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1 (1882) Sicilianische Untersuchungen
Entstehung
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Gefahr. Im französischen Kriegsrate wurde ernstlich über die Frage verhandelt, ob man nicht mit Roger sich verbinden und gegen Konstantinopel ziehen solle¹) Der beredteste Vertreter dieser Ansicht war der feurige Bischof von Langres, allein vornehmlich durch den Einfluſs des Königs siegte die gemäſsigtere Ansicht. In friedlicher Haltung marschierte man nach Byzanz, von wo sie Manuel durch eine klug gewählte List²) bald abzuziehen veranlalste.

Wir verlassen jetzt die Kreuzfahrer auf ihrem Zuge durch Kleinasien und wenden uns zu demoben erwähnten Angriffe König Rogers auf das griechische Reich ³).

Als das französische Heer gegen Konstantinopel heranzog und alle griechischen Streit- kräfte nach der Hauptstadt gezogen waren, glaubte Roger den Augenblick gekommen, wo er einen Schlag gegen die Griechen wagen könne, jedenfalls hoffte er das französische Heer mit in den Kampf hineinzureiſsen. Zu Anfang des Herbstes lief sein Ammiratus Georg von An- tiochia von Otranto⁴) aus und besetzte das wichtige Korfu, dessen Bewohner ihn mit offenen Armen empfingen. Die Sicilier verstärkten den Platz und segelten um Kap Malea herum nach der festen Freistadt Monembasia, fanden hier aber unerwarteten Widerstand. Hier kehrte die Flotte um, doch wol nicht, wie Nicetas meint, wegen heftigen Widerstandes der Bürger von Monembasia, sondern unzweifelhaft deshalb, weil König Ludwig sich nicht gewinnen lieſs. Der Ammiratus fuhr nun um Malea herum in den lakonischen Golf) und die Küste des Peloponnes entlang), verwüstete und plünderte überall, brandschatzte Ktolien und Akarnanien, namentlich Arta, und lief dann in den Meerbusen von Korinth ein*). Seine Operationen gegen das Bin- nenland begann er von dem sichern Hafen von Krissa aus. Der erste Streich galt dem reichen Theben, der Hauptstadt des Thema Hellas, das eine besonders hochentwickelte Seidenindustrie betrieb. Es wurde gründlichst ausgeplündert, viele der angesehensten Männer, und nament- lich Seidenweber, wurden mitgeschleppt. Wahrscheinlich erfolgte von Theben aus auch ein Uberfall auf Euböas). Eine gleiches Schicksal traf das reiche Korinth, dessen uneinnehmbare Feste Akrokorinth sich im ersten Schreck ergab. Triumphierend kehrte die sicilische Flotte nach Palermo zurück.»Wahrlich, wer damals die sicilischen Trieren, mit unendlichen Kost-

1) Odo de Diogilo p. 35 cf. Giesebrecht 4, 275.) Odo p. 41.

³) Vergl. über denselben Giesebrecht 4, 275 und besonders Hopf in Ersch und Gruber, 1. Sektion Band 85. p. 156 sq., aus dem Hertzberg, Geschichte Griechenlands. Gotha 1876. Band 1. p. 367 sq. schöpft.

4) So geben die Quellen an, nicht Brindisi, wie Hopf und Hertzberg haben, ebensowenig sind die 60 Schiffe zu begründen. Die Zeit geht hervor aus den oben angeführten Stellen Odo's von Deuil und aus einer Urkunde vom Oktober 1147, in der Manuel den Venetianern die Privilegien seiner Vorfahren bestätigt und aufserdem Handelsfreiheit in Kreta und Kypros erteilt. Die Urkunde steht Fontes rer. Austriae. 2 Abt. Band 12. p. 113 und ist bisher fälschlich auf 1148 gesetzt; während das Datum Oktober 6656 ind. 11 bekanntlich dem Oktober 1147 entspricht.

) Nicetas ed. Bonn. p. 97. 98. 5εd r0ν& Maléaν π⁴οον τν εσενωννα ονονον αἀναeꝙεac.

6) Hierher gehört wol die Verwüstung von Modon, die Brompton bei Twysden p. 1218 erwähnt. Eine Notiz, die er, wenn ich nicht irre, den Gesta Heinrici II entnommen hat.

7) Nicetas loc. cit.

8) Cinnamus p. 91, dessen Erzählung allerdings verwirrt und unzuverlässig ist. Aber auch das Chronic. Altinate im Arch. Storico Italiano vol. 8 p. 156. Firenze 1845 erwähnt die Plünderung von Nigropus. Ebenso Dandolo bei Muratori 12, 282, dem hier Manuels Urkunde vorgelegen hat. Übrigens hat er an dieser Stelle auch Gervas. Tilbur. otia imperialia benutzt vergl. Dandolo p. 283 mit Leibnitz, Scriptor. Brunsvic 1, 1001.