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Biſchof galt als der Erbe ihres apoſtoliſchen Anſehens und wußte dies mit immer größerem Erfolge geltend zu machen (Vgl.§. 16, 4, 24— 28). Durch alles dies wurde die Kraft der Kirche ſtärker in ſich zuſammengeſchloßen und ihr Einfluß auf die heidniſchen Umgebungen mächtig gehoben, wenn ſich freilich auch nicht verkennen läßt, daß der evan⸗ geliſche Charakter der Kirche, den wir in der Zeit der Apoſtel wahrnehmen, dadurch beeinträchtigt wurde. Denn das Selbſtforſchen in der Schrift, welches zur Zeit der Apoſtel als hoher Vorzug der Gemeindeglieder gerühmt wurde (Joh. 5, 39. A. G. 17, 10— 12), hörte faſt, gänzlich auf und wurde durch den Gehorſam gegen den Biſchof erſetzt (Vgl.§. 17).— c) Das erſtarkende Leben der Kirche eigte ſich ferner im 3. Jabehe durch die Entſtehung einer ausgebreiteten theologiſchen Wiſſenſchaft, welche mit dem Denken und Fühlen der Heidenwelt in einer lebhaften literariſchen Wechſelwirkung ſtand. Die Schüler und Nachfolger der Apoſtel, die ſogenannten apoſtoliſchen Väter hatten eine ſolche auch für die Inden beſtimmte theologiſche Literatur noch nicht gekannt. Männer wie Ignatius und Polykarp, welche in dieſen Kreis gehörten, verfaßien ihre Schriften lediglich für die Chriſten ſelbſt(Bgl.§. 8, 2—3) und in geringem Umfange. Anders wurde es bereits bei den ſog. Apologeten des 2. Jahrh, jenen Männern, die wie Juſtin der Märtyrer(Vgl.§. 8, 3) das Chriſtenthum vorzugsweiſe gegen die Angriffe der Juden und Heiden vertheidigten und deßhalb ihre Werke gerade für nicht chriſtliche Leſer, z. B. für die Kaiſer Hadrian, Antoninus Pius und Marcus Aurelius berechneten. Bei ihnen war eine geiſtige Berührung mit den Anſchauungen und der Weltweisheit(Philoſophie) des Heidenthums, wenn freilich meiſt eine feindliche, nnver⸗ meidlich und fand in mannigfaltiger Weiſe ſtatt. Die theologiſchen Werke wurden auch bei ihnen bereits umfangreicher und häufiger als bei den apoſtoliſchen Vätern. Viel entſchiedener aber ſchritten auf dieſem Wege die Theologen des 3. Jahrh. weiter. Sie unterrichteten nicht bloß in den von ihnen oder von hervorragenden Biſchöfen gegründeten Schulen(Katecheten- d. h. Prediger⸗Schulen) die künftigen Geiſtlichen im Worte Gottes, ſondern waren auch ſchrift⸗ ſtelleriſch außerordentlich thätig, um die Sache der Kirche zu fördern. Im Innern der Kirche ſelbſt hatten ſie gegen die ſog. Gnoſtiker zu kämpfen d. h. gegen Leute, welche ein höheres Wiſſen über die gottlichen Dinge zu beſitzen vorgaben, in Wirklichkeit aber den Inhalt der Offenbarung durch allerlei phantaſtiſche heidniſche Faun über Gott, Chriſtus, die Welt, den Unterſchied von Gut und Böſe und dgl. auflöſten und die
ittlichkeit des chriſtlichen Wandels in hohem Maße gefährdeten. Nach Außen mußten ſie gleichzeitig die Kirche gegen die Angriffe der Heiden vertheidigen und ebenſo ſehr auf die Einwürfe des Spottes und der Verleumdung wie auf die der Philoſophie eingehen. Sie thaten aber beides mit einer Gründlichkeit und in einer Ausdehnung, welche bis dahin nnbekannt geweſen war. Bei dieſer literariſchen Thätigkeit bildeten ſich hauptſächlich zwei theologiſche Schulen, nämlich eine morgenländiſch⸗griechiſche, welche von Alexandrien, Antiochien und Epheſus ausgehend ihre Hauptvertreter in dem griechiſch-gebildeten Gelehrten Clemens von Alexandr en(191— 211), in dem noch gelehrteren und für alle Zeiten hervorragenden Schüler deſſelben, dem großen Origenes(Val.