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1. Theil (1868)
Entstehung
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weſen gut zu verwalten und dem Manne gehorſam zu ſein 4⁰), worauf Sokrates fragt, ob der Mann vorzugsweiſe zur Verwaltung des Staates, das Weib aber zu der des Hausweſens berufen ſei 44). Ob⸗ wohl es möglich iſt, daß gewiſſe Kenntniſſe durch Tradition bei den Frauen ſich forterbten, ſo war ihre Bildung doch eine ſehr dürftige, und hierzu kam noch, daß ſie der Sitte gemäß ſtets in häuslicher Zu⸗ rückgezogenheit leben mußten, wodurch ihnen die Möglichkeit, durch das öffentliche Leben ſich weiter zu bilden, abgeſchnitten wurde. Daher hatte ſelbſt ihre Sprache etwas Alterthümliches und Altfränkiſches ⁴²). Nur die ſpartaniſchen Frauen ſtanden an Bildung ihren Männern näher und übten deshalb einen größeren Einfluß auf dieſelben aus, ein Verhältniß, welches von den übrigen Griechen als Weiberherrſchaft bezeichnet wurde. Platon ſteht zu den Anſichten ſeiner Zeit in dem ſchärfſten Gegenſatz; denn er will in ſeinem Staate die Weiber zu denſelben Geſchäften gebrauchen wie die Männer, ſie ſollen dieſelben Staatsämter bekleiden 43), und deshalb muß ihnen auch derſelbe Unterricht in Muſik und Gymnaſtik zu Theil werden 4); ſelbſt im Reiten und in Führung der Waffen werden ſie geübt ⁴⁵5).Denn unter den für den Staat Beſchäftigten gibt es keine Beſchäftigung für das Weib als Weib, noch für den Mann als Mann, ſondern unter beiden Weſengattungen ſind die Naturanlagen in gleicher Weiſe vertheilt, und das Weib nimmt ſeiner Natur nach an allen Beſchäftigungen Theil und an allen der Mann, in allen iſt aber das Weib ſchwächer als der Mann 4⁴⁶). Auch an anderen Stellen erſcheint das männliche Geſchlecht als das vor⸗ züglichere, das weibliche als nachſtehend 4⁴*).

III.

Die Gegenſtände des Unterrichts werden von Platon gewöhnlich alsMuſik und Gymnaſtik bezeichnet. Erſtere umfaßt nicht nur die Muſik im engeren Sinne des Wortes, ſondern auch die Elemen⸗ tarfächer und beſonders die Kenntniß der Dichter, und iſt wohl am beſten durchMuſenkunſt oder geiſtige Ausbildung zu geben ¹). Platon ſagt beſtimmt, daß die Unterweiſung bei den Körpern in Leibesübungen, bei den Seelen in Muſenkunſt beſtehe ²). An anderen Stellen werden drei Disciplinen genannt, nämlich Elementarfächer, Muſik und Leibesübungen ³). Ariſtoteles fügte zu dieſen drei noch eine vierte, das Zeichnen oder Malen, welches, einer Andeutung nach zu ſchließen, vielleicht ſchon zur Zeit des Sokrates in Aufnahme zu kommen anfing ¹).

4⁰) Meno, 71, e. ¹1) Ibid. 73, a.

⁴¹) Cratyl. 418, c: rh dpo Taiav ανν ⁶ανασι³ of. Cic. de orat. III, 12: facilius enim mulieres in corruptam antiquitatem conservant, quod multorum sermonis expertes ea tenent semper, quae prima didicerunt.

46) Rep. V, 460, b.

¹4) Ibid. 451, e 452, a.

⁴⁵) Leg. VII, 794, c, d; 804, d.

4⁶) Rep. V, 455, d.

4⁷) Tim. 42, a; Symp. 181, c; Leg. VI, 781, a.

¹) Movoeuy kann auch oft alsWiſſenſchaft gefaßt werden; ſo Protag. 340, a; Cratyl. 406, a; Phaedon. 61, a; 1uou⁶ευαeς: Phaedr. 248, d; Rep. III, 402, d.

²) Rep. II, 376, e; cf. Criton. 50, e.

³) Alcib. I, 106, e: yoaμνμα ual ναρεεν ν σlaiety; cf. Theag. 122, e; Clitoph. 407.

) Protag. 418, b, c. Krauſe a. a. O., S. 88 behauptet, in den Schulen ſei der Unterricht im Zeichnen und der Geographie aufgenommen worden, und führt als Beleg Rep. III, 401, a, b an; dort iſt allerdings von poagezt die