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1 (1878)
Entstehung
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gelten. c) Weil ſie einen Gekreuzigten göttlich verehrten, erſchienen ſie den Heiden als wahnſinnige Schwärmer, ihre Religion aber als ein verderblicher Aberglaube.

3) Die ſchrecklichſten Greuel wurden ihnen deßhalb zugetraut und angedichtet. Wenn ſie des Abends und in der Nacht ihre Gottesdienſte hielten, ſo ſollte dieß entweder geſchehen, um Verſchwörungen gegen den Staat zu ſchmieden, oder um naturwidrige Ausſchweifungen zu begehen. Wenn ſie im heil. Abendmahl den Leib und das Blut des Herrn empfingen, ſo ſollten ſie Kinder geraubt und geſchlachtet haben und deren Fleiſch verzehren(Thyeſteiſche Mahle). Ein wilder Haß erfüllte wegen dieſer Beſchuldigungen die heidniſchen Gemüther und machte ſich in Verfolgungen Luft.

4) Zuerſt benutzte dies Nero beim Brande von Rom, indem er die Schuld deſſelben auf die Chriſten zu wälzen ſuchte. Zur Unterhaltung des Volts ließ er ſie in Thierfelle nähen und von Hunden zerreißen, ans Kreuz ſchlagen, in Pechſäcken anzünden und bei nächtlichen Luſtbarkeiten als Fackeln dienen. In ähnlicher Weiſe wüthete ſchon einige Jahre vorher die mehr vom Volk ausgehende Verfolgung in Kleinaſien, durch welche Petrus veranlaßt wurde, ſeinen erſten Brief zum Troſt der dortigen bedrängten Gemeinden abzuſenden. Erſt Neros Tod brachte den im Reiche zerſtreuten Chriſten wieder Ruhe. Aber Petrus und Paulus hatten als Märtyrer ſterben müſſen.

5) Aehnlich erging es den Chriſten unter dem grauſamen und habſüchtigen Domitian (81 96). Seinen eignen Vetter, den Conſular Flavius Clemens, ließ er wegen Hinneigung zu den Chriſten enthaupten. Den Apoſtel Johannes verbannte er allerdings nur nach Patmos; auch zwei nahe Verwandte des Herrn, welche er auf Anſtiften heidniſcher Prieſter nach Rom kommen ließ, ſandte er unverſehrt zurück, als er ihre geringen Kleider und ſchwieligen Hände ſah; ſolche Leute, ſagte er ſpöttiſch, ſeien nicht gefährlich. Dagegen viele andere Chriſten mußten unter heftigen Martern ſterben. Erſt Domitians Tod brachte der Kirche wieder Ruhe, wie früher der Tod Neros.

6) Alle dieſe Anfeindungen waren jedoch nicht im Stande, die Ausbreitung des Chriſten⸗ thums zu hindern oder nur aufzuhalten. Das Blut der Märtyrer erwies ſich als der Samen der Kirche. Gerade in Rom, wo die Verfolgungen am ärgſten waren, wuchs die Gemeinde am kräftigſten. Ueber das ganze Reich aber vom Euphrat bis nach Spanien, und vom Nil bis zur Donau konnte man gegen Ende des Jahrhunderts in den größern Städten bereits chriſtliche Gemeinden zerſtreut finden, welche durch Reiſen ihrer Mitglieder, durch Briefwechſel und durch Liebesgaben in einem lebendigen Verkehr unter einander ſtanden. In allen dieſen Gemeinden überwog das heidenchriſtliche Element. Zwar wurden von einſeitigen Judenchriſten im Widerſpruch gegen die Beſchlüße des J. 52 wiederholte Verſuche gemacht, den Heidenchriſten das moſaiſche Geſetz mit der Beſchneidung aufzudrängen(Gal. 2, 3 4. 3, 1 u. ſ. w.); auch bekehrte Eſſener miſchten ſich in dieſe Kämpfe und verſuchten ihre mönchiſchen Anſchauungen(Vergl.§. 1, 7. Röm. 14, 1 23. Col. 2, 16 23) in die Kirche zu übertragen. Im Großen und Ganzen blieben jedoch die juden⸗ chriſtlichen Beſtrebungen ohne Erfolg, zumal nach der Zerſtörung Jeruſalems und nach der Ueberſiedelung aller Apoſtel in die Heidenwelt(Vgl.§. 5, 8). Nur die eſſeniſche Entſagung und Weltflucht ſagte vielen Gemüthern zu. Die Anziehungskraft der Kirche für die Heiden trat aber trotz alledem glänzend hervor. In der Kirche fanden die Heiden den lebendigen und wahrhaftigen Gott, welchen das Heidenthum nicht kannte; durch den Eingebornen Sohn wurden ſie Ihm verſöhnt und traten zu ihm in ein kindlich⸗gläubiges Verhältniß; durch die Gemeinſchaft in Chriſto wurden die Schranken entfernt, welche im Heidenthum die Anerkennung des göttlichen Ebenbildes im Menſchen gehindert hatten(Gal. 3, 27 28); Römer und Griechen, Herren und Sklaven, Männer und Frauen fühlten ſich als Bürger im Reiche Gottes; die Ehe und das Familienleben wurden heilig gehalten; Liebe und Erbarmen kamen den Ungzlücklichen entgegen; eine heilige Begeiſterung erfullte die in Chriſto verbundenen Gemüther.

7) An der Spitze jeder Gemeinde ſtand ein oder mehrere Presbyter, Aelteſte,(rοεοιρνινεμέκςοαο, seniores) auch Hirten(⸗roiusrec, pastores) und Lehrer(dε⁴ςσσο, doctores) oder Biſchöfe (&nioνοισνπσια, episcopi) d. y. Aufſeher genannt. Sie predigten das Wort Gottes, ſpendeten Taufe und Abendmahl, übten Seelſorge und Kirchenzucht und überwachten die ganze Gemeinde. Aus ihrer Mitte ging in größeren Gemeinden einer hervor, welcher vorzugsweiſe der Biſchof hieß und die Oberaufſicht über die andern führte. Neben und unter den Presbytern ſtanden die Diakonen (dεαe ονον,⁵ diaconi, Diener) und Diakoniſſen, welche für die Armen und Kranken zu ſorgen und das etwaige Gemeindevermögen unter Leitung des Biſchofs zu verwalten hatten. Einzelne von dieſen Männern wurden unter Umſtänden als Evangeliſten, d. h. als Reiſeprediger ausgeſandt (A. G. 21, 8 9). Zu allen dieſen Aemtern aber wurden nur unbeſcholtene und erfahrene Chriſten