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daß die Glaubensgemeinſchaft der unter den Biſchöfen ſtehenden Kirche ein unſchätzbares Einheitsband unter den Nationen des Reichs bildete, ſo wurde doch ſein Uebertritt zum Chriſtenthum erſt völlig entſchieden durch die bereits erwähnte geheimnißvolle Viſion im J. 312 und durch die an dieſelbe ſich knüpfenden immer großartigeren Erfolge auf dem politiſchen Gebiete, vermögen deren er im J. 323 als Alleinherrſcher des ganzen Neiches daſtand. Conſtantin wurde hierdurch in ſolchem Grade von der Gottheit und Macht des Herrn Jeſus überzeugt, daß er ſeitdem den chriſt⸗ lichen Glauben für den allein wahren hielt und es als ſeine Aufgabe betrachtete, denſelben im Reiche zur allgemeinen Geltung zu bringen.
2) Der Mangel einer tiefern ſittlichen Bildung zeigte ſich bei ihm auch nach ſeinem öffentlichen Uebertritt zum Chriſtenthum darin, daß er in einzelnen Fällen, wo das Intereſſe der Herrſchaft und der Reichseinheit in Frage kam, noch in hohem Grade treulos, wortbrüchig und grauſam handelte, ohne den Widerſpruch zu fühlen, der zwiſchen ſeinem Bekenntniß und ſeiner Handlungsweiſe beſtand. So ließ er ſeinen gefangenen Gegner Licinius und deſſen Sohn im J. 323 hinrichten, obwohl er ihnen Schonung des Lebens feierlich verſprochen hatte. Sogar ſeinen eigenen erſtgeborenen Sohn Crispus ließ er aus Mißtrauen und Argwohn 326 enthaupten, ohne ſich deßhalb als ungerecht oder grauſam anzuſehen. Jedenfalls aber glaubte er durch die Taufe, welche er erſt 337 auf ſeinem Todenbette empfing, das etwaige Unrecht dieſer und anderer Handlungen wieder von ſich abzuwaſchen.
3) Bei der Begünſtigung der Kirche ging er ſehr vorſichtig und allmälig zu Werke, da er die heidniſche Hälfte der Bevölkerung und insbeſondere die alten, reichen und ſtolzen Familien des römiſchen Adels nicht gegen ſich aufbringen wollte. Aus Rückſicht auf ſie behielt er die Würde des Pontifex Maximus, des roͤmiſchen Oberprieſters, bis an ſein Ende ſelbſt in der Hand. Dagegen beſchränkte er das Heidenthum auf andere Weiſe immer mehr. Zunächſt ließ er im ganzen Reiche diejenigen Tempel zerſtören, in welchen unſittlicher Cultus getrieben wurde(Vgl.§. 2, 3). Zugleich baute er den Chriſten die unter Diokletian zerſtörten Kirchen wieder auf, gab ihnen das eingezogene Kirchengut zurück und vermehrte es durch Schenkungen, verwilligte den Biſchöfen Gehälter aus der Staatskaſſe, machte die Sonntagsfeier zum allgemeinen Reichsgeſetz, entzog ſich dem Einfluß des altrömiſchen Götterglaubens durch Gründung der chriſtlichen Hauptſtadt Conſtantinopel, verbot heidniſche Zauberei und das Befragen der Orakel und ſchmückte das Grab des Heilandes in Jeruſalem mit einer prächtigen Kirche aus. Seinen Hofleuten und Beamten predigte er nicht ſelten ſelbſt im Palaſt chriſtlichen Glauben; auch bei der Kirchenverſammlung zu Nicäa 325 führte er auf goldenem Throne den Vorſitz und bezeichnete ſich als„den Biſchof über die äußeren An⸗ gelegenheiten der Kirche.“
4) Unter ſeinen Söhnen, welche den Vater weder an ſittlicher Bildung noch an Froͤmmigkeit, wohl aber an todter Rechigläubigkeit und unchriſtlichem Fanatismus übertrafen, wurden die von Conſtantin noch geduldeten heidniſchen Opfer verboten, die Tempel geſchloſſen und Todesſtrafe auf den öffentlichen heidniſchen Cultus geſetzt. Nur in der Stadt Rom durften die alten heidniſchen Feierlichkeiten noch geübt werden. Aber auch die nächſten Verwandten des kaiſerlichen Hauſes wurden aus Mißtrauen und Herrſchſucht von ihren Vettern eingebracht und durch dieſe That der Grauſamkeit der Grund zu dem Haſſe gelegt, welcher den Kaiſer Julian ſpäter noch einmal zum Verfolger der Chriſten machen ſollte.
§. 13.
Der vergebliche Verſuch Julians des Abtrünnigen zur Herſtellung des Heiden⸗
thums(361—363) und der völlige Untergang des letzteren im römiſchen Reich (363—392).
1) Julianus, ein Brudersſohn Conſtantins des Großen, entging nach dem Tode ſeines Oheims nur zufällig dem Blutbade, welches deſſen Söhne allen ihren Verwandten bereiteten. Argwöhniſch beobachtet und gefangen gehalten, wuchs er nuter der Hut unwiſſender, roher und ſchmutziger Lehrer in der Einſamkeit auf. Die chriſtliche Religion, deren wahrer Geiſt ſeine Seele nie berührte, erſchien ihm in Folge jenes Verwandtenmordes und bei der harten Behandlung, welche er von Kind auf erſuhr, als eine Religion der Knechtſchaft, der Ungerechtigkeit und des inhaltsloſen Formelweſens. Nur aus Furcht vor dem Tode, womit ihn das Mißtrauen ſeines Vetters Conſtantius bedrohte, heuchelte er Jahre lang noch einen Glauben, den er innerlich verabſcheute. Während des Studiums zu Athen, welches ihm nur ſchwer geſtattet wurde, weil er eigentlich Prieſter werden ſollte, wandte ſich ſein lebhafter, hochbegabter Geiſt heimlich den Dichtern und Philoſophen der Griechen zu. Eine neue Welt von Schönheit und Wahrheit ſchien ihm aus denſelben aufzugehen. Wie alle Neuplatoniker ſeiner Zeit glaubte auch er das Ewig-Eine in den Werken der Vorzeit unter verſchiedenen Geſtalten zu finden(Vgl.§. 9, d). Zugleich ſuchte er unter ſtrenger Verleugnung ſeiner ſelbſt, in einfachem, züchtigen Wandel, unter Gebet und Andacht der Gottheit, die er zu erkennen meinte, nahe zu kommen. Je feſter er aber von der Richtigkeit dieſes ſeines Weges überzeugt war, deſto ingrimmiger trug er die Maske des chriſtlichen Glaubens zur Schau, von der ſeine Sicherheit nach Außen abhing und welche er am liebſten auf der Stelle abgeworfen hätte.
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