2
gearbeitet und durch die Erfahrung das Bewährte von dem Werthloſen geſondert wurde, ſondern auch nachweiſt, daß die bis jetzt gewonnenen Reſultate die Frucht einer fortgeſetzten gemeinſamen Thätigkeit Vieler ſind, an welcher jeder, der auf den Namen eines Lehrers Anſpruch macht, Theil nehmen und dadurch, daß er tüchtig das Seine thut, zur Klarſtellung des Zieles der Erziehung und hiermit zur Ver⸗ vollkommnung der Menſchheit beitragen ſoll. Demnach wird ſich ein Schulmann nicht darauf beſchränken von den Leiſtungen früherer Zeit blos Kenntniß zu nehmen und die Richtigkeit ſeiner eigenen Anſicht an den Erfahrungen der Vergangenheit zu prüfen, ſondern er wird ſich auch bemühen, dasjenige, was er als gut und noch anwendbar erkannt hat, wieder zur Geltung zu bringen. Mancher freilich wird bezweifeln, daß die Neuzeit aus den Lehren und Einrichtungen längſt verfloſſener Jahrhunderte, deren politiſches und religiöſes Leben von dem jetzigen völlig verſchieden war, irgend einen Nutzen ziehen könne, wie z. B. ſelbſt Dieſterweg die ganze Geſchichte der Pädagogik vor dem Jahre 1770 nur als pädagogiſchen Kram bezeichnet hat. In Folgendem hoffe ich darthun zu können, daß jene alte Pädagogik doch nicht ſo ganz der Beachtung unwürdig iſt, daß vielmehr Einiges, was erſt neuerdings eingeführt wurde, in der alten Zeit wurzelt; Anderes aber, was noch nicht völlig erreicht iſt, bei den Alten entweder ſchon praktiſch durchgeführt ſich vorfand oder von Theoretikern verlangt und in ſeiner Berechtigung begründet wurde.
I.
Platon iſt nicht nur für die Philoſophie ſondern auch für die Pädagogik von der höchſten Bedeutung, und dies nicht etwa in dem Sinne, in welchem man von einer Pädagogik Göthe's oder Uhland's geſprochen hat, indem man die zerſtreuten auf Erziehung bezüglichen Stellen dieſer Dichter ſammelte und in eine gewiſſe Gruppirung brachte, vielmehr ſind einige ſeiner Schriften, vor allen der Staat und die Geſetze, ihrer ganzen Anlage nach als vorzugsweiſe pädagogiſche zu bezeichnen. Als ſolche ſind ſie in dreifacher Hinſicht wichtig: Platon ſtellt nämlich, beſonders in den beiden eben erwähnten Werken, ein Syſtem der Erziehung auf, indem er dabei theils in Griechenland ſchon vorhandene Einrichtungen benutzt und umgeſtaltet, theils ganz neue Lehren vorbringt, deren einige zu der Anſchauungsweiſe ſeiner Zeit den ſchroffſten Gegenſatz bilden. Er behandelt die Pädagogik in ihrer Anwendung auf den Staat, in welchem nach Anſicht der Alten der Einzelne völlig aufgehen mußte. Während man jetzt eine möglichſte Entwicke⸗ lung der Individualität erſtrebt, exiſtirt im Alterthume der Einzelne nur für den Staat und iſt mit dem⸗ ſelben untrennbar verbunden; ebenſo kann das höchſte Ideal der Bildung nur in dem Staate erreicht werden, ſo daß die vollkommenſte ſtaatsmänniſche Tüchtigkeit als die höchſte Tugend erſcheint. Der Staat, welchem die Kinder mehr als ihren Eltern angehören, beruht bei Platon auf der Grundlage einer guten Erziehung, welche ſelbſt im Staatsleben noch fortdauert und durch welche das ſtaatliche Wohlbefinden bedingt iſt. Da man jetzt in dieſer Art der Erziehung für den Staat eine Beſchränkung der perſönlichen Freiheit erblicken würde, und außerdem manche Vorbedingungen für die Gründung des platoniſchen Staates, z. B. die Eintheilung in Kaſten, durch welche der dritte Stand von aller Bildung ausgeſchloſſen wird, vollſtändig wegfallen, ſo kann natürlich von einer Anwendung dieſer Staatspädagogik keine Rede ſein. Daher verdienen zunächſt nur diejenigen Erziehungsvorſchriften Platon's, welche, von den ſtaatlichen Verhältniſſen abgeſehen, allgemeine Bedeutung haben, beachtet zu werden. Aus der großen Zahl dieſer Ausſprüche, unter welchen der, daß der Knabe unter allen Geſchöpfen das am ſchwerſten zu behandelnde ſei ¹), wohl der bekannteſte ſein wird, will ich hier nur folgenden anführen:„In Allem iſt die Unkunde
y Leg. VII, 808, d: 6 s atg rdvraν ϑν οεων ⁴τ⁴‿ dνυαμrερινιαdατονν*


