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1 (1843)
Entstehung
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31 §. 9.

Wahrſcheinlichkeitsbeweis aus Ciceros Nachricht von einer Sphäre des Thales.

Einen zweiten Wahrſcheinlichkeitsſchluß zu Gunſten der Anaximandriſchen Erfindung giebt Cicero an die Hand. In ſeinem Werke über den Staat) giebt er nämlich bei Erwähnung der zwei Archimedeiſchen Sphären, auf welche die Unterſuchung ſpäter zurückkommen wird, die Nachweiſung, daß die eine davon, die im Tempel der Virtus aufgeſtellt war, nur eine Nach bildung der Sphäre geweſen ſei, welche Thales erfunden, Eudoxus aus Cnidus nachmals mit den Geſtirnen bezeichnet und Aratus durch ſein Lehrgedicht verherrlicht habe.

Der erſte Blick auf dieſe Nachricht zeigt freilich keine Beſtätigung, ſondern vielmehr eine Widerlegung der vorſtehenden directen Beweiſe; denn gegen Anaximander erhebt ſich der Widerſpruch eines Mannes, der nicht nur allgemein und mit Recht für einen gründlichen Kenner des griechiſchen Alterthums gilt, ſondern auch als Ueberſetzer der hier in Betracht gezogenen qtrite᷑:s des Aratus einen billigen Anſpruch auf volle Glaubwürdigkeit ſeiner Angabe zu machen ſcheint. Dieſer Widerſpruch des Römers erhält noch mehr Bedeutung durch das große Intereſſe, welches derſelbe, wie aus der häufigen Erwähnung der Sphäre hervorgeht, an Kunſt⸗ werken der Art genommen hat. Gleichwohl treten auf der andern Seite Merkmale hervor, die einen Irrthum Ciceros muthmaßen laſſen.

Vor allem iſt nicht zu überſehen, daß die Ciceroniſche Ueberſetzung der Arateiſchenακνμενα welche Veranlaſſung zur Bekanntſchaft mit den Sphären gegeben und bei Abfaſſung der Bücher vom Staate noch lebhaft im Gedächtniſſe gelegen haben mag, ein Jugendverſuch war), bei dem es wohl mehr auf Uebung im Uebertragen aus dem Griechiſchen und auf Löſung der in der Sprache liegenden Schwierigkeiten ankam, als auf hiſtoriſche Nachforſchungen über die angebliche Erfindung des Thales. Und wenn auch Cicero bei ſeiner hohen Bildung in reifern Jahren den Erzeugniſſen des Nachdenkens und Scharfſinnes überall, wo und wie ſie ſich auch immer kund gaben, Aufmerkſamkeit geſchenkt und ihrem Andenken den Weg zur Unvergeßlichkeit in ſeinen Schriften bereitwillig geöffnet hat: ſo waren ſeine Studien doch wohl mehr auf die ſtrengen Wiſſenſchaften der Philoſophie, Beredſamkeit, Rechtskunde und Politik gerichtet, als auf Forſchungen nach dem wahren Urheber einer Erfindung, wie die fragliche. Daher konnte es geſchehen, daß Cicero, im Vertrauen auf die ſcheinbare Glaubwürdigkeit des ihn leitenden Berichtes, auf Thales das Verdienſt übertrug, welches Anarimander gebührt. Ganz gewiß iſt die Tendenz der Ciceroniſchen Erwähnung von Thales Erfindung durchaus verſchieden von derjenigen, welche in den Werken des Plinius und Diogenes die Ehre der Erfindung auf Anaximander überträgt. Während Cicero nur gelegentlich auf die Erwähnung

1) Cicero de Republ. I. 14. Edit. Lehner. Solisbaci 1824. 2) ef. Cic. de Nat. Deor. II, 41