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1 (1882) Sicilianische Untersuchungen
Entstehung
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manen habe wohnen lassen die Franken und die Rúüm d. h. Franzosen und Italiener. Dies wird bestätigt durch eine Fülle topographischer Bezeichnungen, die ihren zweiffellos italischen Ursprung verraten ¹), sowie durch Personennamen, bei denen die Herkunft angegeben ist ²).

In Bezug auf den Modus der Einwanderung aus Italien läſst sich natürlich positives nicht angeben, nur vermuten, daſs sie zahlreicher aus Oberitalien erfolgte. Denn das Feudal- regiment in Süditalien hinderte die freie Bewegung, suchte vielmehr den Einzelnen möglichst an die Scholle seines Herrn zu bannen. In Oberitalien aber schlug man zu dieser Zeit die Feudalität in Trümmer, ohne dafs die Organisation der Kommunen gleich abgeschlossen gewe- sen wäre. Da mochten wol unzufriedene Glieder des einen oder andern Standes ihr Glück in der Fremde versuchen und ohne Hindernis ihre Heimat verlassen können.

Hierhin gehören die grofsen lombardischen Kolonien³), von denen wir gute historische Zeugnisse haben. Besonders wird eine kompakte lombardische Bevölkerung um den Aetna herum erwähnt, die z. B. im Jahre 1168 im stande war, 20 000 Krieger zu stellen. Ihnen gehört auch jenes mächtige Geschlecht an, dessen Haupt Markgraf Heinrich war, das Graf Roger durch verwandtschaftliche Bande an sich zu fesseln für gut hielt. Diese historischen Zeugnisse werden bekräftigt durch das lebendige Zeugnis der Sprache. Angelo de Gubernatis hat nachgewiesen, dafs der Dialekt dieser Lombardenorte, wie z. B. Piazza, Nicosia dem mon- ferrinischen sehr nahe steht*).

Über den Zuzug aus Unteritalien finden sich brauchbare Notizen nicht, doch läſst sich vermuten, daſs die geringe christliche Bevölkerung, namentlich der Seestädte, mit Ausnahme von Messina, im Laufe des 12. Jahrhunderts besonders durch Zuzug aus den Seestädten Süditaliens, wie Amalfi, Bari u. a. gewachsen sei, wofür es an Zeugnissen nicht fehlt.

Die örtliche Verteilung der Nationalitäten ist übrigens leicht zu erklären durch den Gang der Eroberung. Val Demone wurde ohne besondere Mühe erobert, daher blieb die alte, vor- wiegend griechische Bevölkerung im ganzen in ihren Sitzen; neue Einwanderer wurden nicht herangezogen, da die so leicht eroberte Provinz einer ständigen Besatzung nicht zu bedürfen schien. Ebenso in Val di Noto, nur mit dem Unterschied, dafs die Bevölkerung hier überwie- gend arabisch war. Dagegen erforderte die Eroberung des Innern einen 13 jährigen, wechsel- vollen und überaus blutigen Kampf(1073 86), hier wurde ein groſser Teil der alten Bevöl- kerung verjagt oder vernichtet, an seine Stelle traten Kolonien von der Terraferma, die durch allmähliche Einwanderung zu hervorragender Bedeutung erwuchsen.

Auf diesem Boden nun gründete Graf Roger seinen Staat. Besonders anziehend ist

) Das Nähere bei Amari 3, 219.

2) Gregorio p. 133: in einer Urkunde von 1127 befinden sich unter fünf Kanonikern von Girgenti ein Franzose, ein Römer, ein Policastriner, ein Lucchese und ein Brescianer, unter den Zeugen derselben Urkunde ein Genuese und ein Kalabreser aus Bisignano. Weitere Zeugnisse bei Amari 3, 221.

³) Im 11. und 12. Jahrhundert werden Lombarden und Longobarden streng geschieden, erstere sind die Bewohner der Poebene, letztere die des griechischen Themas Longobardia d. h. Süditaliens, vergl. Con- stantin. Porphyrogenit, de thematibus p. 1462.

4) Amari 3, 227.