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1 (1878)
Entstehung
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Vornehme und Geringe nahmen Theil daran. Dagegen die Tempel der alten Götter ſtanden häufig leer, der Unglaube und die Sittenloſigkeit unter den Heiden wuchſen. Die bisherige Welt ſchien dem Untergang zuzueilen, eine neue, die an deren Stelle treten wollte, ſchien dieſen Untergang zu beſchleunigen. Selbſt der ungläubige Heide, welcher ſonſt nie nach ſeinen Göttern fragte, gewahrte dieß mit Staunen und Zorn; unter Spott und Hohn ſuchte er ſeinen Grimm zu verhüllen. Dagegen mit rückſichtsloſer Strenge glaubte der ernſte, der ſittenreine, der patriotiſch geſinnte Römer den Chriſten entgegentreten zu müſſen. Ihm erſchienen ſie als die Todtengräber der väterlichen Religion und Bildung, als Haupthinderniß einer religiöſen und ſittlichen Erneuerung des Staates. Selbſt wenn er ſonſt ein ausgeſprochener Gegner aller Grauſamkeit und Gewaltthat war, betrachtete er daher ſehr leicht die Unterdrückung der Chriſten als eine Nothwendigkeit. Mit verhängnißvollem Irrthum überſah er, daß die Religion ſeines Volkes auch ohne die Chriſten längſt in ſich erſtorben war(Vergl.§. 2, 5. 6) und unmöglich neu belebt werden konnte, wenn auch der junge und lebenskräftige Baum der Kirche von der Mordaxt getroffen wurde. Unter dem Einfluß dieſes Irrthums kamen aber oft gerade die beſten und tüchtigſten Kaiſer, welche dem Reiche jemals vorgeſtanden haben, zu der verkehrten Meinung, daß die altrömiſche Zucht und Sitte nur durch Verfolgung der Kirche zu erreichen ſei..

2) So erging es zunächſt dem tapfern und edlen Trajan(98 117). Als deſſen Statthalter Plinius in Bithynien um 105 anfragte, was er gegen die reißende Ausbreitung der Chriſten thun ſolle, die den gekreuzigten Chriſtus als Gott(quasi deum) verehrten, wenn ihnen auch andere Schandthaten nicht erwieſen ſeien, entgegnete der Kaiſer, es ſolle zwar nicht von Amts wegen eine Verfolgung begonnen, auch nichts auf heimliche Anklagen gegeben werden, da dies ſeines Jahr⸗ hunderts unwürdig ſei; wenn jedoch die Chriſten bei öffentlicher Anklage ſich weigerten, den Goͤltern zu opfern, ſolle man ſie mit dem Schwert hinrichten. Beſonders in Kleinaſien, Syrien und

aläſtina wüthete darauf die Verfolgung...

a) In Jeruſalem wurde Symeon, Biſchof der dortigen Gemeinde, ums J. 107 auf Befehl des Statthalters Atticus gekreuzigt. Er war ein Verwandter des Herrn und Nachfolger Jakobus des Jüngern. Vor ſeinem Tode wurde der 120jährige Greis erſt mehrere Tage lang gefoltert, um ihn zum Abfall zu bewegen; er aber beharrte in ſeinem Glauben bis ans Ende. 15) Auch Ignatius, Biſchof von Antiochien, ein Schüler der Apoſtel Paulus, Petrus und Johannes mußte ſterben. Unerſchrocken dekannte er ſich vor dem Richter, vielleicht vor Trajan ſelbſt, zu ſeinem Herrn Chriſtus; erwiederte die heidniſchen Todesdrohungen mit der Zuverſicht, daß ihm als einem Menſchen, der Gott und Chriſtum im Herzen trage(Theophorus, Chriſtophorus), der Tod nichts ſchaden könne; hörte das Urtheil mit Freuden an, wonach er den wilden Thieren vorgeworfen werden ſollte; ſtärkte auf dem Wege nach Rom mit Wort und Schrift die chriſtlichen Gemeinden; ſchrieb den Römern: Ein Waizenkorn Gottes bin ich und durch die Zähne der wilden Thiere will ich gemahlen werden, auf daß ich als ein reines Brod Gottes erfunden werde; und wurde um 107 zur Schauluſt des Volks im Colloſſeum von Löwen zerriſſen.

