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4) Die Gründung der Kirche erfolgte durch den erhöhten Heiland Selbſt, indem Er zehn Tage nach Seiner Himmelfahrt, am Tage der Pfingſten, den heiligen Geiſt in die Herzen der Gläubigen ausgoß, die zu Jeruſalem auf Seine Verheißung warteten(A. G. 2, 1—33). In ihnen wie in den 3000 Israeliten, welche ſich an dieſem Tage bekehrten, erweckte Er durch den heiligen Geiſt die erhebende Gewißheit, daß ſie die Gemeinde des auferſtandenen Erlöſers ſeien(Matth. 16, 16), der heilige Leib des himmliſchen Hauptes(Eph. 1, 22— 23), die Behauſung Gottes im Geiſt (Eph. 2, 21— 22), die Wohnung des Vaters und des Sohnes(Joh. 14. 23), der Pfeiler und die Grundfeſte der Wahrheit(1. Tim. 3, 15), die Verkündigerin des Evangeliums(1. Petr. 2, 9. Matth. 28, 18, Joh. 17, 20— 23), und die Trägerin des Heils für alle Menſchen. Insbeſondere wurde das Letztere prophetiſch durch den heiligen Geiſt ausgedrückt und zur Anſchauung der Gemeinde gebracht, indem Er die Gläubigen an jenem Morgen befähigte, in den verſchiedenen Sprachen und Zungen der Welt Gottes Thaten in Chriſto zu preiſen. Denn indem dieſe Gabe weiter niemals hervortrat, war ſie eine Weiſſagung auf die Zeit, wo die Völker der Erde durch die Kirche zum gemeinſamen Preiſe Gottes bei aller Mannigfaltigkeit der Zungen gelangt ſein und Eine Heerde unter dem Einen Hirten Jeſus Chriſtus bilden werden.
§. 4. Petrus, Jakobus der Jüngere und Johannes, die Säulen der Kirche(Gal. 2, 9).
Unter den zwölf Apoſteln, welche Sich der Herr Jeſus Selbſt erwählt hatte, erlangten Petrus, Jacobus der Jüngere und Johannes eine hervorragende Wirkſamkeit für die Gemeinde, weßhalb ſie in Jeruſalem die Säulen der Kirche genannt wurden.
1) Simon, mit dem Zunamen Petrus, d. h. Fels, Jona's Sohn, ein Fiſcher zu Bethſaida, älter als der Heiland, verheirathet, lernie den Herrn bei Johannes dem Täufer durch ſeinen Bruder Andreas kennen(Joh. 1, 40— 42), empfing von Ihm den Namen Kephas oder Petrus, wurde zum Apoſtel und Menſchenfiſcher berufen(Matth. 4, 18— 19. Luk. 5, 10— 11), ſchloß ſich dem Herrn mit feurigem Glauven an; bekannte zuerſt unter den Jüngern, daß Jeſus der Chriſt(der Meſſias) und der Sohn des lebendigen Gottes ſei(Matth. 16, 16 Joh. 6, 68— 69); war mit Jakobus dem Aelteren und Johannes Zeuge von der Auferweckung der Tochter des Jairus(Luk. 8, 51), von der Verklärung (Matth. 17, 1 ff) und vom Seelenleiden des Herrn(Matth. 26, 37 ff.); ließ ſich in der Nacht des Verraths aus Mangel an Wachſamkeit, Demuth und Gebet zur Verleugnung des Heilandes fortreißen; wurde vom Auferſtandenen jedoch wieder zum Apoſtel angenommen, nachdem er ſeine Sünde bereut hatte(Joh. 21, 15 ff.), bekehrte dann am Tage der Pfingſten 3000 gottesfürchtige Israeliten; leitete mit Jacobus dem Jüngern und Johannes die neu gegründete Gemeinde; ordnete und viſitirte nach der Verfolgung des Jahres 37 die jungen Gemeinden in Samaria und Judäa (A. G. 8, 14. 9, 82); bekehrte den Hauptmann Cornelius zu Cäſarea(A G. 10); entging unter Herodes Agrippa im J. 44 durch wunderbare göttliche Hülfe dem Tod(A. G. 12); verließ vorübergehend Jeruſalem, aber nicht Paläſtina, und entſchloß ſich erſt zum völligen Weggang, nachdem im J. 63 Jacobus der Jüngere getödtet, die Gemeinde aus Jeruſalem vertrieben und ſomit keine Hoffnung mehr übrig war, daß Israel als Ganzes ſich bekehren werde(Matth. 10, 5— 6. Ueber Kleinaſien begab er ſich dann nach Rom; theilte ſeinem Begleiter Johannes Marcus die Geſchichte Jeſu mit, ſoweit er ſie ſelbſt erlebr hatte; verfaßte in den Jahren 64— 67 zwei Briefe an die Chriſten Kleinaſiens; war vielleicht eine Zeit lang mit Paulus zuſammen in Rom thätig und erlitt im J. 67 unter Nero den Kreuzestod, doch mit dem Haupt nach unten, weil er ſich nicht würdig hielt, wie ſein Heiland zu ſterben. Daß er 25 Jahre lang Biſchof von Rom und der erſte Papſt geweſen ſei, iſt eine ziemlich ſpäte und unwahre Behauptung der römiſchen Kirche.
