17
gen und die Entwerfung des Plans noch in das Ende der von uns angenommenen zweiten Pe⸗ riode, ins Jahr 1695 fallen, in welchem um die Schenkung der Stallgebäude gehandelt wor⸗ den war. Zwiſchen und neben dieſen Stallungen lagen mehrere Bürgerhäuſer, die, wie der Stall ſelbſt, an die Stadtmauer angebaut waren. Die Jeſuiten baten daher beim Kaiſer um die Schenkung aller zur Burg gehörigen Oerter, worunter ſie jene Bürgerhäuſer ſowohl, als ſelbſt die Häuſer des ſogenannten Sperlingsberges, angeblich des Burgplatzes, verſtanden, der widerrechtlich bebaut und dem Burgrecht entzogen worden wäre. Darüber kam es zu Strei⸗ tigkeiten mit dem widerſprechenden Magiſtrate, bis endlich eine Sühne zu Stande kam. Die Jeſuiten bezahlten die an den Ställen gelegenen Bürgerhäuſer baar, und zwar das des Bäckers Gottfried Teußner mit 5000 Rthlr. Schleſiſch, das des Thorſteher⸗Gefreiten Samuel Rachers⸗ dorf mit 1000 Rthlr., das des Meſſerſchmidts Johann Winkler mit 1000 Rthlr., das der Wittwe Roſina Thomas mit 1000 Rthlr., das des Brandweinbrenners Martin Roſe mit 900 Rthlr. Wo jetzt der Durchgang unter dem Univerſitätsgebäude, das Kaiſerthor genannt, ſich befindet, war ein wirkliches Thor in der Stadtmauer mit zwei Wohnungen, der eines Almoſendieners und eines Gerichtsdieners; die Jeſuiten zahlten für die erſte 350, für die andere 450 Rthlr. und zur Abgeltung aller auf den Häuſern ruhenden Laſten deponirten ſie bei der General⸗Steuer⸗Kaſſe ein Kapital von 2000 Rthlr. Ueberdieß verpflichteten ſich die Väter der Geſellſchaft Jeſu, das zu überbauende Thor als ſolches zu belaſſen, die Thorflügel machen zu laſſen, auch zum Fallgatter eine Kammer über dem Thore anzubringen, ferner keine Thüre nach dem Walle hinaus, die Fenſter aber nicht unter drei Ellen über dem Boden anzulegen oder ſie dann halb zu vermauern, auch die Fenſter des obern Stockes mit halben Gittern zu verſehen, wenn ſie niedriger wären als die Stadtmauer. Andere Beſtimmungen betrafen die beiden Brunnen auf dem Sperlingsberg, die Verlegung des Spritzen⸗ hauſes in die Rabbinergaſſe und dergleichen.
Dieſes Abkommen ward vom Kaiſer den 27. April 1728 beſtätigt und am 19. Mai 1728 mit großer Feierlichkeit durch den Oberamts⸗Director Grafen von Schaffgotfch und den Pater Rector Franz Wentzel die erſten Schaufeln Erde ausgegraben, am 6. December 1728 aber der Grundſtein gelegt*), und ſo das Gebäude bis 1736 in ſeiner jetzigen Geſtalt, aber keinesweges in der ganzen Vollſtändigkeit des urſprünglichen Planes aufgeführt, da weder der große projectirte Thurm über dem Kaiſerthore zum Dache hinaus geführt, noch der letzte Flügel am öſtlichen Ende gebaut worden, der in 3 Stockwerken und einem achteckigen Stern⸗ wartenthurme, entſprechend dem jetzigen ſogenannten mathematiſchen Thurme, mit dem weſt⸗ lichen, gleichfalls dreiſtöckigen Flügel correſpondiren ſollte, in welchem die Aula ſich befindet. Auch
1) Siehe Steinbergers Tagebuch, in der ſchleſiſchen Zeitung 18140. Nro. 162— 167. 3


