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1 (1878)
Entstehung
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im Dienſte Chriſti die Hauptländer des Reichs, verfaßte eine große Anzahl Schriften zur Vertheidigung des Chriſten⸗ thums gegen Juden und Heiden, darunter eine an den Kaiſer Mare Aurel, und gründete zuletzt in Rom eine Miſſions⸗ ſchule für junge Griechen. Von dem Cyniker Crescens, der unter dem Schein der Entſagung und Bedürfnißloſigkeit nur Habſucht und Genußſucht verbarg, aber durch Juſtin entlarvt wurde, ſah er ſich als Gottesleugner angeklagt, bekannte feſt ſeinen Glauben und erlitt den Tod durchs Schwert im J. 166. c) Bei einer weiteren großen Verfolgung, welche um 177 die Gemeinden in Lyon und Vienne traf und in welcher kein Alter und kein Geſchlecht geſchont wurde, ſtarb der 90 jährige Biſchof Pothinus in Folge erlittener Mißhandlungen im Gefängniß; der Diakon Sanctus beſtand die grauſamſten Foltern mit dem Bekenntniß: Ich bin ein Chriſt, und wurde zuletzt erwürgt; die jugendliche Sklavin Blandina endigte auf dieſelbe Weiſe, nachdem ſie durch ihre Glaubenskraft die ausgeſuchteſten Qualen über wunden und ihre Henker beſchämt hatte. Aehnlich erging es den Chriſten weit und breit. Bald hier, bald dort erſchallte der Ruf: Fort mit den Gottesleugnern! Zu den Löwen! Zu den Bergwerken! Ins Feuer mit ihnen! Aber in Allem überwanden die Gläubigen durch ihren Herrn(Röm. 8, 35 39) und die Gemeinde nahm nicht ab, ſondern wuchs und blühte deſto mehr.

§. 9. Die weitere Ausbreitung und der wachſende Einfluß der Kirche aufs Heidenthum 49 3ten 9 js qᷓ)

In rechtlicher Beziehung blieb die Stellung der Kirche zum römiſchen Staat auch in dieſem Jahrhundert dieſelbe wie zuvor: die Kirche wurde das eine Mal verfolgt, das andere Mal geduldet, bisweilen ſogar begünſtigt; aber das Alles hing von der Willkür der Kaiſer oder ihrer Statthalter ab; in Wirklichkeit war und blieb die Chriſtenheit gegenüber dem römiſchen Geſetz eine unerlaubte Religionsgeſellſchaft(Vergl.§. 7 uud 8) und mußte ſich auf das Schlimmſte von Seiten des heidniſchen Weltreiches gefaßt halten. Die weltüberwindende Kraft des Evangeliums ſollte ſich gerade in dieſer Rechtsunſicherheit bewähren. Und ſie that es auf eine glänzende Weiſe. Mit erſtaunlicher Kraft und Lebensfülle breitete ſich die Kirche in ihren heidniſchen Umgebungen aus, ſchloß ſich immer feſter in ſich ſelbſt zuſammen, entwickelte aus chriſtlicher Wahrheit und griechiſcher Philoſophie ſowohl im Morgenland als im Abendland eine geiſtesmächtige theologiſche Wiſſenſchaft und wirkte mittelbar ſelbſt auf die Neugeſtaltung des religiöſen und ſittlichen Lebens der ihr noch entfremdeten Heidenwelt ein.

