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wo die gefährlichen Kämpfe mit Polen und Ungarn drohten. Da galt es durchgreifen! Als Beschützer eines Achters, d. h. als Hochverräter gebrandmarkt, mit dem doppelten Fluch der Reichsacht und des Kirchenbannes beladen verlälst Ernst Ingelheim. Auch Gisela hatte dies Schicksal von ihm nicht abzuwenden vermocht. Da sein Starrsinn und seine Verblendung ihr nur die Wahl liels zwischen dem Gatten und dem Sohn, so mufste sie sich für ersteren entscheiden; aber sie vermochte noch durchzusetzen, dals wenigstens Schwaben dem Hause ihres zweiten Gemahls blieb und Ernsts unmündigem Bruder Hermann zugesprochen wurde, für den einstweilen Bischof Warmann von Constanz die Verwaltung führen sollte. Ernsts Plan, wiederum eine Konlition gegen Konrad zu stand zu bringen, wie sie 1027 bestanden hatte, scheiterte. Der alte Welf war kurz vor dem Tag zu ngelheim gestorben; des Kaisers Vetter Konrad der jüngere verharrte seit seiner Unterwerfung i. J. 1027 in Treue; die Lothringer hatten sich schon 1025 mit dem Kaiser endgültig ausgesöhnt. Da blieb denn Niemand übrig als Graf Odo von Champagne, mit dem Ernst das gemeinsame Interesse an der burgundischen Erb- schaft gegen Konrad verband. Allein Odo wollte nichts mit dem land- und heimatlosen Flüchtling zu thun haben. So blieb dem milsleiteten Jüngling nichts übrig als einen ehren- vollen Untergang zu suchen. Er kehrte in sein Herzogtum zurück; allein Konrad und Bischof Warmann hatten dafür gesorgt, dals er mit seinen wenigen Genossen nicht allzuviel Unheil stiften konnte. Auf einer Burg Falkenstein, wahrscheinlich im Schiltachthale unweit Schramberg gelegen, fanden die Freunde eine letzte Zufluchtstätte; von hier aus suchten sie die Umgebung mit Raub und Plünderung heim. Auch hier von den Mannen des Kaisers um- stellt und schlielslich der Pferde für sich und seine Schaar beraubt, wurde Ernst zum Todes- kampf gezwungen. Es gelang ihm aus dem Schwarzwald hervorzubrechen; in der weiten Ebene östlich des Gebirgs, die Baar genannt, traf er auf eine Schaar schwäbischer Krieger, die Warmann unter dem Befehl des Nellenburger Grafen Mangold zum Schutz dieser Gegend entsandt hatte. Nach heifsem Kampfe fiel Ernst, der den Tod suchte, von vielen Wunden be- deckt, ebenso Graf Mangold; nach der sonst weiter nicht beglaubigten Nachricht der annal. Sangal. 1030 töteten sich beide im letzten Kampfe gegenseitig. Auch Graf Werner befand sich unter den Gefallenen, ebenso werden noch unter den Opfern dieses Tags namhaft gemacht zwei schwäbische Edle, Adalbert und Werin. Die Leiche Mangolds wurde nach Reichenau gebracht; Ernst wurde in der Marienkirche zu Konstan⸗z beigesetzt, nachdem Warmann ihn vom Bann gelöst hatte. Eine Tragödie bildet, wie Brefslau meint, die Geschichte Ernsts Il. auch in den Augen des Historikers. Der Kaiser hat nach Wipo, als er Kunde erhielt von Ernsts Tod, das harte Wort gesprochen: raro canes rabidi foeturam multipli- cabunt. Man darf nicht vergessen. dafs das nur ein Sprichwort war; aber getreu spiegelte es die Gedanken wieder, die des Kaisers Seele erfüllten: ihm galt es nur, die Fruchtlosig- keit des Lebens zu bezeichnen, das am 17. August 1030 zu Ende gegangen war.
Uhland ist aber nicht nur in der Darstellung der äulseren Schicksale Ernsts in der Hauptsache seiner Quelle, dem Berichte des Wipo, gefolgt. Wenn Wipo als Grund für Konrads Forderung an Ernst zu Ingelheim die Thatsache anführt: multis factionibus(Wezelo) regnum turbaverat; wenn er dann dem Bericht von jenem letzten Kampfe im Schwarz- walde die Worte einfügt: cecidit ibi Wezelo, miles ducis, cuius causa haec omnia acciderant, so bezeichnet er damit auch deutlich genug die Keime des Konflikts, die Uhland dann in unserer Tragödie weiter entwickelt hat, nämlich des Kaisers Uberzeugung von Werners Gefährlichkeit und Ernsts treues Festhalten gerade an diesem Freunde. Also auch


