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1 (1882) Sicilianische Untersuchungen
Entstehung
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ban II. ihm setzen wollte, liefs er sich nicht gefallen, sondern entrang dem Papst einen Teil der Privilegien eines Legaten für sich und seine Nachfolger durch die berühmte Bulle von 1098 ¹). Nicht auffallend erscheint es, dass er in die höheren kirchlicheu Würden mit Vorliebe Franzosen berief. Denn die Bischöfe Siciliens besaſsen Lehen von einer Ausdehnung, dals sie sich den ersten Baronien des Reichs vergleichen konnten²). Und da sie in vieler Beziehung vom Fürsten abhingen, von der ritterlichen Aristokratie aber ganz unabhängig waren, so tru- gen sie dazu bei, Rogers Herrschaft zu stützen. Indes nicht nur durch sein Schwert, sondern vielleicht noch mehr durch sein Gold war Roger zu so bedeutender Macht gelangt. Seines Reichtums wegen war er in der ganzen Christenheit berühmt. Wir sehen den Grafen bedeu- tende Scharen ständiger Söldner unterhalten, den Papst und seinen Bruder Guiscard häufig mit Geld unterstützen, überall Kirchen und Klöster errichten. Woher kommen diese Schätze?

Die weise Verwaltung, die Lösung dieses Rätsels, scheint eine Erbschaft aus den ara- bischen Zeiten, von den Siegern übernommen. Zunächst finden wir einen allgemeinen Census der domanialen und feudalen Ländereien, den die Rollen der villani beweisen, die in Mazara 1093 veröffentlicht wurden. Dieser Census umfaſste eine allgemeine Beschreibung der Gren- zen, Angabe der Grölſse des Grundstücks, der Zahl und Namen der villani. Das Amt, das diesen Census bewahrte, ist die Dohana ³) de Secretis(arab. Diwaàn et Tahkik el Mamur, die Ubersetzung entspricht etwa unserm»Grundbuchamt«). Der arabische Ursprung wird be- wiesen durch die Benennung des Amts und seiner Akten, der defetarii, die Falcandus erwähnt. De- fétir ist der Plural von difter und dies nur Ubertragung von ꝓμσ, Fell oder Pergamentrolle). Die defetarii waren also die Register dieses Amts. Diese Aufzeichnungen sind nun wol nicht, wie Gregorio will, der überhaupt gern englische Vorbilder entdecken zu können meint, nach dem Muster des Doomsdaybook angelegt, sondern ein Erbteil der arabischen, vielleicht noch der griechischen Verwaltung.

Neben den Ergebnissen dieser geregelten Verwaltung, die zu dieser Zeit ihresgleichen in Europa nirgends hatte, sucht Amari als Haupteinnahmequelle den Getreidehandel nach Afrika und zwar, wie ich glaube, mit Glück nachzuweisené²). Man kennt aus arabischen Annalen, be- ginnt er seine Beweisführung, die furchtbaren Hungersnöte, die Nordafrika in dieser Zeit heim- suchten. Ihre Ursache waren die räuberischen Araber Agyptens, die das ganze Land auf ihren Raubzügen verwüsteten und jede Kultivierung des Bodens für lange Zeit unmöglich machten. Aus diesem Sachverhältnis erklärt sich auch die unnatürliche Ruhe der arabischen Dynastie in Tunis während der Eroberung Siciliens. Dieser einträgliche Handel bahnte zu-

1) Vergl. über sie das Buch von Sentis, monarchia Sicula. Die Bulle findet sich auch in der sicilia- nischen Überarbeitung des Malaterra von Fra Simone da Lentini aus dem Jahre 1358, die übrigens bei einer Ausgabe Malaterras zu berücksichtigen wäre. Sie ist gedruckt Di Giovanni, cronache siciliane dei secoli 13 15. Bologna, 1865 p. 1 111.) Gregorio, considerazioni lib. 1, cap. 2. p. 77.

3) Douane ist bekanntlich aus Diwàn entstanden.

4) Hierüber hat ausführlicher gehandelt Amari, su i divani dell' azienda normanna in Palermo in den Memorie della Accademia dei Lincei. Roma 1878, deren gütige Zusendung ich Herrn Oberbibliothekar Hart- wig in Halle verdanke. 1

) So Amari 3, 324. 6) Amari 3, 332 sq. 3