24
zu Alexandria in den glücklichen Verhältniſſen eines königlichen Bibliothekars, umgeben von den wiſſenſchaftlichen Schätzen, welche weniger die Prunkliebe, als wahre Neigung zu den Muſen in jener Stadt aufgehäuft hatte. Ihm ſtand alſo gar manche Kunde zu Gebote, welche andern verſchloſſen war, da die königliche Freigebigkeit keine Koſten geſcheut hatte, um die wichtigſten Werke aus allen Fächern des Wiſſens und aus allen Orten zuſammen zu bringen ¹). Mit einiger Zuverläſſigkeit läßt ſich ſogar behaupten?*), daß Eratoſthenes bei der Sammlung und Anordnung der Materialien, woraus ſein Epoche machendes Werk: 1d Tsο‿ννιραασσοσmνεασσ hervorging, auch geographiſche Notizen von Anaximander benutzt habe. Dieſe konnten nämlich damals gar wohl vorhanden ſein. Gehet man von der Verſicherung des Diogenes von Laerte“) aus, daß eine Schrift Anaximanders zufällig in die Hände des Athenienſers Apollodor, der um etwa 140 a. Chr.“), mithin mehr als ein Jahrhundert nach Eratoſthenes lebte, gekommen ſei: ſo war es recht gut möglich, daß Eratoſthenes unter den Schätzen der ihm anvertrauten Bibliothek eine Abſchrift von Anaximanders gelehrter Hinterlaſſenſchaft und darunter auch eine Nachzeichnung von deſſen geographiſchen Charten vorfand.
Wie viel oder wenig indeß auch von dieſer Möglichkeit zur Wirklichkeit geworden ſein mag, jedenfalls iſt das Urtheil dieſes Geographen, gefällt über die geographiſche Erfindung eines ſeiner Vorgänger, und beſtätigt durch die Auctorität Strabos, von deſto höherer Bedeutung, je mehr es im Intereſſe ſeiner Studien lag, den Urheber einer ſo wichtigen Leiſtung zu kennen. Strabo ſelbſt, der Eratoſthenes, ſeinem hochgeehrten Führer, im Geiſte der Wiſſenſchaft gar häufig widerſprechend und berichtigend entgegentritt, beſtreitet die aufgenommene Kunde mit keiner Sylbe; und Agathemer, ein Geograph aus dem dritten chriſtlichen Jahrhundert, wiederholt dieſe Nachricht in den beſtimmten Worten?): Aεμαe§ος τπιωιντοε erG⁴νυσει ενν Ooνμέν ρμἀνα ey mircwt, weshalb alſo feſtſteht, daß von drei der wichtigſten Geographen des Alterthums Anaximander einſtimmig als Erfinder der Landcharten anerkannt wird.— Damit ſtimmt Anaximanders Biograph Diogenes von Laerte) in den Worten: ·⁴„νε 2ι σ‿αοον meOετν πQ²hOYUW9per: ſowie Suidas') in der Angabe: 8yoανννε ς*πμεοαιο ο überein.
Nicht außer Acht zu laſſen iſt überdies noch die Thatſache, daß in den Schriften der Alten keine Nachricht von Landcharten über Anaximander hinausreicht, er ſelbſt vielmehr die letzte Grenze ausmacht, bis wohin die vorhandene Kunde geht. Wollte man gerade dieſes zum Grunde der Behauptung machen, daß die Unterſuchung über die Urſprünge der Chartenerfindung
1) ef. Paneirolli Rerum memorabil. Pars. I. p. 64.— Klippel a. a. O. S. 341.— Ritſchl über d. alexandr. Bibliothek unter d. erſten Ptolem. Breslau 1838.
2) cf. Groddeck H. Gr. lit. T. II. p. 80.
3) ef. Libr. II. 1. B.—„reo εοιιινκνε 6 1ονε⁶dεωιοωοο ονκναos.
4) ef. Groddeck fist. Gr. lit. T. I. D. 40. ue
5) ef. Vroτσισπ⁶αεανν εσ¶£οννοαραας&vν εναιοωQ⅔ I, 1.
8) ün il, 1. HS. 20 9 ben
1) cf. Suidas sub v. Arεειια⁴ααάeν⁴ο⁹ε.


