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von entſprechenden, das Leben des Frommen umſchließenden Satzungen(Traditionen) ergänzen und erweitern. Indem ſie dieſe ſelbſtgemachten Satzungen mit dem größten Eifer beobachteten, erfüllten ſie zugleich aus fleiſchlichem Mißverſtand der meſſianiſchen Weisſagungen das Volk mit der ver⸗ kehrten Hoffnung, der Meſſias werde als ein weltlicher Herrſcher die Römer vertreiben und die ganze Welt dem auserwählten Volke dienſtbar machen. Bei dem hohen Anſehen, das ſie genoſſen, konnte es daher nicht fehlen, daß die Frömmigkeit der Juden durch ihr Beiſpiel immer äußerlicher und werkheiliger wurde und ſich in falſchen Meſſiashoffnungen wiegte. Statt den Beruf Israels unter den Völkern darin zu ſehen, daß es in religiöſer und ſittlicher Hinſicht ein Licht für die Heiden würde, ſtellten ſich ſeitdem die Juden ſelbſt auf den Standpunkt der Heidenvölker, von denen ein jedes meinte das vorzüglichſte und zur Herrſchaft über die andern beſtimmte u ſein.
4 6) Den ohariſietn gegenüber, jedoch ohne großen Einfluß aufs Volk, ſtanden die Sadducäer, d. h. die(angeblich) Gerechten. Sie erkannten nur die 5 Bücher Moſis als Offenbarung an, bezweifelten die göttliche Weltregierung, leugneten die Auferſtehung der Todten, das Gericht und das ewige Leben und liebten ein bequemes, genußreiches Daſein. Da ſie es mit den Römern hielten, ſorgten die letztern in der Zeit Jeſu Chriſti dafür, daß die Hohenprieſter aus ihrer Mitte genommen wurden(Hannas, Kaiaphas)..
7) Neben den um die Herrſchaft ringenden Partheien der Phariſäer und Sadducäer gab es unter den Juden zur Zeit des Herrn Jeſu in Folge der Berührung mit den ägyptiſchen Serapis⸗ Mönchen(homines reclusi) und den weltflüchtigen griechiſchen Philoſophen(Neu⸗Pythagoräern, Cynikern) eine Art Mönche oder Einſiedler. In Aegypten, wo ſie als wirkliche Einſiedler am See Mareotis zerſtreut lebten, hießen ſie Therapeuten, d. h. Verehrer, nämlich Gottes; in Paläſtina, wo ſie in der Wüſte und am Karmel ganze Geſellſchaften von Männern oder Frauen bildeten, wurden ſie Eſſener oder Eſſäer, d. h. heilige oder heilende genannt. Sie verwarfen die Ehe, das perſöͤnliche Eigenthum, den Genuß des Fleiſches und Weines, und brachten ihr Leben in ſtiller Arbeit, Keuſchheit und Gebet zu. Spuren von ihnen fanden ſich ſpäter in den chriſt⸗ näns Berneinden der apoſtoliſchen Zeit und wirkten zur Entſtehung des chriſtlichen Mönchs⸗
ums mit.
8) Nur einzelne fromme Menſchen und bisweilen ganze Familien im Volke Israel bewahrten ſich unterdeſſen in der Stille jene tiefere und geiſtigere Auffaſſung des Geſetzes und der Verheißung, welche dem Willen Gottes entſprach. Im Gefühl ihrer Sündenſchuld und des allgemeinen Elends der Zeiten warteten ſie ſehnſüchtig auf den verheißenen Meſſias, welcher für Israel und für alle Völker das Heil bringen ſollte(Luk. 2, 29—32).
§. 2. Die Heidenwelt oder die Menſchheit ohne Gottes Offenbarung.
1) Ganz anders als bei den Israeliten ſtand es in religiöſer und ſittlicher Hinſicht bei den andern Völkern. Während jene an der Verehrung des lebendigen Gottes im Ganzen noch feſthielten und unter dem Einfluß Seines Geiſtes ſtanden, war die geſammte übrige Menſchheit in Götzen⸗ dienſt verſunken. Ein großer Theil der Semiten ſowie alle Japhetiten und Hamiten hatten ſchon frühe durch ein fleiſchliches Leben die Herzens⸗Gemeinſchaft und Erkenntniß Gottes in ſich zerſtoͤrt. Je weniger ſie aber vom wahrhaftigen Gott wußten, deſto mehr wurden ſie von den Eindrücken der ſie umgebenden und oft beherrſchenden Naturkräfte in ihrem Innern ergriffen. In den ge⸗ heimnißvollen Regungen derſelben glaubten ſie das Göttliche zu erfaſſen, nach dem das Menſchenherz unbewußt verlangt. Aus dem ſo entſtehenden Naturdienſt gieng aber allmälig eine zahlloſe Menge von heidniſchen Religionen hervor, indem ſich die religiöſen Vorſtellungen der einzelnen Völker nach den verſchiedenen Eindrücken, welche die geographiſche Lage, die Bodengeſtalt, das Klima, die Produkte, die Lebensweiſe, der Bildungsſtand ſowie die geſchichtlichen Erfahrungen in Krieg und Frieden auf die dichtende Einbildungskraft machten, höchſt mannigfaltig und von einander ab⸗ weichend geſtalteten...
2) Gab es auf dieſe Weiſe unter den Heiden keinen gemeinſamen Gottesglauben mehr, ſo war andrerſeits auch kein Gefühl mehr dafür vorhanden, daß die Völker der Erde unter ſich ein Ganzes, die Menſchheit bilden ſollen. Vielmehr hielt ſich jedes Volk in ſelbſtſüchtigem Hochmuth für berechtigt, die andern mit Liſt und Gewalt zu unterwerfen und ſie als ſeine Sklaven zu


