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gewählt; insbeſondere wurde zum Diakonat und Presbyterat eheliche Treue und Unbeſcholtenheit erfordert(1 Tim. 3, 2. 3, 12). Dagegen wurde von keinem die Eheloſigkeit verlangt, wenn auch Einzelne bereits nach dem Vorbild des Johannes und Paulus dieſelbe ihr Leben lang beobachteten, um dem Herrn ungehinderter dienen zu können(1 Cor. 7, 25— 35).
8) Die Taufe der Neubekehrten wurde theils durch Untertauchen(immersio), theils durch Beſprengung(aspersio) vollzogen, ohne daß auf dieſe Formverſchiedenheit ein Gewicht gelegt wurde (A. G. 2, 41. 16, 33. 1 Kor. 15, 29). Bei der Taufe der 3000 am erſten Pfingſtfeſt war ſie ſchon durch Beſprengung geſchehen. Häufig fand ſie auf den Friedhöfen ſtatt. Der Taufe voran ging das Bekenntniß des Glaubens an Gott den Vater, den Sohn und den heiligen Geiſt(Matth. 28, 19), aus welchem bis zum J. 150 das ſpatere apoſtoliſche Glaubenbekenntniß im Weſentlichen hervorging. Das heilige Abendmahl wurde in derſelben Weiſe wie in Jeruſalem gefeiert(Vergl. §. 5, 2.); ſtatt des jüdiſchen Sabbaths aber beging man den Tag des Herrn(1 Kor 16, 2. Joh. 1. 10).
9) Bei der Fülle des Geiſtes, welche der Herr nach Seiner Verheißung den Gläubigen mittheilte(Joh. 14, 16—18. 14, 26. 15, 26. A. G. 2, 1—4. 10, 46. 19, 6), war die Gabe der Weiſſagung nach Art der altteſtamentlichen Prophetie nicht ſelten; Apoſtel, Evangeliſten,(Reiſe⸗ prediger, Miſſionare), Diakonen, ſchlichte Gemeindeglieder, ja ſelbſt Frauen, hatten daran Antheil (A. G. 11, 27. 13, 1. Eph. 2, 20. A. G. 21, 9). Aus derſelben Geiſtesfülle, zumal bei dem noch vorhandenen Mangel eigentlich chriſtlicher Gebete, Lobpreiſungen und Gotteslieder, ging das Zungenreden hervor, ein Ausdruck ſeliger Heilsgewißheit und Erlöſung in bloßen Toͤnen des Jubels und der Freude ohne Worte(1 Kor. 14, 1—40). Meiſt zeigte es ſich unmittelbar nach der Bekehrung und nach der Taufe(A. G. 10, 46. 21, 9); häufiger, wie es ſcheint, bei Heiden⸗ chriſten als bei Judenchriſten, da erſtere nicht einmal die Pſalmen des alten Bundes kannten und deßhalb ihre Freude im Herrn noch weniger in Worte faſſen konnten als die Judenchriſten. Die ganze Erſcheinung aber hörte auf, als die Gemeinden in chriſtlichen Hymnen und Gebeten den vollen Ausduck ihrer Empfindungen beſaßen. Nur in ſchwärmeriſchen Richtungen behielt ſie nach wie vor ihren Boden und tauchte in ſolchen ſelbſt nach vielen Jahrhunderten unter verſchiedenen Verhältniſſen wieder auf.
Dritter Abſchnitt.
Das zunehmende Wachsthum der Kirche im Kampf gegen das Heidenthum und gegen die römiſche Staatsgewalt(100— 312).
§. 8. Die Kirche im Kampf mit dem Heidenthum unter Trajan und Mare Aurel (100— 200).
1) Mit Beginn des zweiten Jahrhunderts wurde die äußere Lage der Kirche im römiſchen Reich immer ſchwieriger. Hatten die Heiden ſchon vorher die Chriſtenheit als eine unerlaubte Religions geſellſchaft mit Argwohn und Haß betrachtet und ihr dies gelegentlich in grauſamen Verfolgungen fühlbar gemacht, ſo wurden ſie ſich nunmehr des tiefen und unverſöhnlichen Wider⸗ ſpruchs, der zwiſchen der chriſtlichen und heidniſchen Weltanſicht beſtand, immer deutlicher bewußt. Je mehr ſie mit den Chriſten in Berührung kamen, deſto beſtimmter fühlten ſie, daß in den Chriſten eine Geiſtesrichtung herrſchte, für welche ihnen das Verſtändniß abging und welcher gegenüber zugleich das ſonſt allmächtige Heidenthum mit aller ſeiner Kunſt, Weisheit und Größe ſich ohnmächtig zeigte. Der Widerwille der Heiden wurde um ſo heftiger, da die Gemeinde der Chriſten beſtändig wuchs. Schon überſchritt ſie im Oſten die Grenzen des Reichs und fand Eingang in Perſien(Parthien), Indien und Arabien; ſchon zählte ſie Anhänger in Gallien und Brittannien. Ihre Gottesdienſte am Tage des Herrn und an den hohen Feſten, Oſtern und Pfingſten(Weihnachten erſt ſeit dem dritten Jahrhundert), wurden mit Luſt und Begeiſterung beſucht;


