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1 (1899)
Entstehung
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A. Die Kasuslehre.

I. Der Objekts-Akkusativ und der Prädikats-Akkusativ.

1. Der Objektsakkusativ. Entweder erstreckt sich die Thätigkeit des Subjektes auf das Objekt z. B.Wir lieben den gerechten Mann, die Thätigkeitlieben des Sub- jekteswir erstreckt sich auf das ObjektMann oder das Subjekt erzeugt vermittelst der Thätigkeit das Objekt. Gott hat die Welt erschaffen. Das SubjektGott hat vermittelst der Thätigkeiterschaffen das ObjektWelt hervorgebracht. Beide Gruppen von Verben führen zusammen den Namen Verba transitiva. Das Objekt haben im Akkusativ bei sich a) eine grosse Anzahl einfacher Verba transitiva z. B. fürchten, machen, treiben etc. b) Die mit den Vorsilben be, er, ent, ver und zer gebildeten zusammengesetzten Transitiva z. B. befürchten, vermachen, betreiben. Es ist ein Kennzeichen der Verba transitiva, dass bei passivischen Konstruktionen das Akkusativobjekt Subjekt wird: Themistokles überlistete den Xerxes. Xerxes wurde von Themistokles überlistet. Nicht immer haben die Verba transitiva Objekte bei sich; man sagt dann: sie sind absolut gebraucht: z. B. der Edle gibt gern. c) Die Verba reflexiva; das Objekt bildet dann das betreffende Reflexivpronomen. Themistokles freute sich, die Perser zur Schlacht bestimmt zu haben. d) Die Verba impersonalia des körperlichen und geistigen Empfindens. Es reute den Prusius sein Versprechen. Bei derartigen Verben gibt der Akkusativ die Person an, welche die Empfindung hat. e) Einen doppelten Objekts- akkusativ nimmt das Verbumlehren zu sich, z. B. Dionysius aus Theben lehrte den Epaminondes das Zitherspiel.

2. Der Prädikatsakkusativ. Es gibt eine Reihe von Verben, bei denen das gewöhn- liche Akkusativobjekt als nähere Bestimmung nicht genügt. z. B. mit dem Satz:Wir nennen den Dichter ist niemand zufrieden, sondern jedermann fragt: Wie oder richtiger Wen oder was nennen wir den Dichter? Antwort: einen Liebling der Musen. Verwandeln wir diesen Satz ins Passiv, so lautet er:Der Dichter wird von uns genannt; auch hier fragen wir: wie? oder: wer oder was? ein Liebling der Musen. Einzelne Verba müssen, wenn sie als Prädikate befriedigenden Sinn geben sollen, abgesehen von dem Objekte, noch nähere Bestimmungen im Akkusativ(auch mit Präpositionen, wie unten gezeigt wird) bei sich haben. In dem ange- führten Satze heisst das Prädikat:einen Liebling nennen; es setzt sich aus dem Prädikats- verbum und der enge zu diesem gehörigen näheren Bestimmung zusammen, die daher Praedi- kativum oder bei einem aktiven Verbum Prädikatsakkusativ, bei einem passiven Prädikats- nominativ heisst. Einen Prädikatsakkusativ verlangen folgende Verba: nennen, heissen, schelten und schimpfen. Bei manchen Verben, bei denen ebenfalls der Objektsakkusativ nicht genügt, steht vor dem Prädikatsakkusativ die Partikelals, so bei den Verben: ehren, ansehen, betrachten, darstellen, beschreiben, schildern, bezeichnen, kennen, auslegen; z. B. Corn. Nepos schildert den Epominondas als einen durchaus ehrlichen Mann. Auch im Passiv bleibt dies als stehen. Bei einer Reihe der angeführten Verba kann der Prädikatsakkusativ durch ein unflektiertes Adjektiv sowohl mit, als auch ohneals vertreten werden. Epaminondes fand den Tod in der Schlacht begehrenswert(erachtete ihn als begehrenswert). Vor den Prädikats- akkusativ tritt bei den Verben: halten, achten, erklären, machen, wählen, ernennen die Prä- positionfür bezw.zu; deswegen ist in dem Satz:Themistokles wurde zum Archon gewühlt;zum Archon aber doch Praedikativum.

II. Das Genetivobjekt und der attributive Genetiv.

Der Genetiv kann 1) von einem Substantiv abhängig sein und dieses näher bestimmen; ebenso wie das Adjektiv, das ein Substantiv näher bestimmt, attributiv heisst, wird auch ein