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1 (1882) Sicilianische Untersuchungen
Entstehung
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Bedenklich dagegen war das Verhältnis zu Deutschland. Dort sah man Rogers Er- hebung und das Verhältnis des Papstes zu ihm mit anderen Augen an. Die Stimmung wurde natürlich auf's eifrigste genährt von den sicilischen Emigranten, die zum grolsen Teil am deut- schen Hofe sich aufhielten. Doch war für den Augenblick nichts zu fürchten, da der neue König zunächst genug zu thun hatte, sich gegen die mächtige Welfenpartei zu halten. Es kennzeichnet die weitsichtige und aktive Politik des sicilischen Herrschers, daſs er die deut- schen Wirren auf alle Weise zu nähren suchte. Ich glaube nämlich als sicher annehmen zu können, daſs Roger die Welfen schon 1140 mit Geldmitteln unterstützt hat. Seit dieser Zeit gewöhnte man sich in Deutschland, die Hand des»sicilischen Tyrannen« überall zu sehen).

Des Siciliers vornehmstes Bemühen mufste es in der That sein, Konrad in Deutsch- land festzuhalten, zumal da grade damals durch Vermittlung Venedigs, welches die kräftig aufstrebende Seemacht Siciliens argwöhnisch betrachtete, eine Annäherung Konstantinopels an Deutschland erfolgte, ein Bündnis, dessen Spitze sich ausgesprochenermafsen vor allem gegen Sicilien kehrte ²)..*

Es ist uns durch Cinnamuss) überliefert, dafs Roger bei Kaiser Johannes um die Hand einer kaiserlichen Prinzessin für seinen ältesten Sohn Roger geworben habe, dafs aber ehe die Verhandlungen zum Abschlufs gediehen waren, Johannes gestorben sei4). Bald darauf habe er dann in derselben Angelegenheit eine neue Gesandtschaft an Manuel abgehen lassen, der auch wirklich darauf eingegangen sei und zur Fortführung der Unterhandlungen den Basilius Xerus nach Sicilien abgeordnet habe. Allein dieser habe sich bestechen und zur Annahme unziem- licher Bedingungen bewegen lassen, deren wichtigste gewesen, daſs in Zukunft der Kaiser und Roger an Majestät sich gleichstehen sollten ⁵5). Nach Rückkehr des Unterhändlers habe Manuel das Resultat der Negociation verworfen und Roger vielfach ignoriert. Dieser sich vom Kaiser verhöhnt glaubend, habe eine Flotte gerüstet und nur auf eine Gelegenheit zur Rache, zu einem empfindlichen Schlage gegen Byzanz gewartet. Cinnamus sagt uns ausdrücklich, obige Geschichte sei der Grund gewesen für die griechische Politik König Rogers während des zwei- ten Kreuzzugs. Mag die Erzählung nun begründet sein, obwohl sie bei dem unzuverlässigen Charakter) dieses Schriftstellers mir zweifelhaft erscheint, so ist sie doch für das wahre Ver- ständnis der Politik Rogers durchaus nicht von Bedeutung. Diese Politik ist vielmehr allein bedingt durch die allgemeinen Verhältnisse: es galt einem gemeinsamen Vorgehen der beiden

Jahren 1145 1147 ibid. p. 155. Siehe ferner Rogers Brief an Suger bei Duchesne 4, 538, Bouquet 15, 495 und Sugers Antwort darauf epist. 4 Lecoy de la Marche p. 245 und in Sugers Leben von Mönch Wilhelm v. St. Denis lib. 1I. Lecoy p. 384.

¹) Otto Frising. chron. VII, 23 Separatausgabe vol. 1 p. 323.

²) Giesebrecht 4, 201 203. 210. 215 216. Jaffé, Konrad III p. 100. 101. Otto Frising. Gesta Frid. 1, 23. 24 in der Separatausgabe p. 36 43. 3) ed. Bonn. p. 91.

4) ibid. 44' odro rédos Boye rd rjje oεetas zal Nad r0 Hioν zaré*³νε.

) loc. cit. ro εν εασe μενααeν̈ ⁵ααa re roοον 2οeοο α Po†οον αεσνα.

6) Dafs Kugler demselben viel zu viel Glauben schenkt, hat schon Giesebrecht bemerkt. Allein auch er schlägt den Wert dieses Panegyristen noch zu hoch an. Ich halte die Ansicht Wilken's und Tafel's fest, dalfs Nicetas in jeder Hinsicht dem Cinnamus vorzuziehen sei.

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