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1. Theil (1868)
Entstehung
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zu können. In ähnlicher Weiſe ſagt Cäſar ²⁴), es pflege den Meiſten zu widerfahren, ut. Prassidio lit- terarum diligentiam in perdiscendo ac memoriam remittant ²).

Daß außer Leſen und Schreiben noch das Rechnen bei dem Elementarlehrer gelernt worden ſei, bezweifelt Hermann ²⁸), da man es nicht als zur eigentlichen Bildung gehörig betrachtet habe und auch der Sklave es bis zu einem gewiſſen Grade habe können müſſen. Platon verlangt ²⁷), daß das Rechnen zugleich mit Leſen und Schreiben gelernt werde und gibt zugleich Anleitung, in welcher Weiſe den Kindern ſpielend die Zahlenverhältniſſe veranſchaulicht werden ſollen, wie dies in Aegypten ſchon längſt geübt werde. Daraus daß er die ägyptiſche Methode zur Nachahmung empfiehlt, läßt ſich vielleicht ſchließen, daß es zu ſeiner Zeit mit dem Rechenunterricht in Athen nicht gut beſtellt geweſen ſei. Doch ſetzte man bei Jedem, der nicht für ungebildet gelten wollte, voraus, daß er einige Kenntniß des Rechnens ſich erworben habe, und dieſe konnte er nur in der Schule erlangen, in welcher unzweifelhaft Mathematik getrieben wurde ²). In welcher Weiſe Platon den geometriſchen Unterricht ertheilt haben will, und wie vielleicht manche Lehrer dieſen Gegenſtand behandeln mochten, darüber gibt eine Stelle im Meno Aufſchluß ²³). Dort wird nämlich die Präexiſtenz der Seele beſprochen, von deren Leben vor der Geburt Platon nicht weniger überzeugt war, als von ihrer Fortdauer nach dem Tode. Sokrates ſtellt die Behauptung auf, daß das Lernen nur Erinnerung des früher ſchon Gewußten ſei und will dies dadurch nachweiſen, daß er an einen ganz ununterrichteten Sklaven einige die Geometrie betreffende Fragen richtet, welche dieſer auch, ohne je etwas von dieſem Gegenſtande gehört zu haben, richtig beantwortet; hieraus wird der Schluß gezogen, daß gewiſſe in der Seele des Menſchen vorhandene unentwickelte Anſchauungen und Begriffe in einem früheren Wiſſen ihre Erklärung finden. Die geſtellte Aufgabe iſt die, ein Quadrat zu finden, das doppelt ſo groß als ein gegebenes iſt. Die Löſung, daß die Diagonale jedes Quadrats die Seite eines doppelt ſo großen ſei, wird von Sokrates in folgender Weiſe aus dem Sklaven erfragt:

5 5 Sokr.: Sage mir: Haben wir hier nicht unſere 4 Fuß umfaſſende M Figur?(a 5 d c). AiA.] A Skl.: Ich begreife. 72 N Sokr.: Dieſer konnten wir dieſe andere, ihr gleiche 63 e f d), an⸗ e A X/ fügen? 7 Skl.: Ja. X Sokr.: Und dieſe dritte, den beiden anderen gleiche(d og a)? N Skl.: Ja. 9 Sokr.: Könnten wir nicht dazu auch noch dieſe im Winkel ausfüllen 7 k n un ing T 145 4 3

Skl.: Allerdings. Sokr.: So entſtänden uns hier wohl vier gleiche Flächen?

2) Bell. Gall. VI, 14.

²⁵) Als Gedächtnißkünſtler rühmt ſich Hippias, wenn er 50 Namen nur einmal gehört habe, ſei er im Stande, ſie wieder aufzuzählen. Hipp. mai. 285, e.

²⁶) Becker, Charikles, II, S. 21.

27) Leg. VII, 819, a, b.

²8) Erast. 132. In dem Anfang dieſer zwar nicht von Platon ſelbſt verfaßten aber doch aus ſeiner Zeit herrührenden Schrift werden wir in die Schule des Dionyſios, der Platons Lehrer geweſen ſein ſoll, eingeführt. Zwei Knaben ſtreiten dort eifrigſt über mathematiſche und aſtronomiſche Gegenſtände.

29) Meno, 84, d 85, b.