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von ihnen bereits an verſchiedenen Orten als Märtyrer geſtorben. Der Schwerpunkt der Chriſten⸗ heit lag daher von jetzt an nicht mehr in Jeruſalem, überhaupt nicht mehr in Paläſtina, ſondern in den Gemeinden der Heidenwelt. Antiochia, Epheſus, Korinth und Rom, dieſe großen, beſonders mit dem Namen und der Wirkſamkeit Pauli verknüpften Gemeinden, in welchen nur wenige Judenchriſten mit einer großen Menge von Heidenchriſten zu einem Ganzen verbunden waren, bildeten von jetzt an die Sammelpunkte für das ſich entfaltende Leben der Kirche Jeſu Chriſti.
§. 6. Paulus, der Weltapoſtel, und ſeine Wirkſamkeit unter den Heiden.
1) Während die andern, vom Herrn während Seines Erdenwandels berufenen Apoſtel noch die Aufgabe hatten, zunächſt an der Bekehrung Israels zu arbeiten und erſt in zweiter Linie ihre Kräfte den Heiden zu widmen, erweckte Sich der Herr durch ganz beſondere innere und äußere Führungen den Mann, der wie kein anderer das Evangelium zu den Heiden tragen ſollte. Saulus, ſpäter Paulus(A. G. 13, 9) aus Tarſus in Cilicien, Sohn eines Phariſäers aus dem Stamme Benjamin, von Geburt römiſcher Bürger, wurde ſchon frühe nach Jeruſalem geſchickt, um unter der Leitung des berühmten Phariſäers Gamaliel ein Schriftgelehrter zu werden. Durch ſtrenge Erfüllung des moſaiſchen Geſetzes und der phariſäiſchen Traditionen(Vrgl.§. 1, 4— 5) vor Gott gerecht zu werden, war von Jugend auf ſein Streben. Nur widerwillig hörte er darum von Jeſu von Nazareth und von deſſen neuer Lehre; abſichtlich kümmerte er ſich nicht um Ihn, wenn Er in Jeruſalem weilte; kaum kannte er Ihn nach dem äußern Anſehen(2 Cor. 5, 16). Umſomehr erzürnte es ihn, als die Anhänger des Gekreuzigten auch nach deſſen elendem Tode Ihn für den Meſſias und Gottes Sohn hielten; als ſie behaupteten, Er ſei von den Todten auferſtanden; als ſie vollends lehrten, kein Menſch könne durch die Werke des Geſetzes die Gerechtigkeit vor Gott erlangen, ſondern nur durch den Glauben an Jeſum Chriſtum. Um dieſer Lehren willen waren die Chriſten in den Augen Sauls nichts als ruchloſe Feinde Gottes, des Geſetzes, des Tempels, der geſammten göttlichen Offenbarung. Zwar fühlte Saulus ſelbſt im tiefſten Herzen, daß er Gottes heilige Gebote nicht völlig halten konnte, ſelbſt wenn er ſich die größte Mühe gab (Röm. 7, 9— 24); er ahnte, daß das Gebot, das ihm zum Leben gegeben war, mit ſeinen uner— reichbaren Forderungen ihn ſchließlich nur richten und verdammen werde(Röm. 3, 19—20); allein bei ſeiner damaligen Richtung wagte er ſich dieſe innerſten Gefühle nicht zu geſtehen. Im Gegentheil, je mehr er noch ſeine Sünde fühlte, deſto eifriger ſuchte er durch Erfüllung des Geſetzes gerecht zu werden und die Ruhe ſeiner Seele zu erlangen; deſto feindſeliger aber ſah er auch auf die Chriſten hin, die es ſich nach ſeiner Meinung ſo frevelhaft leicht machten und den Frieden des Herzens durch bloßen Glauben an ihren Meſſias erringen wollten, einen Meſſias, der nach Sauls Meinung ohnehin der ärgſte Betrüger geweſen war. Mit Freuden begrüßte darum Saulus die Steinigung des Stephanus(A. G. 7, 57. 8, 1). Jetzt endlich, meinte er, würden doch dieſe Gottesläſterer, die Chriſten, von der verdienten Strafe getroffen! die Gelegenheit ſei gekommen, gründlich mit ihnen abzurechnen! Jeder Freund des Geſetzes müſſe dazu helfen, daß es nicht halb geſchehel Mit glühendem Eifer trat daher Saulus an die Spitze der ganzen Verfolgung(A. G. 9, 1). Indem er Männer und Weiber ins Gefängnis führte und ihnen zum Tode half(A. G. 22, 3— 5), hoffte er Gott einen ganz beſondern Dienſt zu thun, aber zugleich auch die Ruhe ſeiner Seele mächtig zu fördern.
2) Doch nach Gottes Rath ſollte dies anders geſchehen als ſich Saulus gedacht hatte; er ſollte zunächſt nicht Ruhe für ſeine Seele finden, ſondern nur größere Unruhe; er ſollte einen Stachel in ſein Gewiſſen bekommen, gegen welchen er zuletzt nicht mehr kämpfen konnte(A. G. 9, 5). Bei den Chriſten, die Saulus zum Tode führte, gewahrte er zu ſeinem Zorn und Schrecken einen Seelenfrieden im Glauben an ihren Erlöſer, welchen er durchs Geſetz nur vergeblich für ſich geſucht hatte. Er ſah ſelbſt, es war kein gemachter, kein erbeuchelter Friede, es war ein Friede, der in die Ewigkeit ragte, der den Haß im Herzen ſelbſt gegen die Feinde tödtete, der die Schrecken des Todes in die Zuverſicht des ewigen Lebens wandelte(A. G. 7, 55— 59). Furchtbar, gegen ſein eignes Wollen und Denken, aber unwiderſtehlich, wie mit Blitzesgewalt zuckte bei dieſer Wahr⸗ nehmung der Gedanke durch ſeine Seele: Wie? Sollten am Ende die Nazarener dennoch recht haben? Sollte der gekreuzigte Jeſus dennoch der verheißene Meſſias und Gottes Sohn ſein, der König von Israel, der Erbe Davids, der Fürſt des Lebens? Es durchſchauerte Saulus wohl bei


