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1 (1843)
Entstehung
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Zeit ſtand, mußte natürlich die Zahl der auf dem Kunſtwerke angegebenen Geſtirne oder einzelnen Sterne abhängen. Genügte nun auch anfangs dieſer ſehr unvollkommene Globus, ſo mußte doch die fortſchreitende Wiſſenſchaft das Mangelhafte deſſelben täglich fühlbarer und eine Verbeſſerung wünſchenswerth machen. Was Andere unterlaſſen hatten, vollbrachte nun wie Cicero verſichert der Cnidier Eudoxus, indem er(describendo) die Bahnen aller der Geſtirne auf dem Globus bezeichnete, welche die gereiftere Wiſſenſchaft für den beabſichtigten Zweck empfahl, und ſeinen Namen verewigte ornando, d. i. durch Erhebung und Verbindung der zu einer Gruppe gehörigen Sterne zu wirklichen Sternbildern. Bei dieſer Erklärung fällt alles Anſtößige, was die Stelle haben könnte, eben ſo leicht hinweg, wie das Verdienſt des Eudoxus hervortritt. Unſtreitig wollte Cicero den Ausdruck: esse descriptam: verdeutlichen durch die Wiederholung des Wortes deseriptio in Verbindung mit dem zugleich erklärenden ornatus. Es war aber die Verbindung der Sterne!) zu Sternbildern oder Geſtalten von Thieren ꝛc., abgeſehen von ihrer Rützlichkeit, eine wahre Ausſchmückung, die um ſo mehr zu einer poetiſchen Beſchrei⸗ bung begeiſtern konnte, je gelungener ſie ausgeführt war und dadurch dem Dichter Veranlaſſung bot, eine oder die andere Mythe auf ſinnreiche Weiſe daran zu knüpfen. Vielleicht wird es auch durch dieſe Annahme begreiflicher, wie es Antigonus Gonatas einfallen konnte, den an ſeinem Hofe lebenden Aratus zur poetiſchen Beſchreibung des Himmels nach Eudoxus aufzufordern durch die Weiſung*): Eö⁶οεον ενος⁶τεοον ττοονσα

Zur Unterſtützung des Ganzen dient noch die Aeußerung des gelehrten Gaſſendis), daß ihm Eudoxus der Erſte geweſen zu ſein ſcheine, welcher theils ägyptiſche, theils griechiſche Sternbilder auf einem Globus darzuſtellen verſucht habe.

Weniger Gewinn verſchafft die Betrachtung der über Callippus und Autolycus vorhan⸗ denen Angaben. Beide erſcheinen als kenntnißreiche, um Förderung der Aſtronomie wohlverdiente Männer, nicht aber als Fertiger von Himmelsgloben. Jenem ſchreibt Simplicius) Berichti⸗ gungen und Ergänzungen des von Eudoxus Geleiſteten bei, und Cenſorinus) redet von deſſen Verbeſſerung des Metonſchen 19 jährigen Cyclus durch einen 76jährigen, welchen Cyclus unter den Neueren hauptſächlich Ideler⁰*) ins Auge gefaßt hat und, den weſentlichen Eigen⸗ ſchaften nach, nicht blos für eine Berichtigung der Metonſchen Periode durch Ausmerzung des

1) Daraus ergiebt ſich auch, daß das in einem Cod. des Ciceroniſchen Werkes de republ. dem Worte astris beigefügte stellisque in den Text aufzunehmen iſt.

2) cf. Brucker Hist. crit. Philos. I. p. 1142, mit Diog. Laert. VIII. p. 236.

3) Praefat. in Tych. Brah. vit. p. XXXII.

4) ef. ad Aristot. de Coelo II. seet. 46. Fabr. bibl. Gr. III. p. 81. IV. p. 419. Brucker Hist. crit. Philos. I. p. 968. 1142.

5) ef. e. XVIII.

6) Siehe deſſen Handb. d. math. u. techn. Chronolog. I. S. 299. 344. Deſſelben Aſtronom. Beobacht.

d. Alten. S. 161. Vergl. Ukert Geogr. d. Gr. u. R. Th. I. Abth. 2. S. 120. 162. Grod- deck Init. Histor. Gr. liter. I. p. 213.