Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
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Beilage zum Programm des Grossherzoglichen Gymnasiums in Bensheim. Ostern 1899.

Über die Verbindung des deutschen und lateinischen grammatischen Unterrichts auf der Unter- und Mittelstufe des Gymnasiums.

I. Teil ¹).

Von Dr. Heinrich Schrohe.

Die hessischen wie die preussischen Lehrpläne für die höheren Schulen schreiben für die drei untersten Klassen des Gymnasiums Unterricht in der deutschen Grammatik vor. Was die dabei zu befolgende Methode angeht, so bestimmen die letzteren, dass sich die Unter- weisung auf das Notwendigste zu beschränken und immer an bestimmte Beispiele anzulehnen hat; sie verbieten es, die Grammatik der deutschen Sprache wie die einer Fremdsprache zu behandeln. Bei diesen Vorschriften bleibt gewiss dem Lehrer der deutschen Grammatik noch viel Bewegungsfreiheit im Unterricht.

Nachdem ich nun im vorjährigen Programm der hiesigen Anstalt die deutsche Tempus- und Moduslehre sowie die eingehende Lehre von den Nebensätzen in Zusammenhang mit dem lateinischen Unterricht gebracht habe, will ich in der vorliegenden Abhandlung das Gleiche für die Wortlehre, die Lehre vom einfachen und zusammengesetzten Satz und die Kasuslehre versuchen ²).

Dabei wird die Wortlehre und die Lehre vom einfachen nackten Satz der VI zu- gewiesen.

Den grammatischen Lehrstoff der V bildet die Deklination der Eigennamen und Fremd- wörter sowie der Adjektiva, ferner der einfache erweiterte Satz und das Notwendigste vom zusammengesetzten Satze.

Der IV fällt die Kasuslehre und der zusammengesetzte Satz als Lehrgegenstand zu.

Mit dieser Stoffverteilung befinde ich mich im Einklang mit den preussischen Lehrplänen.

Es ist wohl allgemein üblich, dass den Ausgangspunkt für die Erklärung der latei- nischen sprachlichen Erscheinung, wie sie die Lektüre bietet, stets das Deutsche bildet. Von der deutschen Spracherscheinung wird zur lateinischen übergegangen. Nachdem diese hin- länglich verstanden ist, werden im Lateinischen die Erscheinungen, die der einzeln vorgeführten verwandt sind, zur Anschauung gebracht, bis schliesslich die ganze Gruppe zusammengehöriger

¹) Der II. Teil bildete die Beilage zu dem vorjährigen Programm. ²) Nicht berücksichtigt habe ich hierbei die in den preuss. Lehrpl. vorgeschriebene Wortbildungslehre; sie findet sich in den meisten Grammatiken eingehend behandelt, so in Lyon, Handbuch der deutschen Sprache I.

Programm Nr. 670. 1