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1 (1899)
Entstehung
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c) Die Konjugation selbst. α) Die Zeit(das Tempus). In jedem Satze, den wir bilden, drücken wir aus, in welchem zeitlichen Verhältnis die darin angegebene Thätigkeit zu uns steht. Das Verhältnis kann ein dreifaches sein: entweder ist die Thätigkeit unserer Aussage gleichzeitig(Praesens), oder sie ist im Vergleich zu unserer Aussage bereits vollendet(Perfekt) oder sie ist im Vergleich zu unserer Aussage noch nicht eingetreten, wird also erst eintreten (Futur). Einer vergangenen Handlung kann eine andere gleichzeitig sein(Imperfekt); z. B. während ich schrieb, las er, oder der vergangenen Handlung gegenüber ist eine andere vollendet (Plusquamperfekt): er kam, als ich den Brief vollendet hatte. Mit einer zukünftigen Handlung kann eine andere gleichzeitig sein; z. B.: ich werde mich freuen, wenn du kommen wirst(Futur; die geläufigere Form: wenn du kommst, muss hier natürlich beiseite bleiben); oder einer zu- künftigen Handlung gegenüber wird eine andere früher vollendet sein. z. B. es wird mich freuen, wenn du dies Ziel erreicht haben wirst(Futurum exactum).

6) Die Aussageweise(der Modus). Im Indikativ wird etwas mit Bestimmtheit aus- gesagt: Der Vater kommt. Der Konjunktiv dient dazu, um einen Wunsch oder eine bestimmte Art des Befehls auszudrücken ¹): Komme er doch bald(Wunsch oder Befehl)! Im Imperativ werden Befehle an die zweite Person der Einzahl und Mehrzahl gegeben. Gehorche! Gehorchet!

y) Der Infinitiv(Nennform, unbestimmte Redeweise d. h. ohne Person) des Praesens und Perfekts bezeichnet die Thätigkeit schlechthin: reden, geschrieben haben.

) Das Particip bezeichnet die zur Eigenschaft werdende oder gewordene Thätigkeit: die glänzende Krone(Particip Praes.), das verlassene Weib(Particip II).

§) Die Gattung(das Genus) des Verbums. Das Activum(die thätige Form) bezeichnet, dass das Subj. des Satzes etwas thut; das Passivum(die leidende Form) drückt aus, dass das Subj. des Satzes etwas erleidet..

d) Die Bildung der einzelnen Tempora des Verbums. 1. Die Formen, von denen im Deutschen die Tempora gebildet werden, sind Praesens, Imperfekt und Particip II. Eine Reihe von Verben nimmt im Imperfekt das Tempuszeichen? an und endet im II. Particip auf t loben, lobte, gelobt. Bei anderen Verben wird im Imperfekt nicht das Tempuszeichen? angefügt, sondern der Vokal geändert, tragen, ich trug. Wie man bei der Deklination die- jenigen Subst., die ihren Vokal nicht verändern, als schwach dekliniert bezeichnet, so nennt man die Zeitwörter, die im Imperfekt den Vokal nicht verändern, sondern das Tempuszeichen! annehmen, schwach konjugiert. Diejenigen Verba dagegen, welche im Imperfekt den Vokal ändern und kein Tempuszeichen annehmen, nennt man stark konjugiert. Die Verba der starken Konjugation zerfallen in zwei Gruppen a) in Verba, die nur im Imperfekt ihren Vokal ändern, bei denen aber mit Praesens und II. Particip der Vokal gleich ist; sie heissen reduplicierende Verba z. B. tragen, trug, getragen, fressen, frass, gefressen; b) in Verba, welche im Praesens, Imperfekt und II. Particip verschiedenen Vokal aufweisen; sie heissen ablautende Verba z. B. singen, sang, gesungen; schelten, schalt, gescholten.

2. Die Bildung der einzelnen Formen des Indikativs Praesentis und Imperfecti im Activ erfolgt durch Vorsetzung der persönlichen Pronomina und Anfügung bestimmter Endungen an den Praesens-, bezw. Imperfektstamm. Singular: 1. Person: e oder nichts: ich lobe, bringe, lobte, brachte, aber nichts bei den ablautenden Verben z. B. ich sang. 2. Person: st oder est: du lobst, antwortest, lobtest, antwortest. 3. Person a) Praesens: t oder et: er lobt, antwortet, bringt; b) Imperfekt: e oder nichts: er antwortet-e, lobt-e, aber er sang(ablautendes

¹) Ein weiteres Eingehen auf den Unterschied zwischen Indikativ und Konjunktiv ist in Sexta verfrüht. Der lateinische Konj. wird an irrealen Bedingungssätzen, die übereinstimmend mit dem Deutschen im Konj. stehen an Wunsch- und Befehlsätzen, sowie an Sätzen mit nt, das mechanisch mit dem Konj. verbunden wird, geübt.