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nymikon mit arabischen Vornamen verbunden, z. B. Omar ibn Crisobolli, Mohammed Pacione, woraus hervorgeht, dafs muselmanische Hörige griechischer oder italischer Abkunft existierten.
Die Urkunden, welche sich erhalten haben, lassen einiges Licht auf die geographische Vertretung der Nationalitäten fallen, nicht nur durch die Eigennamen, sondern schon durch die Sprache, in der sie geschrieben sind, die natürlich die der in dem Ort überwiegenden Race ist. Latein und die gewöhnliche Kra findet sich bei den italischen oder ultramontanen¹) Be- völkerungen, Griechisch und die Xra von Konstantinopel bei den Griechen, Arabisch und die Hedschra bei den Bekennern des Islam. Die Urkunden beweisen nun zahlreiche griechische Niederlassungen an der Ostküste und an der Nordküste bis Cefalu und zeigen zerstreute grie- chische Niederlassungen über die ganze Insel.
Die Muselmanen waren über den gröfsten Teil der Insel zerstreut und bildeten bei weitem den überwiegenden Teil der Bevölkerung. Die Diplome zeigen sie am zahlreichsten in Val di Mazara, in bedeutender Anzahl noch in Val die Noto, selten in Val Demone*).
Hierzu nun kamen die Normannen. Sie kamen hier nicht, wie einst in die Normandie, als ein Volk in geschlossener Masse, nicht als geordnetes Heer, wie unter Wilhelm dem Er- oberer nach England. Auch würde schon der Umstand, dafs die Eroberung Englands sich gleichzeitig vollzog, die Annahme einer zahlreichen Auswanderung aus der Normandie und den anderen Provinzen des nördlichen Frankreich nach Sicilien ausschlieflsen. Kein historischer Be- richt redet von einer französischen Massenemigration nach Süditalien, sondern nur von einer Emigration Einzelner, mehr von Klerikern und Mönchen, als von Kriegern. Die französischen Namen, die wir in den Urkunden und Chroniken Siciliens finden, gehören nur Mitgliedern der höchsten Gesellschaftsklasse an, es sind Namen von Lehnsträgern, Prälaten und hohen Beam- ten. Und diese geringe Zahl bildete den gröfsten Teil der sicilischen Bevölkerung französi- scher Zunge. Normannische Bevölkerungen einer Stadt, eines Dorfes oder nur eines Stadtteils werden nirgends erwähnt, auch finden sich in topographischen Bezeichnungen keine Spuren französischer Herkunft.¹)) Es kann daher von einer normannischen Bevölkerung Siciliens nicht geredet werden, es fanden sich vielmehr am Ende des 11. Jahrhunderts in sicilien lediglich einige Lehnsträger, Prälaten und Mönche französischer Herkunft. Man wird daher eine Emi- gration von anderer Seite annehmen müssen.
Schon die Sprache, die in Sicilien am Ausgange des 12. Jahrhunderts blühte, würde das Herüberkommen groſser Kolonien von der Terraferma beweisen, da die älteste italische Bevölkerung der Insel nach fünf Jahrhunderten byzantinischer und arabischer Herrschaft nicht ein Idiom hätte sprechen können, das dem Mittelitaliens so nahe stand. Auch gebeu die ara- bischen Schriftsteller ausdrücklich an⁴), dals Roger auf der Insel zusammen mit den Musel-
1) Natürlich in sicilianischem Sinne.
2) Vergl. Gregorio, considerazioni lib. 1 cap. 1 p. 56. In Girgenti z. B.(Gregorio p. 68) war das Ober- gewicht der Saracenen so grofs, dafs Bischof Walter(der seit 1127 Bischof war) zum Schutz der christlichen Bevölkerung Befestigungen anlegte, deren Material er den Trümmern des antiken Agrigent entnahm. Von Gregorio aus einem handschriftl. Libellus de successione pontificum Agrigenti aus dem Kapitelsarchiv von Gir- genti mitgeteilt, worin auch die Angabe steht: pauci Christiani erant ibi usque ad mortem regis Gulielmi secundi.
3) Amari 3, 215. 4) Amari 3, 218.


