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1 (1882) Sicilianische Untersuchungen
Entstehung
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König Roger und der zweite Kreuzzug.

Die Politik, welche dieses neue Reich nach aufsen zu verfolgen hatte, war durch seine Lebensbedingungen, durch seine Geschichte von selbst gegeben. Im Gegensatze zu den beiden Kaiserreichen war es emporgekommen, dieser Gegensatz dauerte noch fort. Einstweilen jedoch, da die innere Erschöpfung eine starke Aktion nach aufsen nicht gestattete, muſste Erhaltung der Ruhe das vornehmste Ziel der normannischen Politik sein.

Das Verhältnis zum Papste blieb, so lange Innocenz II. lebte, ein befriedigendes ¹). Innocenz war entschlossen, den Vertrag zu halten, die Aufforderung seiner Kardinäle, den ab- gedrungenen Vertrag für nichtig zu erklären, hatte er abgelehnt. Einmal glaubte er, sich nur so im Besitz Roms erhalten zu können, und sodann spekulierte die päpstliche Politik darauf, dafs dem deutschen Könige in seiner schwierigen Stellung ein Bruch unmöglich war. Da aber der Kampf mit den Welfen den deutschen König zugleich verhinderte nach ltalien zu ziehen, wie er lebhaft wünschte, so gestaltete sich das Verhältnis Roms zu Sicilien derart, daſs man kaum Anstand nehmen darf, es als ein abhängiges zu bezeichnen. Innocenz Nachfolger Coele- stin ²), der die Disputationen zu Palermo vielleicht noch in unliebsamem Andenken behalten, trat allerdings in ein feindliches Verhältnis, allein er sals nur wenige Monate auf dem Stuhle Petri, und sein Nachfolger Lucius sah sich, da König Roger Truppen in die römische Cam- pagna sandte, genötigt, wenigstens einen modus vivendi herzustellen. Hierbei blieb man bis 1149.

Auch gelang es dem Könige, die kirchlichen Kreise Frankreichs sich zu gewinnen, was um so wichtiger war, als die damals mächtigsten Orden ihre Stammsitze auf französischem Boden in Cluny, Citeaux, Chartreuse, Prémontré hatten. Der heilige Bernhard und Abt Peter von Cluny wetteifern in ihren Briefen ³) an Roger in Verbindlichkeiten, nebenbei vergessen sie allerdings das Geschäftliche nicht. Denn in dem Eifer, die Interessen ihres Ordens wahrzu- nehmen, erscheinen sie fast wie Vertreter zweier Konkurrenz-Firmen, die sich um ein neues Absatzgebiet bemühen.

Auch einflulsreiche Männer des französischen Hofes verpflichtete er sich durch Ge- fälligkeiten aller Art4). Mit Abt Suger stand er in vertraulichem Briefwechsel.

¹) So erzählt z. B. der römische Kanonikus Johannes in seinem Buch über die Laterankirche, dals Papst Innocenz das Dach der Kirche versehen habe novis trabibus, quas gloriosus et potens Roggerius Siciliae rex precibus suis eidem ecclesiae transmisit. Mabillon, museum Italicum II, 568.

2) Cf. Falco ad a. 1137. Er ist jener Guido de Castello, der als Vertreter der Innocentianer Roger nach Palermo begleitete.

3) Petr. Cluniac. epistol. lib. 3, 3, lib. 4, 37 und auch lib. 6, 16 von 1139, 1145, 1149 in Bibliotheca Cluniacensis coll. Marrier et Quercetanus. Paris 1614. col. 795. 868. 915 und S. Bernardi epist. 207. 208. 209, in der Ausgabe von Mabillon.

4) Z. B. Abt Suger und Graf Thibaud IV. von Champagne vergl. Sugerii, de rebus in administratione sua gestis bei Lecoy de la Marche, oeuvres de Suger, Paris 1867 p. 208. Dieses Werk schrieb Suger in den