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1 (1878)
Entstehung
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Erſter Abſchnitt. 3 0

Das religiöſe und ſittliche Leben der erlöſungsbedürftigen Menſchheit bis auf Chriſtus.

§. 1. Die göttliche Offenbarung und das Volk Israel.

1) In der erſten Zeit, nachdem die Menſchen durch ihre Sünde aus der inneren Lebens⸗ gemeinſchaft mit Gott herausgetreten und in Gewiſſensangſt, Leiden und Tod gefallen waren, beſaßen ſie noch ſämmtlich als ein heiliges Erbe die Erkenntniß des lebendigen Gottes und die Verheißung der Erlöſung(1 Moſ. 3, 15). Bei den Nachkommen Kains ging freilich dieſer Beſitz an religiöſer und ſittlicher Erkenntniß durch einen fortgeſetzten und ſich immer mehr ſteigernden gottloſen Wandel ſehr bald verloren. Aber auch die früher gottesfürchtigen Sethiten ließen ſich in der Folge durch unvorſichtige Verbindung mit den Kainiten zu einer ſolchen Ruchloſigkeit verführen, daß zuletzt keine Hoffnung der Umkehr mehr übrig blieb und der Herr die ganze damalige Menſchheit mit Ausnahme Noahs und ſeiner Familie in der großen Fluth vertilgen mußte(1 Moſ. 4 8).

2) In der neuen Menſchheit, welche von Noahs Söhnen Sem, Ham und Japhet herkam, hielt beſonders ein Theil der Semiten an der Verehrung Gottes und an Seinen Verheißungen feſt(1 Moſ. 9, 26. 11; 12). Aus ihrer Mitte wurde zu einer Zeit, als auch bei ihnen die Gefahr des Abfalls zum Götzendienſt groß war, Abraham und ſein Haus zum Träger der gött⸗ lichen Offenbarung berufen. Ihm wurde die Verheißung zu Theil, daß der Erlöſer für alle Völker einſt aus ſeinem Samen kommen ſollte(1 Moſ. 18, 18. 22, 18). Seinen Nachkommen wurde ſpäter unter Moſis Führung das göttliche Geſetz auf Sinai ertheilt(2 Moſ. 19 ff.), welches durch ſeine religiös⸗ſittlichen, cärimoniellen und bürgerlich⸗rechtlichen Vorſchriften(Sittengeſetz oder 10 Gebote, Cärimonial⸗ und Polizei⸗Geſetz) einestheils die Israeliten vom Verkehr mit den Heiden abhalten, andererſeits aber ihnen das Gewiſſen ſchärfen, das Gefühl der Schuld und Erloͤſungs⸗ bedürftigkeit in ihnen erhalten, ſie zu einem gottesfürchtigen Wandel anleiten und ihnen Vorbilder der künftigen Erlöſung darbieten ſollte. Seitdem blieb der Herr mit dem auserwählten Volkentheils durch Sein geſchriebenes Wort, theils durch den prieſterlichen Gottesdienſt in der Stiftshütte und im Tempel, theils durch den Mund der Propheten oder gotterleuchteten Seher, theils durch Er⸗ weiſungen des Gerichts und der Gnade im öffentlichen Leben, beſtandig in einer lebendigen und oft eingreifenden inneren Berührung. Insbeſondere gab Er dem Volk von Zeit zu Zeit immer beſtimmtere und tröſtlichere Verheißungen über den künftigen Erlöſer und deſſen Werk, um ſie auf das Kommen deſſelben vorzubereiten(Ebr. 1, 12)..

3) Durch ſeine heidniſchen Umgebungen ließ ſich das Volk zwar öfters zum Götzendienſt verleiten, aber dennoch gab es zu jeder Zeit eine Anzahl frommer und hochherziger Menſchen in ſeiner Mitte, welche das Geſetz zu halten ſuchten und den Verheißungen Gottes von Herzen glaubten, wenn ſie auch Haß und Verfolgung darüber erdulden mußten(Ebr. 11, 1- 40).

4) Seit der Rückkehr aus dem babylöniſchen Exil hörte ſogar der Götzendienſt völlig bei den Israeliten auf, weil nunmehr das ganze Volk einen bleibenden Eindruck von Gottes heiliger Strafgerechtigkeit empfangen hatte und ſich vor Widerholung ſeines Abfalls hütete. Indeſſen nahm die Gottesfurcht der Juden ſeit dieſer Zeit einen ängſtlichen und ſklaviſchen Charakter an, in Folge deſſen ſie mehr und mehr zu einer äußerlichen, oft fanatiſchen Beobachtung des Cärimonial⸗ Geſetzes herabſank und das Verſtandniß für den wahren Sinn von Gottes Verheißungen verlor.

5) Beſonders die Parthei der Phariſäer, d. 9 der ſich Auszeichnenden, Abſondernden, war an dieſer Entartung ſchuld. Weil ſie überſahen, daß Gott ſchon im Alten Bund vor allen Dingen ein bußfertiges und gläubiges Herz fordert, nicht aber eine bloß äußerliche Geſetzeserfüllung, ließen ſie ſich zu der Meinung verleiten, um Gott völlig genug zu thun ſei es nicht hinreichend, das Geſetz mit ſeinen Vorſchriften über Beſchneidung, Sabbathe, Neumonde, Feſte, Gebete, Reinigungen, Faſten, Gelübde, Opfer, Zehnten u. dgl. zu halten, ſondern man müſſe daſſelbe noch durch eine ganze Menge

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