30
Erfahrungen mit Freudigkeit ermunternde Anerkennung. Der allgemein werdende Gebrauch der Schreibkunſt, der zunehmende Verkehr mit dem Auslande, die Unterdrückung Joniens durch Perſermacht, welches nun mit ſeinem Wiſſen beim Mutterlande Zuflucht ſuchte: alles das leiſtete der ſteigenden Erleuchtung mächtigen Vorſchub und machte für diejenigen Wiſſenſchaften empfänglicher, welche nicht unmittelbar mit dem Staatsleben in Verbindung ſtanden.— Des⸗ ungeachtet bleibt es ſehr unwahrſcheinlich, daß Athen in dieſer Zeit eine viel größere Liebe, wie Sparta, zum geographiſchen Wiſſen und eine vollſtändigere geographiſche Kenntniß des Aus⸗ landes gehabt habe. Darauf lenkte man erſt ſpäter den Eifer, weil man erſt ſpäter darauf Werth legte. Als Herodot ſein Werk zu Olympia“) vorgeleſen hatte, galt der ihn ehrende allgemeine Jubelruf des vereinigten Griechenvolks nicht etwa den bedeutenden Aufſchlüſſen, die er über Erd⸗ kunde und ſo viele andere Gegenſtände von Intereſſe gegeben, ſondern vielmehr,— nach dem ausdrücklichen Zeugniſſe des wortreichen Lucian“)— den ſchmeichelhaften Gemälden griechiſcher Siege über die Perſer. Mit und durch Herodot, den Vermittler joniſcher Kenntniſſe zum Beſten Griechenlands durch Benutzung des Hecataeus, beginnt erſt die Zeit einer zuſammen⸗ hängenden Erdbeſchreibung. Es kann daher auch nicht befremden, daß von geographiſchen Charten, als Verbeſſerungen der früheren von Anaximander und Hecataeus, nirgends die Rede iſt, wohl aber von Himmels- oder Sterncharten. Plutarchs) erwähnt einer ſolchen unter dem Namen oqaioæo ατοοοννwmaus dem 5. vorchriſtlichen Jahrhunderte, die beſondere Beachtung verdient, weil ſie zugleich ein gangbares Vorurtheil, als hätten die Griechen bei ihrem Jugend⸗ unterrichte von dergleichen Charten keinen Gebrauch gemacht), zu berichtigen ſcheint; denn er ſagt im Leben des Redners Iſocrates), daß die Hochachtung, welche dem Andenken des Verſtorbenen eine Bildſäule zu errichten ſich verpflichtet erachtet, denſelben noch dadurch zu ehren geſucht habe, daß ſie ihn als lernbegierigen Schüler in der Mitte ſeiner Lehrer und zwar an der
Seite des unterrichtenden und auf eine aſtrologiſche Sphäre hinſehenden Gorgias bildlich darſtellte.
1) Bähr Ausgabe des Herodot. T. IV. p. 380. Vergl. mit Clinton fast. H. ed. Rrüger. P. 49.
2) Luciani Herodot. sive Aetion sub init. edit. Lehmann. Lips. 1823. T. IV. p. 12l. Vergl. Wachsmuth helleniſche Alterthumsk. Th. II. Abth. 2. S. 453 ff.
3) cf. Vitae X orator. ed. N estermann. Lips. 1833. p. 48. 7„ 98 zcdl ο(æioνοs) rodmes n2*ονο Exoνο rouudeς Te zl³ coν⁸ ⁶αιρταονs a⁶το 6„ ols zu οοꝓννœeĩ σα* αeφσςοαeτ ³½ινο³⁵ουιQχν νμ⁵εέιαοετσ ασν—§ᷣ— τι vjxoxocir-„ rr.οε☚⁵σσσινα
4) Wenn Kapp in ſeiner Abhandlung de incrementis, qude ratio docendae in scholis, historiae et geographiae cepit(ef. Progr. Minden 1836. p. 10) behauptet: usum sphaerae, quod fuit Grae- corum inventum— ad ludas deseendisse, ab nemine confirmari potest: ſo mag dieſe Stelle bei Plutarch darauf antworten. Von Schulen kann nun zwar nicht die Rede ſein, aber doch vom Jugendunterrichte überhaupt. Wie hier Iſocrates zur Kenntniß des Himmels durch Hülfe einer ꝓœαα οι 2Aά̈οπ⁷ viri angeleitet wird, ſo mag auch die Jugend, die höhere Bildung ſuchte, durch Hin⸗ weiſung auf geographiſche Charten zur Kenntniß der Erde angeleitet worden ſein. Die öffentliche Auf⸗ ſtellung ſolcher Charten in Hallen diente unſtreitig nicht blos zur Verzierung. Das Beiſpiel des Socrates(Aelian Var. Hist. III. 28) welcher, obſchon zunächſt zu einem andern Belehrungszweck, den jungen Alcibiades in eine Halle vor eine ſolche Charte führte, iſt nicht ohne beweiſende Kraft.


