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verwünschte laut und offen den Papst, dessen Eigennutz diesen mörderischen und fruchtlosen Krieg veranlafst habe¹). So sah sich denn Lothar, wenn er es überhaupt je gewollt, gehindert den Krieg nach Sicilien zu tragen. Er suchte nun den zersplitterten Kräften Unteritaliens eine feste Organisation zu geben, um zie zu befähigen Roger die Spitze zu bieten und die errungenen Erfolge zu behaupten. Zugleich dachte er so diese Länder dem Reiche dauernd zu sichern. Diesem war ja der Süden Italiens allerdings unterworfen gewesen, allein seit Hildebrands Zeit war er dem apostolischen Stuhle lehnspflichtig geworden, und Papst Innocenz zeigte sich nicht gewillt, irgend ein Recht der römischen Kirche hier aufzugeben. So gab denn gleich die Besetzung des Herzogtums Apulien zu heftigen Auftritten zwischen ihnen Anlaſs. Den neuen Herzog fand man im Grafen Rainulf von Avellino. Im September zog der Kaiser ab. Kaum war er fort, so erschien Roger racheflammend auf dem Festlande. Seine Sarazenen verheerten das Land, zumal die Besitzungen Rainulfs. Capua und Benevent ergaben sich im ersten Schreck, Robert von Capua entfloh, Sergius von Neapel leistete den Vasalleneid und Heeresfolge ²). Nur Herzog Rainulf, von den apulischen Seestädten kräftig unterstützt, kämpfte mit Mut und Glück, konnte aber trotz seines glänzenden Sieges bei Rignano³) am 30. Oktober 1137 keine entscheidenden Erfolge erringen.
Inzwischen war es dem heiligen Bernhard gelungen, auch in Rom den gröſsten Teil der Geistlichkeit für Innocenz zu gewinnen. Anaklets Macht lag zu Boden, und so lieſfs sich denn auch Roger auf Bernhards Drängen zu Unterhandlungen herbei. Er verlangte, daſs von jeder Partei drei Kardinäle, die an der Wahl teilgenommen, an ihn abgeordnet würden; diese sollten den Verlauf beider Wahlen darlegen, damit der König den Ursprung des Zwistes ken- nen lerne. Er werde, so versicherte er, der rechtmäſsigen Wahl sich unterwerfen. Beide Seiten sandten ihre hervorragendsten Mitglieder. Roger nahm zuerst die Gesandten Innocenz vor und examinierte sie vier Tage lang immer bis Sonnenuntergang, mehr als man glauben kann 4). Ebenso eifrige Nachfrage widmete er den Legaten Anaklets. Nachdem er beide Teile gar aufmerksam gehört, erklärte er, er sei von all den vielen Fragen und verschiedenen Antworten so verwirrt, daſs er sich nicht getraue, allein eine Entscheidung zu treffen; die Kardinäle jedes Teils möchten also einen Wahlbericht aufsetzen und einer von jeder Partei ihn nach Sicilien begleiten, dort wolle er die Frage der Entscheidung eines Parlaments unter- breiten. Beide Teile sagten zu, und Roger fuhr mit den Kardinälen nach Sicilien.
Doch ehe eine Entscheidung getroffen ward, starb unerwartet am 25. Januar 1138 der Gegenpapst in Rom. Auf Rogers Antrieb und mit seiner Zustimmung stellte Anaklets Partei
¹) Petr. Diac. chron. 4, 119. Annalista Saxo ad ann. 1137. Mon. Germ. Scr. VI, 775.
²) Falco ad ann. 1137. Del Re 1, 236 sq.
³) Der Editor der Annal. Cavenses in Mon. Germ. Scr. III war zweifelhaft, ob Rinianum oder Rania- num zu lesen sei, offenbar ist das erstere richtig, denn ein Ort Ragnano existiert nicht. Ferner bezeichnen die Annalen von Cava den Schlachtort als inter Rinianum et Casale novum gelegen, welche beiden Orte auch in einer Urkunde Kaiser Friedrich II von 1225 sich zusammengestellt finden: omnes terras in territorio Casale novo et Rineani, die der Kaiser im ferneren Text der Urkunde als in der Nähe von Siponto am Flusse Can- delaro gelegen bezeichnet. Ughelli 7, 833.
4) Falco bei Del Re 1, 239. Ernaldi vita Bernardi cap. 7 in der Ausgabe von Mabillon II pars 2 ed. IV.


