Nun bilden wir— auch wenn die entsprechende grammatische Erscheinung im Lateinischen erst, später folgt— folgenden Satz:„der Löwe brüllt“ oder„die Krone glänzt“ u. s. w. Wie heisst hier das Prädikat? Es lautet: brüllt. Wie fragen wir nach dem Prädikat? Nicht mit: Was ist der Löwe? auch nicht mit: Wie ist der Löwe? sondern mit der Frage: Was thut der Löwe? Was ist also brüllen? ein Thätigkeitswort. Das Prädikat ist hier ein Thätigkeits- oder Zeitwort(ein Verbum). Das Ergebnis ist von dem Satzgegenstand kann man dreierlei aussagen: 1) was er ist, d. h. zu welcher Gattung er gehört; 2) wie er ist, d. h. welche Eigenschaft er besitzt; 3) was er thut, d. h. welche Thätigkeit er übt(später auch: welche Thätigkeit er erleidet). Das Prädikat besteht im ersten Falle aus einem Substantiv mit der Kopula. Das Substantiv(Prädikatsnomen) richtet sich im Numerus und wenn möglich im Genus nach dem Subjekt. Die Geschichte ist eine Lehrerin der Menschheit. Die Schmerzen sind Freunde des Menschen; im zweiten Falle aus einem Adjektiv mit der Kopula. Das deutsche prädikative Adjektiv richtet sich nicht nach dem Subjekt, es ist unveränderlich; im dritten Falle aus einem Verbum. Das Verbum richtet sich in der Person und im Numerus nach seinem Subjekt. Das Subjekt ist in allen angeführten Beispielen ein Substantiv; an einzelnen Beispielen mag, wenn die Pronomina bereits geübt sind, gezeigt werden, dass das Subst. auch durch ein substantivisches Pronomen vertreten werden kann. Einen Satz, der nur aus Subjekt und Prädikat besteht, heisst einfacher nackter Satz.
Die Satzarten.
Auch sie sind in elementarster Form bereits in VI zu bringen; dazu veranlassen die Wunsch-, Befehls- und Fragesätze, die zur Einübung des lateinischen Konjunktivs und Im- perativs, beziehungsweise der Frage-pronomina und-adverbia unerlässlich sind. In jedem Satze wird von dem Subj. etwas ausgesagt, nämlich, dass es, wie oben ausgeführt wurde, zu einer Gattung gehört, eine Eigenschaft besitzt, etwas thut(oder leidet) oder auch, dass es nicht zu einer Gattung gehört oder nicht eine genannte Eigenschaft besitzt u. s. w. Demgemäss unter- scheidet man bejahende und verneinende, oder affirmative und negative Sätze. Die Aussage selbst kann behauptend, fragend, befehlend und wünschend ausgedrückt werden. Deshalb unterscheidet man vier Arten von Sätzen: 1) Behauptungs- oder Urteilssätze: Hannibal hat den Eid geleistet— so behauptet derjenige, der den Satz bildet, ich etwa oder ein Schriftsteller.
2. Fragesätze: Hat Hannibal den Eid geleistet? Ich, der ich den Satz bilde, kleide die Aussage inbetreff des Subjektes Hannibal in die Form einer Frage.
3. Seid fleissig, ihr Knaben! Ich, der ich den Satz bilde, kleide meine Aussage in- betreff des Subjektes des Satzes in die Form eines Befehles.
4. Lang lebe der Kaiser! Ich, der ich den Satz bilde, kleide die Aussage inbetreff des Subjektes des Satzes in die Form eines Wunsches.
Interpunktionsregeln.
1. Der Punkt. Am Ende eines einfachen, sowie am Schlusse eines durch Nebensätze er- weiterten Urteilssatzes steht ein Punkt. Themistokles schickte den treusten Sklaven, den er hatte.
2. Das Fragezeichen. Es steht am Ende einer direkten Frage, auch wenn sie nur einen Teil eines grösseren Satzgefüges(etwa das Subjekt oder Objekt) bildet.„Wollt ihr die Brücke nicht abbrechen?“ fragte Miltiades. Die Frage bildet hier das Obj. des Prädikates„fragte“.
3. Das Ausrufezeichen. Es steht nach einem Begehrungssatz(Wunsch, Aufforderung, Gebot), auch wenn der Aufforderungssatz nur einen Teil eines grösseren Satzgefüges bildet. „Eile zu Xerxes!“ befahl Themistokles dem Sklaven. Die Aufforderung bildet das Objekt des Prädikates„befahl“.


