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Kaiserreiche zuvorzukommen. Und die Gelegenheit dazu bot die unkluge Politik Konrads von Deutschland, dieses persönlich so hoch achtbaren, aber politisch unfähigen Herrschers.
Im Dezember 1144 wurde der christliche Orient durch die Kunde von dem Falle Edessa's in den äussersten Schrecken versetazt. Da man zum Widerstande sich zu schwach fühlte, entschloſs man sich, Hilferufe an die abendländische Christenheit zu richten. Sie er- gingen zunächst an den Papst. In der That erlieſs dieser, es war Eugen III., am 1. Dezember 1145¹) ein schwungvolles Breve, durch welches König Ludwig von Frankreich, die Fürsten und alle Gläubigen Frankreichs zum Kampf gegen die Ungläubigen aufgerufen wurden.
Der Natur der Sache nach erregte die Not der syrischen Christen in Frankreich ganz besondere Teilnahme. Bereits Weihnachten 1145 trat zu Bourges eine Versammlung zusam- men, um über die Not der Brüder im gelobten Lande zu beraten, sei es durch das päpstliche Schreiben veranlaſst, sei es, wie Kugler will, auf Betrieb des französischen Königs. Dieser sprach vor der Versammlung die Absicht aus, selbst das Kreuz zu nehmen und versuchte, die Anwesenden für das Unternehmen zu gewinnen. Der feurige Bischof Gottfried von Langres:), ein vertrauter Schüler des heiligen Bernhard, unterstützte ihn dabei mit begeisterter Rede. Doch hatten namentlich die Staatsmänner der französischen Krone, wie Abt Suger, ihre ernsten Be- denken gegen eine persönliche Teilnahme des Königs. Die Sache wurde deshalb dem Papst zur Entscheidung übergeben. Dieser ging gern auf des Königs Wunsch ein und übertrug, da er selbst nach Frankreich zu eilen verhindert war, die Kreuzpredigt dem heiligen Bernhard. Mit gröfstem Erfolge begann der Abt dieselbe auf der Versammlung zu Vezelay Ostern 1146. Nach derselben durchzog er Frankreich überall predigend. Der Kreuzzugs-Gedanke ergriff wiederum die ganze Nation.
Ludwig VII. schickte inzwischen Gesandte an die Könige von Deutschland, Ungarn und Sicilien und den Kaiser von Byzanz. Er machte diese Herrscher mit dem bevorstehenden Unternehmen bekannt und bat sie, den Scharen der Kreuzfahrer freien Durchzug durch ihre Länder und unbehinderten Einkauf der Lebensmittel zu gestatten. Konrad von Deutschland und Geisa von Ungarn gewährten sofort Markt und Durchzug. König Roger, mit den Fran- zosen seit geraumer Zeit befreundet, schickte ebenfalls erwünschte Antwort und fügte hinzu, daſs er bereit sei, wenn die Kreuzfahrer den Weg über Süditalien nehmen wollten, dieselben in seiner Flotte nach Syrien überzuführen und entweder selbst oder wenigstens durch seinen Sohn an dem Zuge Teil zu nehmen. Kaiser Manuel versprach zwar auch, was man verlangte, deutete jedoch daneben an, dafs er dieselben Gegenleistungen von den Franzosen fordern werde, die einst sein Vorfahr Alexius von den Fürsten des ersten Kreuzzugs gefordert hatte.
Die Rüstungen wurden das ganze Jahr 1146 hindurch mit rastlosem Eifer betrieben, die Masse der Kreuzfahrer mehrte sich beständig, die Hoffnungen auf einen glänzenden Erfolg des Kreuzzuges stiegen von Tag zu Tag. Die Aussichten des Unternehmens im Herbst 1146 waren in der That vielversprechend.
Da wollte es das Unglück, daſfs der heilige Bernhard auch in Deutschland die Kreuz-
1) So mit Giesebrecht 4, 247. 471 gegen Kugler, Studien p. 88. 2) Früher Prior von Clairvaux, siehe über ihn Gallia christiana IV, 574 sq.


