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1. Theil (1868)
Entstehung
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ſchied von Haupt⸗ und Zeitwörtern ⁵⁸) behandelt, und für wie ſchwierig man dies angeſehen hat, geht daraus hervor, daß dort Theätet, welcher doch von Platon als ein ſehr begabter und verſtändiger Jüng⸗ ling dargeſtellt wird, dem Fremden von Elea, der ihm auseinanderſetzt, daß weder aus bloßen nach ein⸗ ander ausgeſprochenen Hauptwörtern noch aus ebenſo angeführten Zeitwörtern eine Rede entſtehen könne, antworten muß, daß er das nicht verſtanden habe, worauf ihm deutlich gemacht wird, daßgeht läuft ſchläft ebenſo wenig ein Satz ſei, wieHirſch Löwe Pferd. Daß die ganze Sprachwiſſenſchaft damals in ihren erſten ſchwachen Anfängen ſich befand, ergibt ſich ſowohl aus den vielen ſcherzhaften Etymologien im Cratylus, als auch aus den Späſſen des Ariſtophanes 6⁰), welcher über die neue Art der Grammatik, beſonders des Protagoras, mit ähnlichen Witzen ſich luſtig macht, wie ſolche in neuerer Zeit, als die Sprachvergleichung aufkam, gegen dieſe losgelaſſen wurden.

Es bleibt noch übrig, über den Unterricht in Muſik und Gymnaſtik zu ſprechen. Ob beide entweder gleichzeitig nebeneinander und zugleich mit dem Schulunterrichte, oder nacheinander geübt wurden, und in welchem Lebensjahre die Knaben damit zu beginnen pflegten, läßt ſich nicht mit Sicherheit ermitteln; überhaupt darf an eine Art von geſetzlicher Nöthigung, in einem gewiſſen Lebensalter dieſen oder jenen Gegenſtand ausſchließlich zu betreiben, nicht gedacht werden 61). In der oben mitgetheilten Stelle aus Protagoras iſt auch der Muſikunterricht erwähnt worden; hier ſei noch angeführt, daß man bei dem Muſiklehrer, dem Kithariſten ⁶²), beſonders das Spielen auf Saiteninſtrumenten, wie Lyra und Kithara, erlernte 64). Platon will von muſikaliſchen Inſtrumenten nur Lyra 64) und Kithara in der Stadt, auf dem Lande dagegen bei den Hirten die Hirtenpfeife angewendet wiſſen und verwirft die vielbeſaiteten Toninſtrumente und die Flöte 6⁵). An einer anderen Stelle verlangt er, daß der Lehrer ſowohl als der Schüler ſich der Lyra bedienen, ſich aber bei dem Unterrichte aller Künſteleien enthalten ſollen 66). Er erklärt ſich ebenſo gegen bloße Inſtrumentalmuſik ohne untergelegte Worte, wie gegen Lieder, die nur für Leſen oder Sprechen beſtimmt ſind. Neuerungen ſollen in der Muſik nicht vorgenommen, ſondern die altüberlieferten Weiſen möglichſt unverändert beibehalten werden; denn mit den Tonweiſen rüttelt man jedesmal zugleich an den wichtigſten Staatsgeſetzen 67). Was die Gymnaſtik betrifft, ſo verlangt Platon, daß der Unterricht in derſelben auf die Muſik folge ⁶s), während nach einer anderen Stelle 65) die Knaben

56) Sophist. 261, e 262, e. 6⁰) Aristoph. Nubb. 659 segqq. AI 1 ³¹) Becker(Charikles II, S. 37) meint, der Muſikunterricht habe mit dem 13. Jahre begonnen; die von ihm citirte

Stelle Leg. VII, 809 beweiſt aber nur, daß Platon es für gut hielt, in dieſem Jahre mit dem Lyraſpiel zu beginnen und drei Jahre dabei zu verharren. 4 4

⁴²) Die Vermuthung Cramerss(a. a. O., 1. Bd., S. 254), daß die Lehrer der Muſik zugleich auch Lehrer der Wiſſenſchaften geweſen ſeien, iſt unhaltbar.

³3) Euthydem. 272, e erzählt Sokrates, daß er, obgleich bejahrt, bei dem Kithariſten Konnos Muſtkunterricht nehme; deshalb werde er von ſeinen jungen Schulkameraden verlacht, Konnos aber pepovrodidozalog genannt.

*4) Platon erwähnt am häufigſten die Lyra, wie Lys. 209, b; Alcib. I, 107, a; Phaedo, 73, d; Leg. VlI, 809, c.

65) Rep. III, 399, d. Die Flöte wollte nach Alcib. I, 106, e Alkibiades nicht lernen.

*6) Leg. VII, 812, d.

².) Rep. IV, 424, c.

8s) Ibid. III, 403, c.

6) Leg. VI, 794, c.