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der mathemathiſchen Wiſſenſchaften umfaſſenden Entdeckungen und Verbeſſerungen. Er war ein eben ſo guter Theoretiker als Praktiker. Die Sternwarten), die er in Cnidus und Helio⸗ polis in Aegypten errichtet, die Landcharten), die er gefertigt, der achtjährige Cyclus und die Parapegmen“), welche er ausgearbeitet, die Schriften“), in welchen er die Früchte langen Nach⸗ denkens, ſorgſamer Beobachtung über die Himmelskörper niedergelegt hat, ſind glänzende Beweiſe ſeines großen Geiſtes. Was Wunder, daß er, ein Schüler des Archytas“), welcher wohl ſelbſt in ſeiner ungewöhnlichen mechaniſchen Kunſtfertigkeit Mittel gehabt hätte zur Geltendmachung ſeiner neuen Entdeckungen und Grundſätze vermittelſt einer ſinnlichen Darſtellung, ſeine Thätigkeit auf Fertigung eines Himmelsglobus verwendete!
In der mehrmals erwähnten Stelle⁰) ſpricht Cicero davon in den Worten: post autem ab Eudoxo Cuidio— eandem illam(i. e. sphacram a Thalete primum tornatam) astris coelo inhaerentibus esse descriptam wie von einer Verbeſſerung der vorgeblich Thaletiſchen Erfindung. Was die Bedenken gegen Thales Erfindung anbetrifft, ſo iſt bereits das Röthige bemerkt worden*). Hier bieten ſich indeß neue Schwierigkeiten, über die man nicht mit Gleich— gültigkeit hinweggehen darf. Sobald man nämlich dem einfachen Sinn jener Worte folgt, läßt ſich weder begreifen, wie der Thaletiſche Himmelsglobus ſeinen Zweck habe erfüllen können, wenn er— wie die Worte zu ſagen ſcheinen— des weſentlichſten und inſtructivſten Beſtandtheiles, d. h. der Geſtirnbezeichnung, entbehrte, noch iſt einzuſehen, wie es möglich geweſen, daß ein ſolches Machwerk Jahrhunderte hindurch bekannt und doch ohne Verbeſſerung geblieben, bis endlich Eudoxus demſelben ſeine Sorgfalt zugewendet habe. Oder beſtand des Eudoxus Verdienſt nur in einer Erläuterung der Thaletiſchen Sphäre, ähnlich ſeinem Schriftwerke, welches die Grundlage der poetiſchen Beſchreibung des Aratus ausmachte? Dieß läßt ſich nicht annehmen, weil man ſonſt auch geſtehen müßte, Cicero ſei mit den Schriften des Eudoxus ſo unbekannt geweſen, daß ihm eine ſolche Verwechſelung möͤglich geworden. Durch eine umfaſſende Berückſichti⸗ gung ſowohl obenſtehender, als nachfolgender Worte: cujus omnem ornatum et descriptionem, sumptam ab Eudoxo, multis annis post non astrologiae scientia, sed poëtica quadam facultate versibus Aratum extulisse: wird es zum Glück möglich, die Meinung des Schrift⸗ ſtellers zu entziffern.— Die erſte Sphäre beſtand nämlich in einer Kugel, auf deren Oberfläche allerdings wohl einige, nicht aber alle damals bekannte Geſtirne, noch auch in wirklichen Stern— bildern bezeichnet ſein mochten; denn von dem Standpuncte, auf welchem die Aſtronomie zu jener
1) cef. Strabo p. 120. 934.
2) ef. Strabo p. 1. Siehe oben.— Eustath. ad Dionys. Perieg. s. init.
3) cf. Plin. H. N. II, 48.— Lucan Phars. X, 187.— Ideler Handb. d. techn. Chronol. I, 354.
4) Fabr. Bibl. Gr. I. I.— Groddeck Init. hist. Gr. lit. I, p. 213.
5) Nach Plutarch(vit. Num. c. 11) lehrte Arch. die Umdrehung der Erde um ihre Achſe und die Sonne; und nach Gellius(N. A. X, m12) verfertigte er eine hölzerne fliegende Taube.
6) Cicero de republ. I, 14.
7) ef.§ 9.