a) Vor allem breitete ſie ſich in ihren heidniſchen Umgebungen weiter aus. Ernſte, nach Wahrheit und Frieden ſuchende Menſchen ſchloſſen ſich immer zahlreicher an ſie an; auch die höhern Stände des römiſchen Reichs, aus welchen bis dahin nur einzelne Seelen und dieſe meiſt mit einer gewiſſen Zurückhaltung als Chriſten gelebt hatten, verloren ihre bisherige Scheu und bekannten offen ihren Glauben; in den Gottesdienſten der Chriſten konnte man Senatoren und Ritter und kaiſerliche Hofbeamten mit ihren Familien finden. War es auch nicht immer ein tiefes Erlöſungsbedürfniß, was ſie hinüber zog, ſo war es doch die Ueberzeugung, in der Kirche eine feſte göttliche Wahrheit für Leben und Sterben zu beſitzen, eine Wahrheit, welche ſelbſt dem vernünftigen Nachdenken des Gebildeten einleuchtender ſein mußte als das Heidenthum mit ſeinen kindiſchen und unſittlichen Vorſtellungen von den Göttern(Vgl.§. 7, 6. §. 2, 1 6). An allen Orten wuchs deßhalb die Zahl der Chriſten unter Hoch und Niedrig und am Ende dieſes Zeitraums gegen das J. 300 konnte ein volles Drittel aller Einwohner des Reichs, wenn nicht noch mehr, zur Kirche gehören. Die erſten großen Gotteshäuſer waren auch ſeit dem Jahr 200 erbaut worden. b) Wie aber die Kirche nach außen immer mehr Boden gewann, ſo ſchloß ſie ſich auch in ihrem eignen Innern durch die Ausbildung der biſchöflichen Verfaſſung immer feſter und thatkräftiger zuſammen. Nach dem Tode der Apoſtel galten die Biſchöfe ohne Weiteres als deren Nachfolger, entſchieden auf Grund der in ihren Händen befindlichen heiligen Schriften und apoſtoliſchen Belehrungen über alle Fragen des chriſtlichen Glaubens und Lebens, beſtimmten über die Verwendung der von den Gemeindegliedern geſpendeten Liebesgaben und wurden von den Laien(Nichtgeiſtlichen) um ſo höher geehrt, je weniger letztere bei der Seltenheit und Koſtbarkeit der heiligen Schriften ſelbſt forſchen und ſich überzeugen konnten. In den ſchweren Zeiten unter Domitian, noch mehr unter Trajan und Mare Aurel waren dann die Biſchöfe die Führer, Berather und Tröſter der Gemeinden, gleichſam die lebendigen Stellvertreter des Herrn Jeſu ſelbſt; ihre Heerden folgten ihnen deßhalb unbedingt, zumal die Biſchöfe häufiger als irgend welche andere Chriſten um des Glaubens willen mit Gefängniß, Verbannung oder Tod geſtraft wurden. Ihr Anſehen in der Kirche wuchs ſeit jener Zeit in ſolchem Grade, daß der Biſchof Cyprian von Karthago ums Jahr 250 die herrſchende Stimmung mit den Worten bezeichnen konnte: Wer den Biſchof nicht als ſeinen geiſtlichen Vater anerkennt, der hat an der Kirche kein Theil mehr (qui episcopum non habet patrem, ecclesiam non habet matrem). Dem Biſchof waren aber nicht bloß die Presbyter, Diakonen und Gemeindeglieder ſeines Wohnorts, ſondern auch alle Geiſtlichen und Gemeinden der Umgegend untergeben; der Bezirk, über welchen er ſo die Oberaufſicht führte, hieß ſeine Diöceſe, ſein Sprengel. Sämmtliche Biſchöfe einer Provinz wiederum ſtanden in einer gewiſſen geiſtlichen Abhängigkeit von dem Biſchof der Provinzial⸗Hauptſtadt, dem Metropoliten oder Erzbiſchof, von welchem ſie meiſt zu ihrem Amte ordinirt wurden. Unter den Metropoliten oder Erzbiſchöfen des Reichs galten ſeit 381 die von Antiochien, Nom, Konſtantinopel und Alexandria als die Oberhäupter der Chriſtenheit und führten in dieſer Stellung vor allen andern Biſchöfen den Namen Patriarchen(Erzväter). An ihrer Spitze ſtand unwiderſprochen aber der erſte an Nang und Würde der von Nom, theils, weil Nom die Hauptſtadt des ganzen Neiches war, theils auch, weil Petrus und Paulus in Nom gewirkt, den Märtyrertod erlitten und ihr Grab gefunden hatten. Der römiſche