2) Jakobus der Jüngere, Sohn des Alphäus, ein Bruder, d. h. ein naher Verwandter des Herrn, vom Heiland zum Apoſtel berufen(Matth. 10, 2), ſtand ſeit dem J. 33 mit Petrus und Johannes der Gemeinde vor; erhielt wegen ſeiner ſtrengen Erfüllung des Cärimonial⸗Geſetzes und wegen ſeiner Mildthätigkeit von den Juden den Namen der Gerechte; bewirkte mit Petrus im J. 52 den vom Herrn gewollten(A. G. 10, 1— 48) Beſchluß der apoſtoliſchen Kirche, daß von den Heidenchriſten die Beobachtung des moſaiſchen Geſetzes nicht verlangt werden ſollte(A. G. 15, 1— 31); wurde im J. 63 vom Hohenprieſter Hanan auf die Zinne des Tempels geführt, um Jeſum zu verfluchen, bekannte aber freudig ſeinen Glauben, wurde darauf herabgeſtürzt und erlitt unten durch einen Keulenſchlag vollends den Tod. Er hinterließ einen Brief an die Gemeinden Paläſtinas.
3) Johannes, Sohn des Zebedäus und der Salome, aus Beihſeida, ebenfalls ein Verwandter des Herrn, wie Petrus ein Fiſcher, durch Johannes den Täufer auf Jeſum hingewieſen und von letzterem Selbſt berufen(Joh. 1, 35— 36. Math. 4, 21), ſchloß ſich mit innigſter Liebe und Bewunderung dem Eingeborenen vom Vater an; nahm den Eindruck von deſſen göttlicher Herrlichkeit tiefer als alle andern in ſich auf; wurde mit Petrus und Jakobus dem Altern ein Zeuge der Verklärung und des Seelenkampfes; lag beim Abendmahl an der Bruſt des Herrn; empfing unterm Kreuz den Auftrag, Sohnes Stelle bei Maria zu vertreten, und blieb mit den andern Apoſteln bis zum J. 63 in Jeruſalem an der Spitze der Gemeinde. Seitdem leitete und überwachte er von Epheſus aus die Kirche in Kleinaſien, verſorgte die Gemeinden mit Biſchöfen und Aelteſten und ging auch einzelnen Seelen nach, wie die Geſchichte eines Jünglings zeigt, den er durch einen Biſchof chriſtlich erziehen ließ und ſpäter perſönlich vom Räuberleben zu einem chriſtlichen Wandel zurückbrachte. Unter Domitian nach Rom geſchleppt, aber dem Tod entronnen und nach Patmos verbannt, empfing er vom Herrn die Geſichte der Offenbarung(O. Joh. 1, 9— 11); kehrte ſpäter nach Epheſus zurück, nahm ſeine frühere Wirkſamkeit wieder auf; ſah mit eigenen Augen den Verfall des Heidenthums(1 Joh. 5, 4); wehrte in
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