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in Viktor IV. einen neuen Gegenpapst auf, doch hielt sich derselbe nur wenige Monate. Selbst Roger sah sich jetzt genötigt, Innocenz in seiner geistlichen Würde anzuerkennen, aber daran fehlte viel, daſs er deshalb auch sogleich seinen Frieden mit ihm gemacht hätte. Im April 1139 hielt Innocenz eine grolse Synode zu Rom ab, erklärte alle Ordinationen Anaklets und Viktors für nichtig und sprach von neuem über Roger und seine Anhänger den Bann aus¹). Der Papst mochte sich durch Rainulf's Erfolge ermutigt fühlen. Aber gleich darauf traf ihn ein furchtbarer Schlag. Herzog Rainulf starb am 30. April im kräftigsten Mannesalter. In kurzer Zeit war Uuteritalien wieder in der Hand Rogers. Da rüstete sich der Papst selbst mit ge- waffneter Hand dem Sicilier entgegen zu treten, begleitet von dem vertriebenen Robert von Capua ging er nach S. Germano, einen ungleichen Kampf zu wagen. Von dort aus unterhan- delte er mit Roger, doch wurden die Verhandlungen abgebrochen, als Roger sich weigerte, den Fürsten von Capua wiederherzustellen. Die Feindseligkeiten wurden wieder aufgenommen, durch einen glücklichen Handstreich fiel der Papst mit einem grolsen Teil der Seinigen am 22. Juli 1139 bei Galluzzo ²) in die Hände Rogers, der jetzt den Frieden erzwingen konnte. Nach kurzem Kampfe bestätigte der Papst am 27. Juli³)»dem erlauchten und berühmten Könige Siciliens« und seinen Erben das Königtum und den Besitz aller eroberten Länder ausser Be- nevent gegen einen jährlichen Zins. Der König mit seinen Söhnen Roger und Anfusus leistete den Lehnseid und erhielt Absolution, dann folgte der feierliche Akt der Belehnung. Auch das uralte Herzogtum Neapel wurde jetzt dem Reiche einverleibt, da Herzog Sergius kinderlos bei Rignano gefallen war. Ein weiser und glücklicher Fürst gebot jetzt über den ganzen Süden Italiens, über Provinzen, die zum ersten Male seit der Gothenzeit durch ihn in ein Reich ver- einigt waren. Nach langer Zeit empfanden diese Länder den Segen einer starken Hand, die Ordnung zu schaffen wuſste. Nach zwölf Jahren unsäglicher Mühen, unablässigen Kampfes war endlich das grofse Normannenreich in seiner Existenz gesichert, es hatte sich als Faktor gezeigt, mit dem die Politik der europäischen Reiche zu rechnen hatte.
¹) Jaffé Regesta p. 585.
2) Höchst merkwürdige Nachrichten hierüber, über eine Vergiftung Herzog Rainulfs etc. finden sich in den, soweit ich sehe, bisher ganz unbeachteten Bruchstücken, die bei Muratori I, 2, 519 sq. hinter dem Chron. Vulturn. stehen. Es liegt in ihnen eine wichtige Quelle der unteritalischen Geschichte des 12. Jahr- hunderts vor, nur ist dieselbe in ihrer gegenwärtigen Gestalt so gut wie unbrauchbar.
³) Ich halte gegen Giesebrecht 4, 454 das Datum der Bulle bei Mansi 21, 396 und Pirro, Sicilia sacra I p. XVI fest. Ich kann nicht finden, dals man nach Falco annehmen mufs, daſs die Urkunde an dem Tage des Friedensschlusses abgefafst sei.


