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1 (1878)
Entstehung
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Männer wie Frauen, mußten um des Herrn willen in Jeruſalem ſterben. Von den Flüchtlingen kamen nicht wenige nach Samarien(A. G. 8, 5), andere nach Damaskus und ſpäter ſelbſt nach Antiochien(A. G. 11, 1921). Ueberall hin brachten ſie die Predigt von Chriſto. Eine ganze Anzahl neuer Gemeinden bildete ſich daher, an welche Niemand vorher gedacht hatte. Selbſt unter den Heiden fand der Glaube an Chriſtum in größerem Maßſtabe Eingang, nämlich in Antiochien, wo auch der Name Chriſten(christiani, Xασραιασ̈³⁷) zuerſt gebraucht wurde. Die ganze Verfolgung aber, ſo ſchwer ſie für die Chriſten war, diente auf dieſe Weiſe nur zur weiteren Ausbreitung der Kirche unter Israel und weiterhin unter den Heiden. Mit der Bekehrung Sauls vor Damaskus hörte ſie außerdem von ſelbſt auf.

5) Die zerſtreuten Chriſten aus Jeruſalem fanden ſich übrigens bald wieder zuſammen und bildeten mit ihrer Gemeinde den Mittelpunkt der neuentſtandenen Gemeinden im Lande. Petrus, Jacobus und Johannes ſtanden jetzt auf der Höhe ihrer Wirkſamkeit; durch den Diaconen und Evangeliſten Philippus wurde gleichzeitig der Kämmerer aus Aethiopien bekehrt, durch Petrus ſelbſt im J. 38 der römiſche Hauptmann Cornelius zu Cäſarea. Der Märtyrertod Jakobus des Aeltern im J. 44 und die wunderbare Rettung Petri ſtärkte nur die Glaubensfreudigkeit der Jünger(A. G. 12). Im J. 52 wurde in Jeruſalem der bereits erwähnte folgenreiche Beſchluß gefaßt, daß die unterdeß von Saulus bekehrten Heidenchriſten an das moſaiſche Geſetz nicht gebunden ſein ſollten(Vergl.§. 4, 2. A. G. 15, 1 31). Zwiſchen ihnen und den Judenchriſten wurde die brüderliche Gemeinſchaft durch Handſchlag der Apoſtel Paulus und Barnabas von der einen und Petrus, Jakobus und Johannes von der andern Seite beſiegelt(Gal. 2, 9 10). Petrus wurde als Führer der Miſſian unter den Juden anerkannt, Paulus als ſolcher unter den Heiden. Gegenſeitige Unterſtützung der Armen wurde ausbedungen und in der Folge von Paulus und den Heidenchriſten wiederholt gegen die verarmten Brüder in Jeruſalem bethätigt.

6) Dagegen die Hoffnung der Jünger auf eine Bekehrung des ganzen Ihsraels erfüllte ſich nicht. Die von den Phariſäern geleitete Maſſe des Volkes nahm Auſtoß an einer Gerechtigkeit vor Gott aus dem Glauben und ohne Werke des Geſetzes(Vergl.§. 5, 4); ſie begehrte keinen gekreuzigten Erlöſer, ſondern einen weltlichen Herrſcher, kein geiſtliches Gottesreich in den Herzen, ſondern eine Herrſchaft Israels über die Welt(Vrgl.§. 1, 5). Unter dem Hohenprieſter Hanan wurde Jakobus der Jüngere im J. 63 wegen ſeines Glaubens getödtet, die Gemeinde zur Flucht gezwungen und ſchließlich ſelbſt die Apaſtel genöthigt, das verblendete Israel zu ihrem großen Schmerz aufzugeben und ſich wie Paulus den Heiden zuzuwenden..

7) Seitdem konnte das vom Leiland verkündigte Gericht über Israel nicht mehr ausbleiben (Luk. 19, 40 44. Matth. 21, 33 44). Gereizt durch die Grauſamkeit des Landpflegers Geſſius Florus, der die ärgſten Verbrecher für Geld losließ und mit Räubern die Beute theilte, empörten ſich die Juden im J. 64 gegen Rom. Mit wilder Tapferkeit ſchlugen ſie in ihren Bergen alle gegen ſie geſandten roͤmiſchen Truppen. Da ſchickte Nero im J. 67 den Feldherrn Vespaſian, der das ganze Land bis auf Jeruſalem eroberte und nach ſeiner Erhebung zur Kaiſerwürde die Belagerung der Stadt ſeinem Sohn Titus übertrug. Eine Million Menſchen war theils wegen des Paſſahfeſtes theils wegen des Krieges in der Stadt zuſammengedrängt; Hungersnoth und Partheikämpfe brachen aus; von raſenden Schwärmern wurden die Gemäßigten ermordtet; von der Menge der Geſtorbenen, die nicht begraben werden konnten, wurde die Luft verpeſtet; anſteckende Seuchen vermehrten das Elend. Vergeblich hofften die Eiferer auf die Erſcheinung des Meſſias vom Himmel. Jeruſalem wurde im J. 70 n. Chr. erſtürmt, geplündert und verbrannt. Selbſt der Tempel, welchen Titus als ein Wunder der Welt ſchonen wollte, ging bei der Wuth des Kampfes in Flammen auf. Tauſende von gefangenen Juden aber wurden gekreuzigt, ungleich mehr wurden als Sklaven verkauft, unzählige andere zerſtreuten ſich in die ganze Welt.(Matth. 27, 25.)

8) Den Chriſten des heiligen Landes und beſonders Jeruſalems kam dieſes Gericht ſehr zu Gute. Die Macht der feindlichen Juden, ihnen zu ſchaden, war für lange Zeit gebrochen und faſt unverſehrt ging die Gemeinde aus dem Elend des Krieges hervor. Schon im J. 63 nach ihrer Vertreibung aus Jeruſalem hatte ſie im Bergſtädtchen Pella jenſeits des Jordans eine Zuflucht gefunden; dort hatten die Wetter des Kriegs ſie nicht berührt. Uugehindert durfte ſie nunmehr auf den Trümmern Jeruſalems wieder eine Stätte für ſich gründen und dem Gekreuzigten dienen, den Israel verworfen hatte.

Die Bedeutuug der Gemeinde in Jeruſalem war jedoch nach der Zerſtörung der Stadt eine vollſtändig andere geworden als früher. Die Apoſtel waren ſämmtlich fortgezogen, die meiſten