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1 (1843)
Entstehung
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Pitane¹)(330 a. Chr.), Callippus*) aus Cycicus(330 a. Chr.), Eudoxus aus Cnidus¹)(368 a. Chr.), Empedocles*) aus Agrigentum(450 a. Chr.), Pythagoras) aus Samos(570 a. Chr.) der Zeit nach geordnet: ſo erhält man eine aufſteigende Reihe, deren Endpunct bis zu den Lebzeiten des Anaximander und Thales hinaufgeht. Zur Seite der Genannten ſtehen noch andere Namen, von denen jedoch keiner geheimnißvoller iſt, als Billarus aus Sinope.

Die Pietät gegen die Verdienſte dieſer Urheber oder Mitbegründer der griechiſchen Aſtronomie ſcheint es gewiſſermaßen zu fordern, daß ihnen, den Zeugniſſen der Claſſiker gemäß, die Ehre der Sphärenerfindung unbedingt zugeſtanden werde; indeß hat ſich bereits bei ähnlicher Veran⸗ laſſung gezeigt, wie nothwendig eine genauere Prüfung alterthümlicher Ueberlieferungen über ſolche Dinge ſei, und es bleibt mithin eine unerläßliche Pflicht, die einzelnen Nachrichten beſon ders ins Auge zu faſſen.

Was Thales ſelbſt als angeblichen Sphärenerfinder betrifft, ſo iſt es, nach dem Ergebniß des Vorhergehenden, bedenklich, ihm dieſes Verdienſt beizulegen, wiewohl er mittelbar zur Erfindung beigetragen haben kann, ſo fern er entweder durch Belehrung über aſtronomiſche Gegenſtände, oder durch Mittheilungen über etwa geſehene Himmelstafeln oder Globen die Phantaſie ſeines großen Schülers befruchtet hat.

Die ſeitdem folgende Bearbeitung des aſtronomiſchen Gebietes belohnte die aufgewendete Mühe durch einen reichen Ertrag; denn es mehrten und berichtigten ſich täglich die Anſichten und Kenntniſſe von den Himmelskörpern. An die Forſchungen der joniſchen Schule reihten ſich, durch dieſe begründet und angeregt, die Beobachtungen und Forſchungen der Pythagoräer, und ſo unmöglich es ſein dürfte, in dem Gewirre von ungenügenden, ſo oft ſich widerſprechenden Nach⸗ richten über die Entdeckungen und Leiſtungen der Philoſophen beider Schulen einen Leitfaden zu finden zur zuverläſſigen Bezeichnung des von dem Einen, oder dem Andern erreichten Zieles: ſo kann doch eine ſorgfältige Beachtung des, von verſchiedenen Claſſikern*) Mitgetheilten nicht umhin, die wichtigen Fortſchritte anzuerkennen, welche in der mathematiſchen Geographie und Aſtronomie gemacht wurden. Bei der zunehmenden Himmelskunde und bei der bekannten, durch Pherecydes Vermittelung bewirkten Uebertragung deſſen, was die joniſche Schule im Felde der Aſtronomie geleiſtet, wird es mithin nicht überraſchend, ſondern vielmehr ganz natürlich erſcheinen, daß die italiſche Schule, deren praktiſche Tendenz zu Tage liegt, ihre Sorgfalt auch

1) Fabric. Bibl. Gr. III. p. 88. 574.

2) Fabr. Bibl. Gr. III. p. 87. 292. Clinton f. H. p. 352.

3) Clinton f. H. p. 122.

4) Clinton f. H. p. 48.

5) Clinton f. H. p. 9. Vergl. überhaupt Groddeck h. Gr. lit.

6) cf. Diogenes Laert. de Vit. et Dogmat. etc. Plutarch de placit. phil. Porphyr. de Vit. Pythag. Vergl. Brucker histor. crit. Philos. I. p. 982 ff. Tennemann Geſch. d. Philoſ. Ukert Geogr. d. Gr. u. R. II. S. 80 ff.)