3) Noch ärger erging es den Chriſten unter Marcus Aurelius, dem Philoſophen(161180). Der ſonſt milde und menſchenfreundliche Kaiſer, ein ebenſo großer Feldherr als Staatsmann, ein ſcharfer Beobachter der menſchlichen Dinge, welcher die Nichtigkeit aller irdiſchen Größe tief empfand und ſeine Gedanken darüber in einem Buche: Selſtbetrachtungen(τ6¶ αι⁶ο⁷) niederlegte, war über die ihm unverſtändliche Glaubensfreudigkeit der Chriſten und über das Wachſen ihrer Gemeinde ſo erzürnt, daß er ſie durch Martern zur Verleugnung zu zwingen befahl.

2) Unter den vielen Märtyrern ſeiner Zeit iſt vor allen der 86jährige Biſchof Polykarp von Smyrna zu nennen, der letzte damals lebende Schüler des Apoſtels Johannes. Auf der Beſitzung eines Freundes in der Nähe von Smyrna ergrifſen, wurde er durch einen Gerichtsbeamten zu Wagen in die Stadt gebracht und von dieſem nuter⸗ wegs ermahnt, doch ſeines Alters zu ſchonen und ſich durch eine Hand voll Weihrauch zu retten. Als er ſich deſſen entſchieden weigerte, ſtieß ihn der Beamte aus dem Wagen, ſodaß er ein Bein brach. Vor den Statthalter geſchleppt und auch von dieſem ermahnt, doch um ſeiner grauen Haare willen den Göttern zu opfern und Chriſtum zu verfluchen, entgegnete er demüthig: Sechsundachzig Jahre habe ich dem Herrn gedient und Er hat mir nie etwas zu Leide gethan. Wie ſollte ich nun dieſem meinem Könige fluchen, der mich ſelig gemacht hat? Darauf wurde er zum Flammentode verurtheilt; das Volk, beſ. die Juden, ſchleppte das Holz herdei; am Pfahl feſtgebunden wurde Polykarp zuerſt erdroſſelt, dann verbrannt(168). hb) Um dieſelbe Zeit endete in Rom der fromme und hoch⸗ herzige Vertheidiger des Chriſtenthums, Juſtin der Märtyrer. Ums Jahr 100 von griechiſchen Cltern in Flavia Neapalis(Sichem) geboren und im Heidenthum erzogen erkannte er doch ſchon frühe die Nichtigkeit des Götzendienſtes, ſuchte mit brennendem Wahrheitsdurſt bei den verſchiedenen Weltweiſen(Philoſophen) nach der Erkenntniß Gottes und ſchloß ſich endlich den Platonikern an. Gleichzeitig machte die freudige Standhaftigkeit, mit welcher die Chriſten den Tod erlitten, einen tiefen Eindruck auf ihn; er fühlte, daß dieſelben keine Verbrecher ſein könnten, wie behauptet wurde, ſondern fromme und edle Menſchen. Eine Begegnung mit einem hochbejahrten Chriſten, der ihm die Ungewißheit aller bloß menſchlichen Weisheit in göttlichen Dingen klar machte und ihn auf Gottes Offenbarung hinwies, wurde für ſein Leben entſcheidend. Betend vertiefte ſich Juſtin in die Schriften der Propheten und der 4 Cvangeliſten; der Glaube an Chriſtum ergriff ſeine ganze Seele. Als Evangeliſt im Philoſophenmantel durchzog er lehrend und disputirend