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nahe bei Hamburg, als Lehrer angeſtellt. In Eppendorf fand er einen taub⸗ ſtummen Knaben. Er nahm denſelben in ſeinen Unterricht, bei dem er die Laut⸗ ſprache als Hauptunterrichtsmittel in Anwendung brachte, und wurde durch einen günſtigen Erfolg für ſeine eifrigen Bemühungen belohnt. In Folge deſſen bekam er aus allen Gegenden Taubſtummen zur Unterweiſung zugeführt, wodurch ſein Ruf in kurzer Zeit ſich ſo ſehr verbreitete, daß der Kurfürſt von Sachſen, Frie⸗ drich Auguſt III., 1777, ſich bewogen fand, ihn in ſein Vaterland zu berufen. Da es Heinicke freigeſtellt war, ſich in Sachſen einen Ort zu wählen, ſo zog er am 13. Auguſt 1778 mit 9 Zöglingen in Leipzig ein, und gründete daſelbſt die erſte öffentliche Taubſtummen⸗Anſtalt in Deutſchland. Nach dem Tode Heini⸗ cke's, der am 30. April 1790 erfolgte, führte ſeine hinterlaſſene Wittwe die Di⸗ rection des Inſtituts fort.—
Sowie Abbé de l'Epée und Heinicke die Stifter der erſten Taubſtummen⸗ Anſtalten ſind, ſo ſind ſie auch die Gründer zweier ganz verſchiedener Methoden beim Taubſtummen⸗Unterrichte. Abbé de l'Epée gebrauchte das von Spanien überlieferte Handalphabet, bildete ſich eine künſtliche Zeichenſprache, ſo daß er faſt jedes Wort durch ein Zeichen darzuſtellen ſuchte, und bemühte ſich durch dies Un⸗ terrichtsmittel neben der Schriftſprache die Taubſtummen zu unterrichten. Die Geberdenſprache wurde von ihm als die Mutterſprache der Taubſtummen betrach⸗ tet und die Lautſprache ganz außer Auge gelaſſen. Alle Anſtalten, die ſeiner Me⸗ thode folgten, werden zur franzöſiſchen Schule gerechnet. Zu ihr gehören faſt alle Anſtalten in Frankreich, Spanien, Portugall, Oeſtreich, Rußland, Polen, Holland, Belgien, ſo wie viele in England und Amerika.
Heinicke verwarf dagegen die künſtliche Zeichenſprache und betrachtete mit Recht als Hauptunterrichtsmittel die Lautſprache, wodurch der Taubſtumme der menſchlichen Geſellſchaft am nächſten zugeführt wird. Er erkannte die Erzie⸗ hung und Bildung deſſelben erſt alsdann für vollendet, wenn der Taubſtumme nicht nur im Stande war, die Rede am Munde Anderer zu leſen und zu ver⸗ ſtehen, ſondern ſich auch ſelbſt mündlich verſtändlich machen konnte. Schon vor Heinicke unterrichteten, mehr oder weniger, nach dieſer Methode: Pedro de Ponce, Pereira, Amman, Raphel, Wallis und Holder. Heinicke ſuchte ſie