§. 10, 2) und in dem thatkräftigen Biſchof Irenaus von Lyon, dem Nachfolger des Märtyrers Pothinus(177— 202) beſaß; und eine abendländiſch⸗ lateiniſche, welche von Nordafrika ausging und durch den feurigen, tiefſinnigen und glaubensſtarken Presbyter Tertullian, einen frühern Juriſten, begründet(140— 220), von dem eifrigen Biſchof und Märtyrer Cyprian in Kar⸗ thago aber(246— 258) weiter gefördert wurde. Der Einwirkung dieſer Theologen konnte ſich auch das gelehrte Heiden⸗ thum nicht mehr entziehen, ſondern wurde genöthigt, ſie als ebenbürtige Gegner anzuerkennen.— d1) Selbſt mittelbar zeigte ſich der Einſluß des Chriſtenthums auf die Heidenwelt in der merkwürdigen Umwandlung, welche im religiöſen Denken und Fühlen der Heiden im 3. Jahrh. vor ſich ging. Der Glaube an Einen Gott, welchen das Chriſtenthum verkündigte, leuchtete in ſeiner allgemeinen Wahrheit unzähligen Heiden ein, auch wenn ſie nicht geneigt waren, ganz mit ihrer alten Religion zu brechen und Chriſten zu werden. In den weiteſten Kreiſen regte ſich das Verlangen, den Einen Quell und Urſprung aller Dinge kennen zu lernen und in ihm zu leben. In den verſchiedenen Götterlehren, philoſophiſchen Meinungen und Religionen der Welt glaubte man nur ebenſoviele Verſuche zur Erkenntniß und Verehrung des Einen verborgenen Gottes ſehen zu müſſen. Man begann daher in Anſchluß an die Platoniſche Philoſophie aus allen Religionen das Gemeinſame, Urſprüngliche hervorzuſuchen, auch aus dem Chriſtenthum. Zugleich beſtrebte man ſich, durch Losreißung von den Banden der Sinnlichkeit und durch die ſtille Andacht des Gebets ſich in die unmittelbare, geiſtige Anſchauung des Einen, von Allen geſuchten Gottes zu verſenken. Es war bei einer ſolchen Stimmung nicht anders möglich, als daß eine gewiſſe Weitherzigkeit und Toleranz in Sachen der Neligion ſich verbreitete, welche auch der Kirche zu Gute kommen mußte. Der Einfluß, den dieſe neue Richtung, der ſog. Neuplatonismus, in allen Schichten der heidniſchen Bevölkerung gewann, war ein ſo großer, daß ſelbſt eine Reihe von römiſchen Kaiſern bewußt oder unbewußt den Eifer für die römiſche Staatsreligion fahren ließen und ſich mit dem Chriſtenthum zu befreunden anfingen. So Heliogabal(218— 222); Alexander Severus(222— 235), der ſogar Chriſti Bild unter ſeine Hausgötter ſtellte; ferner deſſen Mutter Julia Mammäa, welche ſich in Antiochien von Origenes über den chriſtlichen Glauben belehren ließ; endlich Philippus Arabs(244 249), der wegen ſeiner Freundſchaft für das Chriſtenthum von der Sage ſelbſt zu einem Chriſten gemacht wurde, Auch eine neue orientaliſch-heidniſche Religion, welche im 3. Jahrh. im römiſchen Reich ſich verbreitete, der Manichäismus, nahm alsbald in ſeine Lehre von der guten und böſen Gottheit, die in der Welt ſich bekämpfen ſollen, den Glauben der Chriſten an den Erlöſer auf und bildete ſeine geſellſchaftliche Verfaſſung nach dem Vorbild der 12 Apoſtel, der 70 Jünger und der chriſtlichen Biſchöfe aus. Zeigte ſich auf dieſe Weiſe unverkennbar, daß die Weltſtellung des Chriſten⸗ thums ſeit Beginn des 3. Jahrh. immer günſtiger und ſein Einfluß auf die Heidenwelt immer nachhaltiger geworden war, ſo konnte doch bei der Zähigkeit, welche allen röntiſchen Staatseinrichtungen inne wohnte, keineswegs ein völliger Sieg der Kirche erwartet werden, bevor nicht die alte römiſche Staatsreligion noch ein oder mehrmals ihre ganze Kraft zum Kampfe gegen das Evangelium aufgerufen hatte.


