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1. Theil (1868)
Entstehung
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derſelben, ſondern dieſelben Spiele ſollen immer in derſelben Weiſe getrieben werden, indem ſchon hier⸗ durch die Jugend an das Feſte, Beſtehende gewöhnt werde; erlaube man ihr aber immer zu ändern, ſo werde ſie neuerungsſüchtig und trage dann dieſen Sinn auch ſpäter ins öffentliche Leben und den Staat über und ſuche an den Geſetzen zu rütteln 24). Nothwendigerweiſe müſſen Knaben, die in ihren Spielen Aenderungen vornehmen, zu anderen Männern werden, als die Knaben früherer Zeit 2⁵). Er ſieht in den Spielen eine Vorbereitung auf die ernſte Thätigkeit des Lebens und behauptet:Wer als Mann zu irgend etwas Tüchtigem es bringen will, der muß ſogleich vom Knaben auf, in. Spiel und Ernſt, in jedem zu ſolchem Berufe Gehörigen ſich üben. So, wer ein tüchtiger Landwirth oder Baukünſtler werden will, deſſen Spiel muß bei dem Einen in Aufführung kindiſcher Bauwerke, bei dem Andern in landwirthſchaft⸗ lichen Beſchäftigungen beſtehen, und der Erzieher jedes der Beiden muß bei Jedem für kleine Hand⸗ werksgeräthe, Nachbildungen der wirklichen, ſorgen. So wie vornehmlich auch, daß derſelbe die Kenntniſſe, die einer zuvor ſich erworben haben muß, vorher ſpielend ſich erwerbe, wie der Baumeiſter das Meſſen und Richten, der zum Krieger Beſtimmte das Reiten, oder etwas Anderes der Art, und ſich bemühen, durch dieſe Spielübungen den Neigungen und Begierden der Knaben die Richtung zu geben, in der ſie, wenn ſie dazu gelangten, beharren müſſen. Für das hauptſächlich auf die Bildung Hinwirkende erklären wir aber eine richtige Erziehung, welche ſpielend die Seele vor Allem zur Liebe deſſen hinleitet, was erforderlich iſt, damit der zum Mann Herangereifte zur vollkommenen Meiſterſchaft in ſeinem Geſchäfte gelange ²6). Den Müttern und Wärterinnen wird von Platon vorgeworfen ²⁷), daß durch ihren Unver⸗ ſtand die Kinder hinſichtlich der Hände gewiſſermaßen erlahmten, indem ſie gewöhnt würden, ſich faſt ausſchließlich der rechten Hand zu bedienen, während doch die natürliche Beſchaffenheit der beiderſeitigen Glieder dieſelbe ſei und nur durch den nicht richtigen Gebrauch ihre Verſchiedenheit bewirkt werde.

Als Mittel zur Zucht werden zunächſt Ermahnungen angewendet, indem Viele, wenn ihre Söhne einen Fehltritt begehen, ſie theils ſchelten, theils in milderer Weiſe ihnen zureden 28). Platon legt auf das eigene Beiſpiel einen höheren Werth. Es zieme ſich nämlich, den Kindern nicht Gold, ſondern eine ſittliche Scheu zu hinterlaſſen. Die beſte Zucht hierzu beſtehe darin, daß nicht irgend einmal einer der Jüngeren die Aelteren etwas Schimpfliches thun oder ſagen höre oder ſehe, und daß man Jemanden ſein ganzes Leben hindurch das thun ſehe, was er etwa einen Anderen ermahnend ſagen dürfte ²*). Be⸗ ſonders wurde den Kindern Ehrfurcht vor den Eltern eingeprägt, und man glaubte, daß ſelbſt leichte und geflügelte Worte der Kinder gegen ihre Eltern von der Nemeſis der Dike zur ſchweren Beſtrafung zur Anzeige gebracht würden ³⁰). Schläge anzuweuden trug man kein Bedenken und war in dieſer Beziehung von mattherzigem Philanthropinismus weit entfernt. Dies ergibt ſich aus der ſchon angeführten Stelle des Protagoras und ebenſo ſagt Lyſis, daß wenn er an die ſeiner Mutter gehörigen Gegenſtände, wie Webſtuhl, gehe, um daran zu ſpielen, er wohl geſchlagen würde ³¹). Wie Schläge faſt als nothwendiges Hülfsmittel beim Unterrichte angeſehen wurden, zeigt die ſcherzhafte Aeußerung des Sokrates ³²), daß er

24) Leg. VII, 797, a e.

²⁶) Ibid. 798, c; cf. Rep. IV, 424, e 425, a. ²) Leg. I. 643, b d.

*) Ibid. VII, 794, e.

²³) Sophist. 229, c.

2²⁰) Leg. V, 729, b, c.

30) Ibid. IV, 717, d.

³¹) Lys. 208, e.

³²) Menex. 236, c. 7 2*