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§. 10.
Die gewaltſamen Gegenwirkungen des altrömiſchen Staats und Götterglaubens gegen die Kirche im 3ten Jahrhundert.
1) Schon Septimius Severus(192— 211), der anfangs den Chriſten günſtig war, kehrte zu den Anſchauungen Trajans und Marc Aurels zurück, verbot den Uebertritt zum Chriſtenthum und befahl die Anwendung der grauſamſten Torturen gegen die Angeklagten. In Aegypten und Nordafrika forderte die von ihm erregte Verfolgung die meiſten Opfer, unter ihnen eine große Zahl von Frauen. Auch Leonidas, der Vater des großen Origenes ſtarb in Alexandrien durchs Schwert.
2) Viel umfaſſender und eingreifender waren jedoch die Verfolgungen unter Decius(249— 251) und Valerian(253— 260). Dieſe beiden Kaiſer lebten völlig in den politiſchen und religiöſen Ueberlieferungen des alten Römerthums und erkannten deutlich, daß ſie, um daſſelbe zu erhalten oder in weiteren Kreiſen herzuſtellen, mit der Kirche auf Leben und Tod kämpfen müßten. Sie debaten daher die Rückkehr ſämmtlicher Chriſten zum Heidenthum und beſchloſſen, vor allem die
iſchöfe und anderen Geiſtlichen bei Seite zu ſchaffen, damit die ihrer Hirten beraubten Gemeinden ſich deſto leichter fügten. Nach der langen Ruhe, welche die Chriſten vom Tode des Septimius Severus an(211) gehabt hatten, traf ſie dieſe Verfolgung mit niederſchmetternder Gewaltv; ſelbſt eine Anzahl Geiſtliche, z. B. der Biſchof Eudämon zu Smyrna, opferten den Götzen, um ihr Leben zu retten, außerordentlich groß aber war die Zahl der Laien, welche aus Todesangſt zu den verlaſſenen Altären der Heiden zurückkehrten. Viele erkauften ſich mit Geld einen Schein, daß ſie geopfert hätten, während ſie es in Wirklichkeit nicht gethan hatten(Vergl.§. 11, 1). Unter den Märtyrern jener Zeit, deren Zahl in viele Tauſende ging, waren beſonders drei Männer, deren Gedächtniß von der Kirche bewahrt wurde, Origenes, Cyprian und Laurentius.
) Origenes, ein Sohn des frommen und gelehrten Leonidas zu Alerandrien(185— 254) und von dieſem mit der größten Sorgfalt im chriſtlichen Glauben wie in griechiſcher Wiſſenſchaft erzogen, darauf ein Schüler des berühmten Clemens an der dortigen Katechetenſchule, gab ſich von Jugend auf mit der ganzen Kraft ſeiner Seele dem Dienſte des Herrn hin. Als im J. 202 ſein Vater wegen des chriſtlichen Glaubens gefangen ſaß, wollte auch Origenes hingehen und ſich als Chriſt bekennen, um mit dem Vater zu ſterben. Die Mutter konnte ihn nicht anders davon zurückhalten, als daß ſie ſeine Kleider verbarg. Da ſchrieb der Sohn wenigſtens dem Vater ins Gefängniß, doch ja nicht um der Mutter und ſeiner ſieben Söhne willen vom Herrn abzufallen; und Leonidas ließ ſein Leben um Chriſti willen(Vgl. §. 10, 1). Nicht lange darauf wurde Origenes an Stelle ſeines Lehrers Clemens an die Katechetenſchule berufen (203), worauf er den Unterricht in der griechiſchen Grammatik und Rhetorik(Sprachkunde und Redekunſt), den er bis jetzt privatim ertheilt hatte, aufgab und ſich ganz der Unterweiſung der Theologen widmete. Um dies beſſer zu können, ſtudirte er vorerſt ſelbſt noch unter der Leitung des Ammonius Sakkas, des berühmten Gründers der neu⸗ platoniſchen Philoſophie(Vgl.§. 9, 5), die Meinungen der griechiſchen Weltweiſen. Denn als Grundlage beim Unter⸗ richt der Theologen wollte Origenes nicht nur Logik(Denklehre), Naturkunde, Geometrie(Formenlehre) und Aſtonomie (Sternkunde), ſondern auch das Studium der alten Philoſophen und Dichter getrieben haben. Erſt dann ging er zur heiligen Schrift über. Der Erfolg ſeiner Vorträge wie ſeiner Schriften machte ihn ſo berühmt, daß Julia Mammäa, die Mutter des Kaiſers Alexander Severus, ihn nach Antiochien kommen ließ und in Folge ſeines Unter⸗ richts Chriſtin wurde(Vgl.§ 9, 5). Ueberhaupt gelang es Origenes, eine große Zahl von Heiden und Gnoſtikern (Vgl.§. 9,4) zum Chriſtenthum zu bekehren. Leider wurde jedoch dieſe geſegnete Thätigkeit durch den Neid des Biſchofs Demetrius im J. 230 untrebrochen. Origenes mußte Alerandrien verlaſſen. Er errichtete darauf eine Katechetenſchule in Cäſarea, welche ebenfalls zu hoher Blüthe kam und bis zu ſeinem Tode unter ſeiner Leitung blieb. Aber im J. 250 wurde ſeine Kraft in der decianiſchen Verfolgung zerſtört; man ließ ihn zwar am Leben, nachdem er die unmenſchlichſten Martern in feſtem Glauben ertragen hatte, allein er ſiechte ſeitdem hin und ſtarb zu Tyrus 254.— b) Ein anderes Opfer jener Verfolgungen war der gelehrte und eifrige Biſchof Cyprian von Karthago(246—258). Um 200 aus reicher heidniſcher Familie in Karthago geboren war er anfangs Lehrer der Beredſamkeit und der Rechte, fand aber im Heidenthum keine Ruhe, bekehrte ſich deßhalb zum Chriſtenthum 246, verſchenkte alle ſeine Güter an die Armen, wurde 247 zum Prieſter geweiht und 248 einſtimmig zum Biſchof gewählt. Als ſolcher hatte er durch ſeine Predigten und noch mehr durch ſeine Schriften eine große Wirkſamkeit. Beſonders wehrte er Spaltungen, welche damals in der Kirche ſehr häufig waren. In der decianiſchen Verfolgung verbarg er ſich vor den Häſchern und ſtärkte aus der Verborgenheit durch Briefe ſeine Gemeinde(250). Nach Decius Tode kehrte er zwar zurück(251), blieb auch unter Gallus(251— 253) verſchont, während viele andere, wie die Biſchöfe Cornelius und Lucius im Rom, als Märtyrer ſterben mußten; allein unter Valerian(253— 260) wurde er, wie alle übrigen Geiſtlichen, zuerſt(257) ver⸗ bannt und endlich, da die Gemeinde dennoch feſtblieb, im J. 258 in Karthago enthauptet.— c) Im J. 257 erlitt auch Laurentius, Diakon der römiſchen Kirche, 3 Tage nach der Kreuzigung des Biſchofs Sirtus den Märtyrertod. Mit heiliger Begeiſterung hatte der jugendliche Almoſenpfleger ſich der Armen und Verlaſſenen unter Chriſten und Heiden angenommen; alle Einkünfte der Kirche hatte er ihnen zugewendet. Doch der habſüchtige Statthalter des Kaiſers ver⸗ langte Auslieferung des Goldes und Silbers der Kirche bei Todesſtrafe und ſetzte Laurentius gefangen. Dieſer verſprach ihm an einem beſtimmten Tage die Schätze der Kirche zu zeigen. Als aber der goldgierige Beamte erſchien, hatte


