben; beſonders rief er die verbannten Arianer, die Gegner der Gottheit Chriſti(Vgl.§. 15), in ihre Gemeinden zurück. Um Chriſtum zum Lügner zu machen, rief er die Juden aus der Zerſtreuung nach Jeruſalem, damit ſie den Tempel wieder aufbauten. Um die Chriſten aller höheren Bildung zu verauben und ſie dadurch verächtlich zu machen, verbot er ihnen das Studium der Weltweisheit und der Redekunſt (Philoſophie und Rhetorik). Mit der Verehrung der Götter durch Opfer und Gebet ging er ſelbſt dem Volke voran. In Streitſchriften bekämpfte er aufs Eifrigſte das Chriſtenthum. . 4) Allein er mußte erfahren, daß er eine todte Sache beleben wollte. Nicht nur die Chriſten lachten über ſeine raſtloſen Bemühungen zu Gunſten des Götterglaubens, ſondern die Heiden ſelbſt. Als er den verlaſſenen Apollotempel zu Antiochien feierlich wieder eröffnen wollte und alle Heiden dazu einlud, kam zum brauſenden Gelächter der Menge nur ein einziger alter Prieſter mit einer Gans unter dem Arm. Die Predigten der Prieſter in den Tempeln wurden nicht gehört. Der Aufbau des Tempels zu Jeruſalem kam durch unterirdiſches Feuer ins Stocken und wurde aufgegeben. Julian ſelbſt begann beim Mißlingen ſeines Unternehmens aufgeregt und gereizt zu werden; die philoſophiſche Ruhe, deren er ſich gerühmt hatte, ging in zornige Verbiſſenheit über. Schon beging er gegen einzelne Chriſten Ungerechtigkeiten, die er ſonſt ſelbſt verworfen hatte, z. B. gegen Athanaſius von Alerandrien(Vgl.§. 15); eine größere und blutige Verfolgung wäre ſicher nicht ausgeblieben. Da ſtarb er noch in voller Jugendkraft auf dem Feldzug gegen die Parther durch einen Pfeilſchuß 363. Der Galiläer, gegen den er geſtritten, hatte doch geſiegt und das Wort des Athanaſius hatte ſich erfüllt: Julian iſt eine kleine Wolke; ſie geht bald vorüber. Wenn aber Jemand noch an der moraliſchen Erſtorbenheit des Heidenthums gezweifelt hatte, ſo war ſie ihm jetzt durch den miß⸗ lungenen Belebungsverſuch Julians klar geworden. Unter allgemeiner Zuſtimmung konnte Julians Nachfolger das Chriſtenthum als Staatsreligion wieder herſtellen, wenn auch das Heidenthum noch geduldet blieb. Gratian aber konnte bereits 381 den Titel des Pontifer Marimus verſchmähen und die Viktoria aus der Curie des Senats zu Rom wegnehmen, ja Theodoſius der Große(379— 92) durfte es wagen, allen Götzendienſt bei Todesſtrafe zu verbieten. Die wenigen Reſte von Heidenthum, welche ſich aber ſeitdem uoch auf dem Lande erhielten, kamen als Dorfreligion (Paganismus) ſehr bald in Verachtung und mußten ihr Leben in der Verborgenheit friſten, bis ſie endlich ganz verſchwanden.
§. 14.
Die innere Kraft des Chriſtenthums in der Heiligung des Lebens zur Zeit des Untergangs des Heidenthums.
1) Seit Conſtantin dem Großen wuchs die Zahl der Chriſten durch Uebertritte in außer⸗ ordentlichem Maße. Wer es vor Conſtantin nicht gewagt hatte, ſeiner innern Neigung zu folgen, konnte es jetzt unbedenklich thun und empfand dieſe Freiheit als eine Wohlthat. Doch nicht alle Uebertritte gingen aus ſolcher inneren Neigung hervor. Viele Tauſende folgten gedankenlos nur dem Beiſpiel von oben oder ſuchten durch den Anſchluß an die neue Staatsreligion beſtimmte weltliche Vortheile zu erlangen. Der Gewinn, den das chriſtliche Leben der Gemeinden aus dieſen Uebertritten empfing, war daher ſehr oft ein zweifelhafter, wenn er nicht zuweilen gar in einen ſittlichen Nachtheil umſchlug. Deun das Chriſtenthum ſolcher bloß äußerlich Bekehrten war häufig, wie es nicht anders ſein konnte, nur ein Heidenthum unter chriſtlichen Formen. Erſt mit der Zeit konnte bei ihnen durch den Einfluß des chriſtlichen Gottesdienſtes und Verkehrs eine tiefere Um⸗ wandlung der Gemüther erreicht werden. Es konnte daher auch nicht fehlen, daß der chriſtliche Wandel in weiten Kreiſen von ſeiner früheren Reinheit einbüßte, und daß heidniſche Sünden ungeſtraft um ſich griffen. Beſonders in den zahlreichen und gemiſchten Gemeinden der großen Städte war dies kaum zu überſehen, geſchweige denn durch die alte chriſtliche Kirchenzucht zu verhindern. Die Prieſter ſelbſt entarteten oft in den Tagen des Glücks.


